hauptseite  |  vorschauen  |  kritiken |  impressum |  forum



 

 

Kritik:
Dredd


von Christian Mester

DREDD
(2012)
Regie: Pete Travis
Cast: Karl Urban, Olivia Thirlby, Lena Headey

Story:
In der Zukunft leben die Menschen zusammengepfercht in Slummetropolen, in denen Verbrechen und Desolation herrscht. Judges sind knallharte Polizisten des Systems, die zugleich als Richter und Henker fungieren und ihr Urteil auf der Stelle umsetzen, darunter nicht selten die Todesstrafe. Einer von ihnen, Dredd (Karl Urban), hat eines Morgens eine Rekrutin (Olivia Thirlby) für einen Probetag bei sich, mit der er einen Mordfall in einem 200stöckigen Gebäude inspizieren soll. Aus der vermeintlichen Routine wird eine Herausforderung, als sie eingeschlossen und von den Söldnern der Drogendealerin Ma-Ma (Lena Headey) gejagt werden…

Kritik:
Judge Dredd? Da war doch mal was… genau, Danny Cannons trashiger 90er Stallone Film, der zwar reichlich interessanten Dystopie-Schnickschnack bot (Cyborgs, Kannibalen, fliegende Motorräder, Klone usw.), trotzdem aber doch nur mittelmäßig blieb. Zu trashig so manche Sci-Fi-Szene, zu plump die Versuche, den Film händeringend familienfreundlich erscheinen zu lassen. Dementsprechend war es kein Wunder, dass der 2012-Neustart nun andere Richtungen einschlägt. Pete Travis‘ Dredd hat zwar auch vereinzelt „amüsante“ Szenen, stellt aber insgesamt einen wesentlich ernsteren Ansatz dar. Dem neuen Dredd hampelt kein quasselnder Rob Schneider dazwischen; stattdessen wird mit finsterer Miene Flur für Flur voller Bösewichte leergeräumt, wird fachmännisch grimmig Bodycount aufgetürmt und sich konsequent vorgearbeitet. Ähnlich wie die letzten Auftritte des Punishers oder Rambo zermalmt auch Dredd seine Gegner mit aller Härte und macht seine Rückkehr somit primär zu einem knallharten Actionfilm. 

Dredd ist aber auch ein Film, der sich mehrfach beweisen muss. Angefangen damit, dass er nahezu gänzlich in einem Hochhaus mit 200 gleich aussehenden Etagen spielt. Was gerade im Vergleich mit dem abwechslungsreichen Vorgänger langweilig klingen mag, wird es nicht. Dafür krempelt Regisseur Travis seine Ärmel zu hoch und bietet inmitten der langweiligen Mauern laufend stattliche variable Action, und dass, obwohl er auf Martial Arts verzichtet (es ist quasi das Schusswaffen-Pendant zu The Raid, mit etwas weniger spektakulärer Action, dafür mehr Handlungsstärke). Die Action ist insofern interessant, als dass die Bösewichtin Madeleine „Ma-Ma“ Madrigal den Cops immer neue und immer schwierigere Hürden vorsetzt. Der zunächst einsilbig und stumpf wirkende Dredd wird dabei zum Glück nicht zur unbesiegbaren Übermaschine stilisiert, sondern gewinnt die meisten seiner Kämpfe mit klugen Guerilla-Angriffen, oder – auch mal purem Glück, was ihn erfassbarer und näher macht.

Ebenso überraschend ist der langsame Sympathiegewinn für Lord Helmchen. Wirkt der Mann mit dem roten Kübel anfangs noch wie OCP’s Ideal-Robocop, wird ein Murphy draus. Karl Urban, der im ganzen Film nicht einmal den Helm abnimmt und fast ausschließlich fies dreinschaut, lässt immer wieder durchschimmern, dass hinter der harten Maskerade doch noch ein Mensch steckt. Kleinere Sekunden der Unsicherheit, des Humors, der Vergebung, der Sympathie für seine Kollegin deuten an, dass Dredd sehr wohl fühlen, sehr wohl für sich denken kann und eventuell sogar einen ersten Wandel erlebt. Eine Rolle, die den frühen Clint Eastwoods recht nah kommt. 

Eine weitere Überraschung ist seine Kollegin Anderson, gespielt von Olivia Thirlby (Darkest Hour), die zunächst selbstredend wie ein deplatzierter, unbeholfener Klotz wirkt. Eine 1,60m zarte junge Frau, die sich räuspernd mit zittriger Hand in Untiefen voller Killer und Vergewaltiger begibt? Aus dem vermeintlichen Opfer wird flugs eine toughe, glaubhafte Partnerin, die ihre körperliche Schwäche mit starken Telepathiekräften ausgleicht, mit denen sie Gedanken lesen und Gegner verwirren kann. Eine Figur, die gut zum nur minimalst aufwärmenden Dredd passt, mit denen sie ein interessanteres Gespann als so manches Fernseh-Ermittlungsteam abgibt. Letztendlich darf man sich sogar rückblickend wundern, wie kantig ihr vermeintlich platter Trip doch ist. Obwohl es nur geradlinig, durch Gegnerhorden ballernd, durch zig Etagen bis nach oben geht, ertappt man sich nach und nach dabei, am Ende mehr an den Charakteren als an den Actionszenen interessiert zu sein. 

Auf Seiten der Gegner gibt es indes zwei bekanntere Gesichter: Avon Barksdale aus The Wire gibt einen verzweifelten Dealer ab, den Dredd und Anderson durch das ganze Gebäude mitschleppen müssen. Wissend, dass er entweder von den Cops als Täter oder aus den eigenen Reihen als Verräter getötet werden wird, lässt er nichts unversucht, zu fliehen. Als Matriachin des Clans steht Lena Heady (300) bereit, die eine solide Anführerin abgibt, die sich auch nachvollziehbar verhält – wenn auch einen besseren Showdown verdient. Dass Dredds Comeback für einen Actionfilm überraschend schick umgesetzt ist, kommt nicht von ungefähr: Regisseur Travis arbeitet hier mit Ausnahme-Kameramann Anthony Dod Mantle (Slumdog Millionär, 127 Hours) zusammen, der die finstere Dystopie vor allem in effektiven Drogenrauschszenen visuell interessant einzufangen weiß. Auch der Score, elektronisch, treibend-pulsierend, passt gut zum Rest; das Gesamtpaket lässt Dredd trotz „relativ“ geringen Budgets von nur 50 Millionen Dollar folglich stattlich wirken. Das 3D in DreDD? Sehr hochwertig umgesetzt, mit schöner Tiefenwirkung. Im Film gibt es eine Droge namens Slo-Mo, in der User alles in Zeitlupe und in funkelnd sehen – Travis nutzt dies besonders fies, um vielen der Gegner Dredds Gewalteinwirkung in polierter Zeitlupe spüren zu lassen.

Fazit:
Dredd ist simple, harte Action. Aber gute, da schicke, variable und charismatische, in lohnendem 3D. Ein bescheidener Pflichtfilm für jeden Actionfan, vor allem dann, wenn man so manche Genreallüren (junge, hippe Darsteller/witzige Nebenfiguren/Popkulturverweise/Dubstep/entschärfte Gewalt/Frauen in reiner Opferrolle) gern mal außen vor lässt.

8 / 10

> Deine Meinung zum Film?

Copyright © 2004-2050 bereitsgesehen.de, alle Rechte vorbehalten
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websites verantwortlich