BG Kritik:

Do the Right Thing


Der "Snob" unter den BG Redakteuren. Seine Herkunft ist mysteriös. Angeblich besucht er ein Bildungsinstitut in Bielefeld. In Bielefeld!

Diese Kritik erschien im Rahmen der Kritikenreihe 'Treasure Monday'. Was ist 'Treasure Monday'?

Do the Right Thing (USA 1989)
Regisseur: Spike Lee
Cast: Danny Aiello, John Turturro, Ruby Dee, Spike Lee, Bill Nunn

Story:
An einem enorm heißen Tag in einer New Yorker Nachbarschaft kommt es zu Unruhen mit rassistischen Untertönen, ausgelöst nicht zuletzt durch laute Musik und Fotos in einem italienischen Restaurant.

Der Film, der Regisseur Spike Lee den Durchbruch verschaffte. Und der Film, der angesichts jüngster Nachrichten aus den USA so wirkt, als sei er letzte Woche gedreht worden.

Spike Lee wollte Danny Aiellos Rolle ursprünglich mit Robert De Niro besetzen.


Es gibt nicht viele Filme, die 25 Jahre nach ihrem Entstehungsdatum einen so enormen Wirkungsgrad und eine derartige Aktualität haben, wie Spike Lees „Do the Right Thing“. Das ist angesichts zahlreicher Unruhen und gewaltsamer Proteste in den USA, zumeist ausgelöst durch von Polizisten erschossene schwarze Amerikaner, natürlich keine schöne Sache. Doch Lees Film will gar keine „schöne Sache“ sein. „Do the Right Thing“ legt den Finger in die Narbe der amerikanischen Identität und versucht auf hochkomplexe Art und Weise einen Anreiz zu geben, warum diese Narbe noch heute schmerzhafte Konsequenzen nach sich zieht. Die Zeit nach dem Erscheinen von „Do the Right Thing“ ist zu einer eigenen komplexen Episode zum Thema rassistischer Konflikte in den USA geworden; mit Figuren wie Pizzabote Mookie, Pizzabäcker Salvator und Musikliebhaber Radio Raheem, die zu Symbolfiguren wurden, aber auch durch die Oscars, als der Film 1990 gegen das etwas andere Rassismusdrama „Miss Daisy und ihr Chauffeur“ unterlag.

Lee erzählt vom heißesten Tag des Jahres in einem Stadtteil in Brooklyn, den man möglicherweise mit dem angestaubten Begriff „Multikulti“ beschreiben würde. In der dennoch überwiegend schwarzen Nachbarschaft gibt es Gruppen aus „Hispanics“, koreanische Gemüsehändler, und Italiener Sal (Danny Aiello) führt mit seinen Söhnen seine Pizzeria. In dieser Pizzeria kommt es dann auch zum ersten Konflikt. Eine Lappalie, möchte man meinen, doch eine die sowohl die Schwierigkeit zeigt, in diesem Problem eine klare Wahrheit beziehungsweise „das Richtige“ zu finden, als es auch Lees clevere Handhabe des Stoffes zeigt.

Angeblich der Film zum 1. Date von Barack und Michelle Obama.


Spike Lee schafft es auf leichtfüßige und enorm faszinierende Weise, in wenigen Augenblicken diese hochauthentische Nachbarschaft vorzustellen und mit spannenden Figuren zu bevölkern. Diese Figuren, obwohl auf den ersten Blick wie Chiffren angelegt, sind absolut lebendig, erfüllen sowohl die Funktion eines Symbols, als auch die emotionale Verbindung eines echten Charakters. Wenn Radio Raheem, der hochragende Kerl mit den „Love/Hate“ Ringen und der tragbaren Musikanlage auf den Schultern, um schwarze Repräsentanten an der Fotowand in Sals italienischer Pizzeria verlangt, dabei aber bei Sal auf taube Ohren stößt, sind wir in einem komplexen Reaktions-Hin-und-Her aus „ja, schon, aber“ gefangen. Radio Raheem lässt Public Enemys „Fight the Power“ als musikalische Drohgebärde erklingen, währen Samuel L. Jackson als ortsansässiger Radiokommentator der sengenden Hitze trotzt und die Situation kommentiert. Meinungen, Ansichten und Ideale treffen unmittelbar aufeinander.

Die Hitze gibt der sozialen Hitze aus Vorurteilen, Jahrhunderten einer komplizierten Geschichte, sozialer Ungleichheit, territorialem und nationalem Stolz, sowie purem Rassismus Nährboden. Langsam aber stetig braut sich auf dem kochenden Asphalt etwas zusammen. Lees Figuren, gut zwei Dutzend kleinere und größere Zwischenepisoden, wenn man so will, werden auf spannende und effektive Art und Weise in diesen Tagesablauf eingebaut. Lee gibt sich selbst dabei eine der komplexesten Rollen, was unterstreicht, mit welch einer Wut im Bauch und mit welch zutiefst persönlichem Anliegen er diesen Film in Angriff nahm. Als lässiger und fauler Pizzabote Mookie folgen wir insbesondere ihm bei seinem Hin und Her durch den Block. Er ist es, der vom ausgebrannten und doch wachen alten Kauz Mayor den Leitspruch, das Richtige zu tun, mit auf den Weg bekommt. Lee ist kein begnadeter Schauspieler, doch als Regisseur, Drehbuchautor und Darsteller legt er schlicht und ergreifend alles, was er hat, in diesen Film. „Do the Right Thing“ ist ein Film der bebt und tobt, der von einer Energie belebt ist, die irgendwann folgerichtig in Aggressivität umschlägt. Lee scheut weder vor unangenehmen Fragen zurück, noch vor wütenden Anklagen oder polemischer Symbolik. Nach diesem zeitlosen Meisterwerk hat man folgerichtig tausend Ideen gleichzeitig durch den Kopf rasen.

Fazit:

Brillant geschriebenes, schweißtreibendes und mitreißendes Meisterwerk, das heute (leider) noch genauso relevant ist, wenn nicht gar relevanter, als 1989.

10 / 10

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