|
DREHBUCHKRITIK:
DRIVE ANGRY 3D
Script: Todd Farmer, Patrick Lussier
von
Christian Mester
Vorwort:
Nicolas Cage hat ein Faible für Rollen, in denen
er als geistig instabiler oder überzogen verrückter
Charakter agieren kann (s. "Ghost Rider", "Wicker Man:
Ritual des Grauens", "Bad Lieutenant 2: Cop ohne
Gewissen"). In Drive Angry 3D, der vom
Regie/Autorenteam
von "My Bloody Valentine 3D" geschrieben wurde, bekommt er 2011 jede
Menge Gelegenheit dazu.

Inhalt:
John Milton ist ein älterer Mann, der wutschnaubend
auf der Suche nach einer merkwürdigen Sekte ist.
Angeführt vom ruchlosen Jonah King hat diese seine
Tochter getötet und deren Kind entführt. Auf der
Jagd nach den Verantwortlichen trifft er unterwegs
auf die toughe Kellnerin Piper, die sich ihm
anschließt und auf einen merkwürdigen Mann, der sich
selbst "der Buchhalter" nennt.
Im Film spielen folgende Personen die wichtigsten
Rollen:
John Milton - Nicolas Cage spielt den ergrauten
ehemaligen Trucker, der seine Gegner am liebsten mit
seinem Wagen attackiert. Die Figur ist nach dem
gleichnamigen Autor betitelt, der ein berühmtes Werk
über die Hölle verfasst hat (genau so heißt Al
Pacinos Figur in "Im Auftrag des Teufels").
Piper Lee - Amber Heard ("The Stepfather
2010", "All the
Boys love Mandy Lane") spielt eine Kellnerin, die
Milton in Folge eines blutigen Kampfes kennen lernt
und die selbst auch gut austeilen kann. Keine
Love-Interest für Milton.
Der Buchhalter - William Fichtner ("Pulp Fiction",
"The
Dark Knight") spielt diese merkwürdige, eventuell
übernatürliche Gestalt, die Milton und Amber auf
ihrem Trip verfolgt und aufzuhalten versucht. Trivia:
Fichtner spielt hier einen Mann, der beruflich mit
Zahlen zu tun hat; in "The Dark Knight" spielte er
einen Bankier.
Jonah King - Billy Burke (Bellas Vater aus den
"Twilight" Filmen) spielt den vernarbten Anführer der
Sekte.
Ebenfalls dabei: David Morse ("16 Blocks"), Model
Christa Campbell und Horrorlegende Tom Atkins ("The
Fog - Nebel des Grauens",
"Halloween 3").

Kritik:
"Nic Cage jagt Leute in ansehnlichen Musclecars",
quasi die gegensätzliche, vernarbte "Aufs-Maul"
Version seines "Nur noch 60 Sekunden" Remake s- das muss in etwa
die Prämisse von "Drive Angry" gewesen sein, da das
mehr oder weniger schon der Kern der Story ist.
Vergnügt sich Milton nicht gerade mit Stripperinnen,
hängt in finsteren Spelunken herum
oder wird auf offener Straße zusammengeschlagen,
rast er mit seinem späte 60er Jahre Musclecar hinter den
bösen Jungs her und sorgt für ordentlich Blut und
Blechschaden.
In Sachen Action ist "Drive Angry" eine Wucht. Rau und
schonungslos geht es immer wieder auf die Vollen und
sowohl Milton und Piper, als auch Miltons Gegner
kriegen es am laufenden Band faustdick ins Gesicht.
Es gibt aufwendige Verfolgungsjagden und Crashs ala
"Grindhouse: Death Proof", jede Menge Stunts,
Prügeleien und Schießereien nach Werkshandbuch und
einen insgesamt sehr rohen Ton, der an den Kevin
Bacon Rache-Thriller "Death Sentence" erinnert. Genau
genommen lebt er im Spirit des recht unbekannten
Sylvester Stallone Actioners "Die City Cobra" (in dem
Sly eine Pizza mit einer Schere schneidet) und setzt
lieber auf leicht abstruse, dunklere Töne und
Macho-Action.

Jetzt wurde bereits im Vorfeld
prognostisiert, dass der Film ein übernatürliches
Element habe, was auch unweigerlich mit William
Fichnters mysteriöser Figur des Buchhalters zu tun
hat, doch dieser Part bekommt erst am Ende
Bedeutung und ist kein großer Twist, keine
Mega-Überraschung ala "Knowing: Die Zukunft endet
jetzt". Sie erklärt einige vorherige Fragen besser
und spielt darüber hinaus keine prägnante Rolle. Der Buchhalter
selbst ist ein angenehm rätselhafter Charakter, der
eine große Überlegenheit ausstrahlt und im amüsanten
Kontrast zu Miltons Dauerzähneknirschen stehen
dürfte.
Amber Heard, meist nur als reine Deko besetzt, wird
entgegen sämtlicher Genrekonventionen nicht als
Damsel in Distress eingesetzt. Normalerweise dürfte
man meinen, dass sie Miltons Tochter ist, die
überraschenderweise noch lebt und unter Gekreische
gerettet wird doch "Drive Angry" zeichnet ein
anderes Bild. Heard ist trotz ihres schönen Äußeres
eines knallharte Kellnerin, die auch mal
faustschwingend auf ihren Freund losgeht um ihm die
Backen blau und die Zähne herauszuschlagen. Ein
ungewöhnlicher Sidekick für Cage, der in seiner
Rolle als grimmiger Rachefahrer viele Zoten bekommt.
Der Bösewicht Jonah King taucht nur selten auf, da
der Buchhalter der prominentere Antagonist bleibt,
ist selbst auch nicht besonders tatkräftig dabei.
Der Film war von Anfang an als 3D-Projekt geplant,
so gibt es zahlreiche Szenen, in denen Milton in den
Zuschauer schießt, schlägt, rast oder auch Brüste
und Leichenteile entgegen fliegen. Bei all dem
harten Zeug verliert man jedoch den Sinn für den
Humor nicht - eine kleine Prise Selbstironie
verhindert finstere Stimmung.
Insgesamt ein sehr rasantes Action-Script, in dem es
rau zur Sache geht, der erwachsenere, düstere,
brutalere, aber auch selbstironischere "Ghost
Rider" ohne Fantasyfackel.

Fazit:
"Drive Angry 3D" wird ein harter, flotter Actionfilm
mit unterhaltsamen Figuren und einigen Szenen, die
in Erinnerung bleiben dürften. Hat das Zeug zum
kleinen Klassiker. Der Film kommt im Frühjahr 2011
in 3D in die Kinos.
|