|
KURZKRITIKEN:
WOLF
DARK WOLF
GRACE
IT'S ALIVE
DONKEY PUNCH
von
Christian Mester
|

|
Jack Nicholson zeigt die Beißerchen |
|
WOLF
(1994)
Regie: Mike Nichols
Cast: Jack Nicholson, Michelle Pfeiffer
Story:
Will Randall (Jack Nicholson) wird eines Nachts
von einem Werwolf gebissen und beginnt kurz darauf,
gesteigerte Fleischeslust zu empfinden.
Kurzkritik:
Wie sieht das aus, wenn man Weltklasseschauspieler
Jack Nicholson mit ordentlich Budget und einer
Michelle Pfeiffer in Bestform (sie war kurz zuvor
erst Catwoman) in einen Werwolffilm packt,
in dem James Spader, den es mal gab (er war der
erste "Stargate" Daniel), beiden auf die Pfoten
tritt? Anstatt diese Werwölfe vollkommen animalisch
zu gestalten, sind sie in diesem Film eher Hommage
an die Anfänge des Genres ala Lon Chaney ("Der
Wolfsmensch"); sie sind
eher menschlich gehalten und mit einfachen Mitteln
gestaltet. Visuell nicht unbedingt aufregend, dafür
lässt es Nicholson umso mehr Möglichkeit, durch
seine Verkleidung hindurch zu spielen. Er ist nicht
ganz auf "Chinatown" oder "Shining" Niveau, legt als
liebestoller Wolf aber eine hervorragende
Performance hin, die gern mitreißt und endlose
anderen Schauspielerin vormacht, was Charakter und
Charisma bedeutet. Toll ist er, aber das liebe in
liebestoll mag da nicht ganz der richtige Begriff
sein, denn Nichols versteift sich darauf, vor allem
Randalls sexuellen Trieb anzufeuern . Eine
Paraderolle für Frauenaufreißer Nicholson, der es
hier mit dem Aufreißen von Arterien verbinden darf.
"Wolf" ist somit mehr Drama als Horrorstreifen, und
das, obwohl er auf ein actionreiches Finale hinaus
läuft. Nach Filmen wie "Underworld" holt das sicher
keine Katzen mehr hinter der Mülltonne hervor, aber
als Showdown der gut gespielten Figuren passt es
dennoch gut.
Fazit:
Der extravagante
Tausendsassa mit den Monster-Koteletten macht die
eher schwache Geschichte zu der seinen... und damit
zu einer guten.
6,5 / 10
10 -
Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
|

|
KANE HODDER leuchtet mit den Augen |
|
DARK
WOLF (2003)
Regie: Hugh Cares
Cast: Kane Hodder, Jamie Bergmann
Story:
Biker-Werwolf jagt Nacktmodelle.
Kurzkritik:
Wer ihn nicht kennt, der kennt keine Horrorfilme:
Kane Hodder hat zwar selbst nicht allzu viel
Prominentes gemacht, gilt aber spätestens durch
seine vier markanten Auftritte in "Freitag, der 13.
Teil VII-X" als eine der ganz großen Horrorikonen.
Und schon mal bemerkt? Sowohl "Hodder" als auch "Voorhees"
(wie in Jason Voorhees) sind Namen holländischer
Herkunft. Zufall? Schicksal?
Unter all den Schubladenwerwolfstreifen wie "Mexican
Werewolf" und "Wolvz vs. Bloodz" wollte "Dark
Wolf" 2003 mit glänzendem Fell an der Leine
ziehen, doch selbst im Jahr 1983 wären die haarigen
Effekte wohl nur lachend ausgebürstet worden. Der CGI-Schamhaarwerwolf sieht wie Deleted
Scenes-Material der Höllenszenen aus "Spawn" aus,
hin und wieder kramt man eine Gummipuppe heraus,
doch selbst auf der jährlichen Dorfkirmes gibt es da
überzeugendere Modelle. Der Plot des ganzen Schmarns
könnte auch abgedroschener nicht sein: junge
Kellnerin erfährt eines Tages, dass es draußen einen
Werwolf gibt, der sie ganz nach "Species II" Art als
Artgenossin sucht. Er beabsichtigt sie gegen ihren
Willen zu beschlafen, um kuschelige Biker-Werwolf-Babies zu machen. Da sie von der Idee
nicht allzu angetan ist, lässt sie sich von einem (über)motivierten
Cop beschützen und quartiert sich in einem
Fotostudio ein, in dem ein Fotograf Nacktfotos von
zukünftigem Wolfsfutter schießt.
Werwolf Hodder steht derweil bei
Nachrichtensendungen im Bild und leuchtet unheimlich
mit seinen roten Augen, bevor es dann zwischen
Nacktshoots hin und wieder ins ultraschlechte
CGI-Getümmel geht. David Boreanaz' Ehefrau und
Playmate Jamie Bergmann wirkt zwischen all den
anderen Nicht-Talenten schon fast überqualifiziert
und Kollegin Samaire Armstrong blieb sich qualitativ
sogar brav treu: sie tauchte noch in
dem ebenfalls grottigen Videospielhorrorstreifen "Stay
Alive" und dem blutigen Lesbenromp "Rise:
Bloodhunter" mit Lucy Liu-wo-ist-sie-nu? auf. Da
jeder Beteiligte bemerkt haben muss, wie schlecht
alles ist und dass niemand irgendetwas kann, hätte
man zumindest mit alledem noch Spaß haben können,
doch "Dark Wolf" nimmt sich leider ernst, und das
auch nicht so sehr, dass man wieder darüber lachen
könnte.
Fazit:
Ne.
0 / 10
|

|
Nicht im Bild: Gary Oldman |
|
GRACE (2010)
Regie: Paul Solet
Cast: Jordan Ladd
Story:
Nach einer Fast-Fehlgeburt bemerkt eine Mutter,
dass ihr knapp überlebtes Kind statt Muttermilch vorliebend Blut
trinkt...
Kurzkritik:
Einer echter Geheimtipp? Das meinte die US-Presse
jedenfalls im letzten Jahr, als "Grace" ihre ersten
Wickelrunden auf verschiedenen Filmfestivals machte.
Wie "It's Alive" (s. unten) ist es ein Film der
seltenen Kategorie Babyhorror.
Visueller Horror steht hier mal im Hintergrund, geht es doch
viel mehr darum, wie Mutterinstinkt auch
grässlichere Entwicklungen übersteigen kann. Ladd,
meistens als unbekannte, nackte Setdeko in Filmen
wie "Club Dread" zu sehen, macht ihre erste große
Rolle gut, überzeugt als moralisch fragwürdig
fürsorgliche Mutter, die mit ihrem Busen
Blutrünstiges säugt und alles akzeptiert, hauptsache
ihr Sproß gedeiht. Solets Geschichte ist still und
leise und versucht es gar nicht erst, in irgendeiner
Form aufregend und spektakulär zu werden, doch da
beginnt auch ihr Makel. In talentierteren Händen und
mit einer
besseren Geschichte wäre eventuell mehr draus
geworden, aber das Endergebnis ist nur okay, vom
Effekt her kein neues "Rosemary's Baby". Dafür
passiert schlichtweg zu wenig, das Dezente bleibt
insgesamt zu dezent, Score und Regie zu schlaff.
Nichtsdestotrotz ein recht ungewöhnlicher Horrorfilm
der anspruchsvolleren Sorte.
Fazit:
Bei moderaten Erwartungen durchaus sehenswert,
netter Horror der stilleren Töne. Bloß nicht schauen,
wenn man selbst ein Kind erwartet.
5 / 10
|

|
Bijou Phillips ist auch Sängerin; ihr
Debütalbum hieß
"Ich würde lieber Glas essen" |
|
IT'S ALIVE (REMAKE)
(2008)
Regie: Josef Rusnak
Cast: Bijou Phillips
Story:
Eine frisch gebackene Mutter entdeckt, dass ihr
Kind ein grausames Monster ist.
Kurzkritik:
Es ist in etwa dieselbe Story wie bei "Grace", doch
"It's Alive" ist die Action-Variante des Konzepts.
Ist "Grace ein stilles Drama, splattert sich das
alive Monsterbaby von "Hostel 2" Star Bijou Phillips
schlachtend durch seine Umgebung und macht jeden Raum zum
blutgefüllten Kreissaal. Das Geschehen nimmt derart
schräge Töne an, dass man es eigentlich keine Minute
lang ernst nehmen kann, vor allem nicht, wenn man das
Baby selbst zu Gesicht bekommt. Basierend auf einer
dreiteiligen Horroreihe aus dem Jahre 1974 ist die
Neuauflage ein flotter Actionhorrorschocker, der
sich selbst nicht ernst nimmt und mit seiner
abstrusen Idee kurzweilig für Unterhaltung sorgen
will. Das klappt ganz gut, da Rusnak kein schlechter
Regisseur ist und sich selbst Phillips - die oft als
Partyluder marke Paris Hilton für Schlagzeilen sorgt
- solide beweisen kann.
Fazit:
Als ernster Versuch eine absolute Katastrophe, doch
"It's Alive" ist so albern, dass man die Gräueltaten
des zahnenden Supermonsterbabies als schräge
Horror-Comedy sehen darf. Tonal das absolute
Gegenteil zum anspruchsvolleren"Grace".
4 / 10
|

|
Hauptdarstellerin Burley
ist eine der Haupttänzerinnen in
STREETDANCE 3D |
|
DONKEY PUNCH - BLUTIGE SEE
(2007)
Regie: Oliver Blackburn
Cast: Nichola Burley
Story:
Bei einer Orgie auf einem Boot kommt's zum
großen Unglück: eine der aktiven Teilnehmerinnen
stirbt. Problem, da es die einen vertuschen wollen,
andere damit aber nicht leben wollen. Es endet mit
Außenbordmotoren im Gesicht.
Kurzkritik:
"Donkey Punch: Blutige See" fängt zunächst wie ein
Softcore-Erotikstreifen an, wird dann aber recht
schnell zum blutigen Überlebenskampf, der
überraschenderweise recht realistisch bleibt. Trotz des urblöden Titels (der ein Sexmanöver
beschreibt, bei dem der Begattende bei der Liebesmüh
gezielt zuschlägt, was hinsichtlich Schlagkraft und
Schlagwinkel schnell daneben gehen kann (und dann
Plot von Filmen wie diesem wird)) sieht sich das ganze Ding recht ernst
und versucht, trotz des kleinen Settings große
Spannung aufzubauen. Die Gespräche der Beteiligten
sind nicht schlecht, doch ihre Sprecher sind nicht
allzu charismatisch, den Machern ist
größtenteils auch nicht viel dazzu eingefangen.
Dementsprechend wird lange herumgejammert und
genölt, bis es erst kurz vor Schluss etwas
unterhaltsamer zur Sache geht. Im Grunde ist es wie
"Open Water 2: Adrift", nur, dass die sich blöd
anstellenden Urlauber sich dieses Mal auf statt
unter und neben dem Boot aufhalten. Insgesamt passen
sie qualitativ recht homogen nebeneinander - und
sind damit gemeinsame Enttäuschungen.
Fazit:
"Donkey Punch" ist kein völliger Fehlgriff, aber
leider auch
nicht der amüsante Horrorslash, den man sich anhand
des Titels eventuell vermuten würde. Ein tretender
Esel beispielsweise hätte das ganze schon mal direkt
aufgewertet.
3 / 10
|