BG Kritik:

Dracula Untold


von Christian Mester

Dracula Untold (US, 2014)
Regisseur: Gary Shore
Cast: Luke Evans, Dominic Cooper, Charles Dance

Story:
Vlad war einst ein gefürchteter Krieger für die Türken, doch seit er dem Blutvergießen abgeschworen hat, lebt er ein ruhiges Leben als Herrscher eines kleinen Reiches. Als die Türken zurückkommen, widersetzt er sich, was Folgen hat. Nun sehen sie einer unaufhaltsamen Armee entgegen. Vlad sieht sich gezwungen, ein mysteriöses Ungeheuer in den Bergen aufzusuchen…

Nach I, Frankenstein... wie viele Pfähler kann ein Dracula Film haben, oder auch Vlad the fuck?

Dracula Filme gibts wie Sand am Mumiengrab, und selbst der berühmteste alte (mit Bela Lugosi) war damals schon ein Remake. Wie kann noch einer also schaden? Lange als Dracula: Year Zero betitelt, sollte der für blutige Bilder bekannte Neil Marshall (The Descent, Game of Thrones) das Projekt schon vor Jahren machen. Als er rausfiel und Neuling Gary Shore übernahm und mit ihm die Begriffe PG-13 und Umkonzentration auf ein jüngeres Publikum seine Runde machten, durfte man Bammel bekommen. Hatten sie diesen anderen „Bat-Man Begins“ etwa verdorben? Selbst die Vorschau für das Ding verhieß nicht viel Gutes. Plärrende Popmusik, viel CGI Gedöhns und eine schleichende Vorahnung, dass Dracula wie Ridley Scotts Robin Hood erst in den letzten Filmminuten zur Titelfigur werden könnte, pflockten Skepsis noch viel tiefer rein. Glücklicherweise darf man jeglichen Knoblauchatem erstmal für sich behalten, denn was da mit der Demeter rüberkam ist ein tatsächlich vorzeigbarer Film geworden.

Evans spielte den Bösewicht in FF6


Die beiden wichtigsten Vorurteile vorab gekillt: der Film ist kein Charts-Musik getränkter Teenkram, sondern ein ernster Mittelalterfilm, sogar ohne Love Story, außerdem sind die im Trailer gezeigten Effektshots mit den Fledermäusen keineswegs bereits der Showdown, und im Film akzeptabel platziert. Es ist allerdings auch längst kein Braveheart oder Game of Thrones, eher ein Centurion oder Black Death, und da muss man vorsichtig differenzieren. Dracula Untold ist tatsächlich PG-13, bei uns FSK 12, aber obgleich viele Szenen wundersam wenig Blut zeigen fällt es nicht sehr ins Gewicht. Wenn Dracula mit frisch gewonnenen Überkräften allein gegen hunderte Soldaten in die Schlacht zieht und sie aller niedermetzelt, ist ein Bodycount unübersehbar. Körperteile fliegen, Blut landet hier und da, nur wird es nie so explizit graphisch, wie man es eventuell schon von Fernsehserien gewohnt ist. Man hat aber dabei keineswegs das Gefühl, für Kinder runterzensierte Sesamstraße zu schauen. Das ist auch der ernsten, aber sich nicht besonders wichtig nehmenden Inszenierung zu verdanken, die ein gutes Maß zwischen seriöser Handlung und der Tatsache findet, dass außer Luke Evans und Charles Dance (aus Game of Thrones, spielt hier einen Vampir) niemand sonst ansatzweise schauspielerisch gefordert wird.

Das ist kein großer Verlust, da Evans, der schon länger existiert aber erst seit Fast & Furious 6 positiver ins Licht rücken konnte, den Film fast souverän allein trägt. In den ersten fünf Minuten wird schon erzählt, dass er als Soldat für die Türken ein grausamer Massenmörder war, der es liebte, seine Opfer auf Holzpfählen aufspießen zu lassen um Feinde in Angst zu versetzen. Evans spielt sich aus dieser unverzeihlichen Täterrolle tatsächlich heraus und wird einem sympathisch. Dracula Untold ist primär ein Film über einen Vater, der für Frau und Kind alles zu tun bereit ist, und diese Zerrissenheit bestreitet Evans sehr gut. Nach dem Deal mit dem Vampir kriegt er seine Superkräfte und diese erinnern ein wenig an Die Mumie, nur dass Dracula statt Sand Fledermäuse einsetzt, die er kontrollieren oder in die er sich auch verwandeln kann. Effekttechnisch ist das ganz anständig gemacht und hinterlässt nichts von dem faden Beigeschmack des Trailers. Was die Spannung des Films vorantreibt, ist ein Rennen gegen die Zeit. Der Vampir schenkt ihm die Kräfte mit einer Probezeit. In dieser Zeit kann er alles einsetzen und ist anschließend wieder ein Mensch. Allerdings wird er schnell wahnsinnig vor Blutdurst, und trinkt er in der Zeit auch nur ein einziges Mal, wird er eventuell zur untoten unkontrollierbaren Bestie. Dann wären da die Türken, angeführt von einem äußerst eindimensionalen Dominic Cooper (war schon Bösewicht im Need for Speed Film), die vorrücken und sich nur des Nachts mit den Superkräften angreifen lassen, sowie die Bürger des eigenen Volks, die vom Aberglauben getrieben jedes nichtmenschliche Wesen abfackeln wollen.

Sollte der Film gut laufen, wird das kommende Die Mumie Remake drauf verweisen


Es glänzt natürlich nicht alles, was Silbermünze ist. Dracula wird hier als tragische Figur in Szene gesetzt, hauptsächlich jedoch als hilfsbereiter Held. Als Film wäre es womöglich viel interessanter, ihn aufgrund diverser Umstände und Zwänge zur richtig dunklen Gestalt werden zu lassen, was auch zu des Grafen typischer Reputation passen würde. Da scheut Shore aber vor und möchte uns seinen Dracula positiver zeigen. Das ist, wie es gemacht ist durchaus in Ordnung, aber könnte letzten Endes der eine Pflock sein, der den Film bei gut schaubarer Unterhaltung belässt und wirklich ansprechende Neuinterpretation des Dracula Mythos nicht ermöglichen kann. Einige der Kampfszenen sind leidlich verwackelt eingefangen, Bösewichte und Freunde bleiben zu unauffällig und die Coda-Szene wirkt ein wenig abrupt und seltsam. Dennoch der vermutlich beste neue Dracula Film seit Bram Stoker’s Dracula.

Dracula Untold ist als erster Teil eines neuen Shared Universe geplant, dh dieser Dracula soll in Zukunft auf ein neues Frankenstein-Monster, auf die Mumie und den Unsichtbaren usw. stoßen. Überraschenderweise hat der Film keinen direkten Verweis und auch keinen Nick Fury Moment. Stattdessen ist die letzte Szene des Films ein Aufruf zu mehr, indem jemand sagt „Mögen die Spiele beginnen“. Und es ist nicht mal ein Mr. Van Helsing, also, selbst wenn Untold ganz schrecklich floppen sollte und nichts mehr hinterher kommt, fühlt sich dieser hier abgeschlossen genug an und hat kein offenes Ende – das sei damit gesagt.

Fazit:

Untold ist kein Unhold: der neue Dracula ist ein ganz ordentlicher Mittelalter-/Fantasyfilm, der sein Herz am rechten Fleck hat. Das große Grauen seelenlosen Kommerzschrottes ist er auf gar keinen Fall geworden, und auch wenn er’s mit dem Anspruch nicht besonders hat, schlägt er peinliche Vorreiter wie den Kung Fu Frankenstein I, Frankenstein oder auch den super gemachten, super schnöden Wolfman an jedem Tag der Woche.

6 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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