hauptseite  |  vorschauen  |  kritiken |  impressum |  forum



 

 

Kritik:
Don't be afraid of the Dark


von Christian Westhus

DON'T BE AFRAID OF THE DARK (2011)
Regie: Troy Nixey
Cast: Bailee Madison, Katie Holmes, Guy Pearce

Story:
Die kleine Sally wird aufgrund psychischer Auffälligkeiten zum von der Mutter getrennt lebenden Vater (Pearce) geschickt. Der richtet gerade mit seiner Freundin Kim (Holmes) ein altes Anwesen her und wohnt darin. Sally gibt sich verschlossen und mürrisch, wandert auf dem großen Gelände herum, bis sie einen verborgenen Keller entdeckt. Bald schön hört das Mädchen Stimmen aus den Lüftungsrohren im Haus, und sucht neugierig danach. Doch die Stimmen bergen ein unheilvolles und gefährliches Geheimnis.

Kritik:
Die Tücken der Suggestion. Eigentlich hätte das Regie-Debüt von Troy Nixey ein kleiner, netter und wohl eher geringfügig bekannter Eintag in den reichhaltigen Fundus der Haunted House Filme werden können. Für das Remake eines Gruslers aus den 70er Jahren ändert sich durch die Beteiligung von Guillermo del Toro als Co-Drehbuchautor und Produzent aber zumindest der Bekanntheitsgrad und unglücklicherweise auch die Rezeption des Films. Ohnehin schon nach klassischer Haunted House Bauart entworfen, meint man nun an allen Ecken und Enden del Toros Wirken und seine Filme zu entdecken. Ganz zentral „The Devil’s Backbone“ und „Pans Labyrinth“, an die man bei der Entdeckung eines magisch anmutenden Gartens, eines unheimlichen Kellers oder beim Elternstress unserer kaum 10-jährigen Hauptfigur Sally beinahe sofort denken muss. Und kleine Wesen, die scharf auf Zähne sind, gab es in vergleichbarer Form auch schon in „Hellboy 2“. 

Dabei würde das alles losgelöst vom del Toro Kosmos durchaus gut funktionieren. Abgesehen von der garstigen Vor-Titel-Sequenz, wird die Möglichkeit einer psychologischen Lösung geschickt aufgebaut, als metaphorische Reaktion eines Kindes auf seine Umwelt. Eben fast wie in „Pans Labyrinth“. Das kleine Mädchen Sally ist nach der Trennung der Eltern psychisch angeknackst und wird von der Mutter weit weg zum Vater abgeschoben, der sich davon ein wenig überrumpelt fühlt. Während er nämlich das alte Anwesen, in dem er zurzeit mit seiner Freundin Kim wohnt, für den Verkauf herrichtet, hat er nicht den Blick für die Gefühlswelten seiner unglücklichen Tochter. Und diese findet Ersatzmama Kim eh blöd. Wirkungsvoll und mit viel Geduld wird Sallys Faszination für den Garten und besonders für den Keller aufgebaut, in dem sie bald Stimmen hört. Da wird die erste Szene mit den Machenschaften des ehemaligen Hausbesitzers Lord Blackwood (natürlich muss der so heißen) schon fast zum Störfaktor. In seiner scheinbaren Eindeutigkeit nimmt er dem Hauptteil die faszinierende Zweideutigkeit des ersten Drittels, in dem die psychologischen Grundpfeiler gesetzt werden.

Gute Gruselfilme bieten oft gleichermaßen Schrecken wie gute Charaktere und Motive. „Don’t be afraid of the Dark“ bietet, anders als der zuletzt einzig als Sesselkraller taugliche (dafür darin sehr gelungene) „Insidious“, beides, jedoch ohne jemals herausragend zu sein. Die Charaktere leiden unter rein funktionellen Wendungen und Fehlentscheidungen, die sie begehen müssen, während sich unheimliche Spannung immer mal wieder eine erzählerische Auszeit gönnt. Um dennoch längerfristig im Gedächtnis zu bleiben, braucht es schon ein zünftiges Finalen, am besten inklusive einer gelungenen Wendung. Das hier… kann zumindest nicht dem Kaliber eines modernen Haunted House Klassikers wie „The Others“ mithalten. „Don’t be afraid of the Dark“ ist überdurchschnittlicher, aber niemals herausragender Grusel, mit ein paar ziemlich gelungenen Momenten und Ideen. Mit Potential also, was sowohl zufriedenstellt, als auch nach mehr sehnen lässt. Das Anwesen, der Hauptschauplatz, ist mal wieder ein gleichermaßen schauderhafter wie prachtvoller Ort des Unheils, mit einer tollen Ausstattung und eingefangen in wunderbar unaufgeregten Bildern. Marco Beltrami und Buck Sanders liefern dazu einen starken, im positiven Sinne altmodisch anmutenden Score, der durchaus für Stimmung sorgt. 

Nach längerer Auszeit kehrt Katie Holmes auf die Leinwand zurück und überzeugt in einer wenig fordernden Rolle, ähnlich wie der viel zu selten gesehene Guy Pearce. Doch wirklich gut ist Hauptdarstellerin Bailee Madison, die Sallys innere Gefühlswelt ebenso glaubwürdig verkörpert, wie blanke Panik. Und zusammen mit einem effektiven Sounddesign und einer routinierten Inszenierung entstehen in einem solchen Szenario von Natur aus unbehagliche Szenen. Im Dunkeln lauert die unbekannte Gefahr, verwinkelte Lüftungsschächte bergen Unheimliches, dazu ein Teddybär, der gelungene Einsatz von Licht als Waffe und die Präsenz der Wesen selbst. Die vermeintliche Auflösung des Blackwood-Geheimnisses und der kribbelnden krabbelnden Bedrohung kommt reichlich stillos und plump. Auch hätte man die computergenerierten Wesen nicht unbedingt in voller Montur zeigen müssen, doch ihre Bewegungen, ihre Präsenz und ihre Stimmen, lassen manches Mal die Nackenhaare aufstellen.

Fazit:
Schön altmodischer Geisterhaus-Grusel, der vieles richtig macht, aber nicht das Optimum an Spannung, Grusel und Atmosphäre herausholt. Viel Zeit wird in die nicht uninteressante Hauptfigur investiert, doch für manche Horrormomente biegt man die innere Logik trotzdem ein wenig zurecht. Überdurchschnittlich, aber mit Makeln.

6 / 10

> Deine Meinung zum Film?

Copyright © 2004-2050 bereitsgesehen.de, alle Rechte vorbehalten
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websites verantwortlich