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Kritik:
Don Jon


von Daniel Schmitt

DON JON
(2013)
Regie: Joseph Gordon-Levitt
Cast: Joseph Gordon-Levitt, Scarlett Johansson, Julianne Moore, Tony Danza

Story:
Jon (Gordon-Levitt) ist ein pornosüchtiger Frauenheld. Seine Familie liebt ihn und er ist mit sich zufrieden. Als er jedoch die schöne Barbara (Johansson) kennen lernt, beginnt er seinen Lebensstil zu hinterfragen.

Kritik:
Mitte der Neunziger flimmerte über unsere Mattscheiben die Comedyserie „Hinter dem Mond gleich links“. Es ging um eine Gruppe Außerirdischer, welche sich als Familie auf der Erde tarnen um die Lebensart der Menschen kennenzulernen. Joseph Gordon-Levitt spielte in der Serie den Sohn, welcher für die Aliens das Schulleben erforschen sollte. Zu dieser Zeit hätte keiner vermutet, dass aus dem Jungen mal einer von Hollywoods gefragtesten Schauspieler werden würde. Nach mehreren Rollen, die ihn langsam hochgebracht haben, schaffte er den endgültigen Durchbruch spätestens 2009 mit der Liebeskomödie „500 Days of Summer“, in welcher er sich unsterblich aber ohne Erfolg verliebte. Danach folgten „Inception“, „50/50“, „The Dark Knight Rises“ und 
Looper. Dass er seinen Platz vor der Kamera verdient, hat er uns mehrfach bewiesen aber taugt er auch etwas dahinter? Mit „Don Jon“ versucht er sich nicht nur als Autor, sondern auch gleich als Regisseur und macht das nicht einmal so schlecht. 

Joseph Gordon-Levitt ist „Don Jon“. Seine Freunde nennen ihn "Don", da er in der Lage ist bei jeder Frau zu landen. Zu Jons Person gehört aber noch mehr. Er liebt seine Familie, seine Kirche und sein Training, aber er noch viel mehr liebt er Pornos. Nur diese ermöglichen es ihn wirklich abzuschalten und sich gänzlich zu verlieren. Ein Gefühl, dass ihm keine Frau bisher geben konnte. Er ist süchtig und hält es für eine Selbstverständlichkeit, bis er Barbara (Scarlett Johansson) kennenlernt. Sie verabscheut Pornos, was Jon zwingt seine Sucht zu verbergen, dabei hat Barbara ein ähnliches Verhältnis zu Hollywoods Liebeskomödien entwickelt. Während Jon sich den Sex aus Pornos wünscht, möchte Barbara einen Mann, der einfach alles für seine Frau tun würde und stellt damit Jon auf eine harte Probe. Der Konflikt ist unvermeidlich, als er dann auch noch Esther (Julianne Moore) begegnet, beginnt sein Weltbild langsam zu bröckeln.

Joseph Gordon-Levitt Regiedebüt in einem Langfilm liest sich sehr gewagt. Er macht die, von ihm gespielte Figur zum attraktiven Schürzenjäger und besetzt die Freundin mit Scarlett Johannson. Was zuerst wie ein feuchter Traum klingt, hat aber mehr als eine Schattenseite. Jon folgt einem gewissen Rhythmus, welcher hauptsächlich aus arbeiten, onanieren, essen, onanieren, Sex, onanieren und der Beichte am Sonntag besteht. In dieser spricht er dann eigentlich nur über seinen außerehelichen Sex und seine Pornos. Der Serienmastubator Jon ist in diesem Rhythmus gefangen und merkt es nicht einmal. Joseph Gordon-Levitt Hauptcharakter beweist hier zwar Ausdauer, aber keinen wirklichen Tiefgang. Auch sein Sinneswandel ist zwar logisch nachzuvollziehen, aber keineswegs aufwendig gespielt. Auch Scarlett Johannson wurde eher nach körperlichen Attributen besetzt, als nach erforderlichem Können. Nicht einmal Julianne Moore als Esther wird viel gefordert. Überraschend sind jedoch Jons Eltern, welche zwar klischeehaft geschrieben aber dafür gut besetzt und gespielt wurden. Besonders hebt sich dabei Tony Danza, als Jons Vater hervor. Der Schauspieler, welcher durch die Sitcom „Wer ist hier der Boss“ bekannt wurde, sieht Joseph Gordon-Levitt wirklich sehr ähnlich und zeigt, dass er was kann, umso mehr ist es schade, dass seine Figur kaum etwas zum Film beiträgt. 

Deutlich mehr gelungen ist jedoch Gordon-Levitts optische Darstellung und die Grundthematik des Films. Jons routiniertes Leben wird immer mit sich wiederholenden, stabilen Einstellungen eingefangen und das Aufflackern seiner Sucht, durch plötzliche und kurze Einschübe von pornografischen Szenen. Seine Begegnungen mit Esther sieht er aber meist durch ein verwackeltes Bild. Esther bringt Jon dazu, sich von seinen gewohnten Bahnen wegzubewegen, was ihm schwer fällt und dementsprechend wacklig visualisiert wird. Leider übertreibt es Gordon-Levitt damit leicht und auch der Weg dorthin wirkt etwas zu lang, was bei 90 Minuten Spielzeit, eine wirkliche Leistung darstellt. Trotzdem ist „Don Jon“ ein unterhaltsamer Film, der nicht nur versteht zu unterhalten, sondern auch die verzerrte Darstellung von Liebe und Sex in den Medien unverblümt thematisiert und für unrealistisch erklärt. Dafür nutzt er klischeehaften und dünn erzählte Charakteren, die es dem Zuschauer ermöglichen, sich mit ihnen zu identifizieren. Man soll sich an die eigene Nase fassen, als woanders hin. Eine gewisse Ähnlichkeit mit Marc Webbs „500 Days of Summer“ ist hier auffällig, besonders da Joseph Gordon Levitt in beiden Filmen die Hauptrolle spielt. Hier wird jedoch nicht abgekupfert, sondern lediglich der Gedanke weitergeführt. Man könnte sogar so weit gehen und „Don Jon“ als den kleinen profanen Bruder von „500 Days of Summer“ bezeichnen.

Fazit:
„Don Jon“ ist kein „Silver Linings“, will es aber auch nicht sein. Es ist eine solide Komödie, mit eindeutiger Botschaft und guten Lachern. Direkt, in seiner Präsentation aber nicht provokativ. Wer „500 Days of Summer“ mochte, kann hier nicht viel falsch machen.

7,5 / 10

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