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Kritik:
Don't be afraid of the Dark


von Christian Mester

DON'T BE AFRAID OF THE DARK
Regie: Troy Nixey
Cast: Daniel Craig, Olivia Wilde, Harrison Ford

Story:
Für die junge Sally (Bailee Madison) bricht eine Welt zusammen, als ihre Mutter sie zu ihrem Vater (Guy Pearce) und dessen neuer jungen Freundin Kim (Katie Holmes) aufs Land verbannt. Die beiden sind selbst gerade dabei, ein altes Herrenhaus zu renovieren und haben keine Zeit für das Kind, das also auch an zweiter Adresse nicht allzu willkommen ist. Enttäuscht tigert sie sodann alleine über das gewaltige Anwesen und entfernt, von Neugier und Flüsterstimmen getrieben, ein festgeschraubtes Gitter in einem alten Kellergemäuer. Was sie nicht ahnt? Dahinter stecken kleine grausliche Biester, die Finsteres vorhaben...

Notiz: OV-Fantasy Filmfest Kritik

Kritik:
Horrorfilme lassen sich auf verschiedene Arten präsentieren, doch schaut man einmal auf das Programm der letzten Jahre, fällt auf, das generell fast ausschließlich Teenie-orientierter Horror lief. Filme, in denen oftmals hauptsächlich Jugendliche die Hauptrollen spielten, die hip, modern, kurzweilig und mit leichter Unterhaltung gefüllt waren, Filme, die zweifellos großen Wert auf gegenwärtige Musik, und auch gegenwärtige Score-Orchestrierung legten. Ein sehr altmodischer Horrortitel ist nun Don't be afraid of the Dark, seines Zeichen nach Remake eines uralten obskuren TV-Films, den auch gebildete Horrorgeeks schamfrei nicht kennen dürfen. Inszeniert wurde es von Debütant Troy Nixey, der ganz gezielt etwas schaffen wollte, das sich von den Paranormal Activities, den Saws und Final Destinations absetzen sollte. Ein Ziel, das ihm fraglos gelungen ist.

Obwohl der Film in der Gegenwart spielt, ist er derart altmodisch inszeniert und ausstaffiert (Polaroid-Fotokameras, kein Internet, keine Smartphones), dass man glatt meinen könnte, er spiele in den späten 70ern. Statt an Saw und Co. erinnert er von der Machart her an ältere Kamellen wie Die Schlange im Regenbogen, an Das Omen oder auch The Changeling. Ebenso klassisch ist das Setting: ein vermodertes, altes Familienhaus mit großem Garten, das schon von sich aus gruselig wirkt, jedoch nie diesen neuzeitlichen Hochglanz-Dreck-Look annimmt, den es regelmäßig in Filmen wie The Texas Chainsaw Massacre 2003 oder The Hitcher 2007 zu sehen gibt. Nixeys Regie beweist Liebe fürs Detail, tolles Auge für Aufnahmen und eine sehr angenehme Schnittkomposition - ein tolles Regiedebüt.

Im Mittelpunkt seines Films steht keine 17jährige mit Modelfigur, die inmitten des Films ausgiebig Duschen geht und sich anschließend online über die Grauen informiert, sondern ein kleines Kind, das alles aus niedriger 1,50m Augenhöhe erlebt. Nixey fängt diesen kindlichen Betrachtungswinkel grandios ein; so ist die Kleine nicht von Anfang an verstört, sondern begegnet den flüsternden Gnomen zunächst mit Neugier, bereit, sie als kleine Kuriositäten für sich zu behalten. Erst nach und nach werden sie zum Horror, was großartig umgesetzt ist. So gibt es unter anderem eine äußerst spannende Szene im Kinderzimmer, in der ein "Ich liebe dich"-grummelnder Knuddelbär scheinbar lebendig wird und die kleinen Biester auf Belagerungskurs gehen. Hervorragend wird der Horror geschürt, etwas Böses könne unter dem Bett, oder schlimmer noch, schon unter der Bettdecke sein.

Bis auf ein, zwei Momente lässt es Nixey aus, plumpe Buh!-Momente zu haben und setzt stattdessen auf schleichenden Horror, der nur selten ablässt. Einen der besten Scores des Jahres bringt Scream-Komponist Marco Beltrami, der Sallys Geschichte fantastisch untermalt. Dass der Film mit seinen Kreaturen insgesamt eher wie ein Horrormärchen wirkt, überrascht nicht: unterstützt wurde es von Regisseur und Kreativkopf Guillermo del Toro, der selbst schon ähnliches inszenierte (The Devil's Backbone, Pan's Labyrinth). Überraschend ist, dass es immer wieder eingestreut kleinere humorvolle Momente gibt, die dem ernsten Ton des Ganzen jedoch nie schaden.

Im Dunkel sind jedoch auch einige echten Schwächen verborgen, die man sich hätte sparen können. So wird die mysteriöse Hintergrundgeschichte durch einen deplatziert wirkenden Bibliothekar gestört, der eine Buch mit Komplettlösung im Schrank stehen hat und daraus lesen lässt - überflüssigerweise, reichen Wandgemälde, Bilder und ein kleiner Prolog bereits völlig aus, um sich über die Monster und ihrer Herkunft zusammenreimen zu können. Die Schauspieler agieren schrägerweise invertiert: ist Katie Holmes meistens eher schwach, überzeugt sie hier als sorgenvoller Schwiegermutter-Ersatz; ist Guy Pearce meistens grandios, verkommt er hier zu einer einsilbigen, nie wirklich genutzten Nebenfigur. Dann gibt es große Logiklöcher, die vor allem dann greifen, fragt man sich, wieso die Erwachsenen nicht eher darauf stoßen, dass die Kleine mit ihren Phantastereien Recht haben mag (und selbst wenn nicht, und sie glauben würden, die Kleine selbst brachte jemanden mit dutzenden Messerstichen entstellt ins Krankenhaus, so agieren sie unrealistisch gleichgültig). Auch der Showdown ist nicht das Wahre; nicht nur, dass er eine große Frage offen lässt, ist er schon zu früh gänzlich absehbar, womit das ansonsten toll umgesetzte Finale kaum noch Spannung hat. Schlussendlich seien zumindest noch die Homunculi -reaturen gelobt, die zwar komplett aus dem Computer kommen, dafür aber solide umgesetzt sind und herrlich fies, verlockend und hinterhältig agieren.

Fazit:
Don't be afraid of the Dark macht sich einiges unnötig schwer, ist aber dennoch ein sehr empfehlenswerter Genrestreifen, der mit seiner altmodischen Machart und Stimmung angenehm überzeugt. Da er fast gänzlich ohne Blut auskommt, bietet er sich vortrefflich an, mit der ganzen Familie gesehen zu werden, wobei er für Kids womöglich effektiver Gruselszenen zum Kult, für Erwachsene zum gut gemachten Horror werden kann
.

6,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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