Kritik:
Duke Nukem
Forever
von
Christian Mester
Duke Nukem Forever
(2011)
Studio: Tryptich Software /
Gearbox / 3D Realms
Intro &
Handlung:
Done. Man weiß es noch genau - 1997
kündigten 3D Realms ihren vierten
Duke Nukem an: "Duke Nukem Forever",
mit Veröffentlichungstermin: "when
it's done". Eine Phrase, die
Gaming-Fans und -Redakteure
über zehn Jahre lang hören durften
und die zum legendären Witz wurde.
Immer stand es im Raum, immer wieder
gab es angeblich neue Lebenszeichen
zum Mega-Event-Shooter, doch der
Blondschopf mit dem DJ Bobo
Techno-Hemd blieb weg, hielt sich
scheu hinter kleinen Trailern und
vereinzelten Bildern versteckt.
Rückblickend ist es heute nun
überraschend, dass das Studio derart
lange existieren konnte. In der
Regel versucht man, Spiele so
schnell wie möglich auf den Markt zu
bringen. So lange sie in Produktion
sind, kosten sie schließlich nur
Geld und bringen keines ein. Geld,
das 3D Realms Chef-Entwickler George
Broussard und seinem Team dann doch
irgendwann mal ausging und sie dazu
zwang, Duke zu verkaufen.
Die Lizenz schnappte sich Gearbox
Studios `("Borderlands"), die, das
Schicksal wollte es wohl nicht
anders, zufälligerweise aus vielen
ehemaligen 3D Realms Mitarbeitern
bestehen und die jetzt endlich
beenden konnten, was die
inkonsequenten alten Arbeitgeber
über all die Jahre nicht gebacken
bekommen hatten. Heute kann man nur
raten, wie viel vom fertigen Spiel
noch von 3D Realms übrig ist und wie
viel seit dem Wechsel neu hinzu
gekommen ist, doch all das und auch
die jahrelangen Erwartungen spielen
keine Rolle mehr, da sich Duke nur
einer einzigen Frage stellen muss:
ist es ein gutes Spiel geworden? Die
grundlegende Handlung kannte man ja
längst: Aliens greifen Las Vegas an,
Duke putzt sie weg. Was auch sonst?
Dass die Handlung keine James
Joyce-Qualitäten aufweisen würde,
war schon in den kreiselnden
Nippelwischern des Originals zu
sehen, doch storytechnisch bietet
Duke 4 sogar überhaupt nichts. Keine
überraschenden Wendungen oder
Vertiefungen, überhaupt keine
Entfaltungen; am Anfang heißt es
kurz, es geht los und das war's dann
auch schon an Handlung, gerade mal
mehr als bei "Serious Sam". Das sei
noch verschmerzt, da Duke ja in
erster Linie Spaß machen und keine
Ehrenpreise gewinnen soll.
Gameplay:
Man muss sich selbstredend vor Augen führen, dass
das kultige 3D-Original damals
längst kein absoluter Überkracher
war. Es war ein "Doom"-Klon, der
sich nur dadurch von ids Vorsprung
unterschied, dass der Held in einer
Tour lässige Sprüche riss, es
Stripperinnen gab und man erstmals
Lichtschalter an und aus machen
konnte. Verglichen mit anderen
Shootern der Zeit war er spielerisch
okay, waberte aber merklich zwischen
guten und nur mauen Leveln und
Waffen. Da "Duke 3D" einer der Big Daddys
des Shooter-Genres war, durfte man
als Kenner rätseln, inwiefern sich
der neue spielerisch an alten
Traditionen halten oder sich an
aktuellen Titeln wie "Call of Duty"
annähern würde.
"Always bet on Duke" hieß es
jahrelang in der Werbung, doch in
Sachen Level setzt Duke selbst kaum;
bis auf wenige Einfälle (Highlight
ist eine Klettertour durch eine
Küche) sind sämtliche Spielwelten
des Vegas-Angriffs erschreckend
langweilig geraten. Drei grobe
Szenarien gibt es: normale Gebäude,
eine alte Westernstadt im
Außenbezirk und den Hoover-Damm.
Fast jeder Level ist beinhart linear
aufgebaut und uninspiriert mit immer
gleichen Elementen umgesetzt.
Kleinere Jump' N' Run Einlagen,
Autofahrten und Physikrätsel wollen
das Geschehen auflockern, doch auch
dies ist lieblos implementiert -
Klettereien und Rennfahrten laufen
immer nach der gleichen Art ab und
dauern vor allem zu lang. Also
ansonsten simples von A nach B und
dazwischen alles wegballern, nach
Art von "Doom 3"? So in etwa, und
auch hier enttäuscht der Duke. Die
fast an einer Hand abzählbaren
Gegnertypen greifen immer in
gleichen Mustern an und sind nach
einer Stunde schon alle gesehen.
Waffen gibt es im Grunde alle aus
dem Original; selbst die
Schrumpfkanone ist wieder mit dabei.
Mürrisch macht, dass Duke immer nur
zwei davon mit sich herumschleppen
kann. Ein Unsinn, zumal Waffen
ständig überall herum liegen und es
vor allem immer die passenden für
gewisse Momente sind. Erscheinen die
bulligen Schweinemenschen, liegt
hauptsächlich das Ripper-MG zum
Niedermähen herum; erscheinen die
fliegenden Octobrains, findet man
das präzise Scharfschützengewehr. Es
scheint, als äffe Duke damit einige
moderne Titel nach, bei denen es
jedoch meist "realen" Effekt haben
soll, da ein authentischer US Marine
offenbar keine 27 Waffen mit sich
herumschleppen kann. Duke ist aber
irreal und übergut, ein lebendes
"Phantom Commando"; also wieso hier
einschränken? Doch damit nicht
genug: Dukes Lebensenergie Ego zu
nennen, ist amüsant, nicht aber,
dass er nach Treffern immer bloß
kurz verweilen muss, um wieder neu
aufzuladen. Der Schwierigkeitsgrad
ist unausgeglichen - mal steckt Duke
auf Normal jede Menge ein, dann
reicht auch mal ein Hieb, um ihm die
Sonnenbrille vom Gesicht zu kloppen. Ein weiteres Zeichen der Moderne: Quick-Time-Events. Was in den meisten Shootern eher stört und nur selten gut eingesetzt wird ("God of War"), wird hier auf nur eine Funktion beschränkt: in passenden Momenten endlos die Space-Taste schlagen, um Tore zu öffnen, Hörner auszureißen und Käfer abzuhalten. Beim siebenunddreißigsten Mal durchaus irritierend.
Toll war es im letzten Duke vor fast
20 Jahren (!), einfach mal Dinge
auszuprobieren. Damals waren es nur
banale Dinge wie Lichtschalter und
Toiletten zu betätigen und
Stripperinnen Geld hinzuhalten, doch
es war ein Novum, eine spaßige
Abwechslung und schuf Neugier, was
wohl alles gehen würde. Konzepte,
die selbst in einer kurzfristigen
5-Minuten-Runde dutzende lustige
Einfälle hervorbringen können
sollte... doch selbst diese 5
scheint man nicht gehabt zu haben.
Gibt es in Dukes Apartment zu Anfang
noch einiges zum Ausprobieren (man
kann unter anderem Exkremente aus
einer Toilette nehmen, sie ins
Trinkwasserbecken schmieren und dann
aus diesem trinken...), war's das
flugs mit der Interaktivität. Im
eigentlichen Spiel hat "Duke Nukem
Forever" nichts mehr zu bieten - es
gibt fast nichts zu erkunden und
keine lustigen oder verrückten
Sachen zu benutzen. Es wirkt, als
habe man bloß alte Möglichkeiten
übernommen, um sie zu haben, nicht,
um sie auszubauen.
Grafik und Sound
Dass Duke nicht gut aussehen
würde, war schon zu befürchten. In
den Jahren hatte das Spiel mehrfach
state-of-the-art Grafik vom
Feinsten, doch als Gearbox das bis
dato längst veraltete Game
übernahmen, wusste jeder Gamer, dass
sie kein Geld mehr in die Grafik
stecken würden. Demzufolge sieht
Duke technisch mies aus: simple
Texturen, keine nennenswerten
Effekte und keine spektakulären
Wow-Momente. Geradezu beleidigend
ist es, dass die kleinen Level von
zehrenden Ladepausen unterbrochen
werden, die ein "Bulletstorm"
fordert, um fünfmal so große Level
zu laden.
Was
wäre ein Duke ohne seine markigen
Sprüche? Duke-Sprecher Jon St. John
liebt seine Sache offensichtlich und
lässt wie gewohnt seine amüsanten
Kommentare ab, die natürlich
hauptsächlich aussagen, wie awesome
Duke ist und wie sehr er alle
Alienbutts kicken wird. Lustig wird
es, kommentiert er die eigene
Projektdauer, Valve-Rätsel und die
Unsinnigkeit seiner selbst, doch
mitunter wirkt der Duke etwas zu
gelassen, wodurch es aufgesetzt
klingt. Als Filmfan fällt jedoch
fraglos auf, dass die meisten seiner
guten Machosprüche dreist aus
zahlreichen Filmen geguttenbergt
sind:
"I'm here to kick ass and chew gum.
And I'm all outta gum" - Sie leben
"If it bleeds, we can kill it" -
Predator
"You're one ugly motherf#cker" -
Predator
"Tonight you dine in hell" - 300
"Fatality - Duke wins" - Mortal
Kombat
"Hail to the King, baby" - The Evil
Dead / Tanz der Teufel
"Squeal, piggy" - Beim Sterben ist
jeder der erste
"I'd buy this for a Dollar" -
Robocop
Die restlichen Effekte, wie auch die
Musik sind flach und nicht der Rede
wert.
Multiplayer und Spielumfang
MP nicht getestet / Der
Spielumfang ist nicht das, was
Gearbox im Vorfeld noch laut tönend
versprochen hat ("16 Stunden und
mehr!"), mit rund 8 Stunden aber
durchaus ausreichend, kann man denn
akzeptieren, dass viele Level und
damit auch Spielzeit offensichtlich
künstlich in die Länge gestreckt
sind. Ob man es jemals ein zweites
Mal spielt? Unwahrscheinlich, dafür
gibt's zu wenig rundherum zu
entdecken und dass nach dem ersten
Durchspielen Cheats anwählbar sind,
macht's dann auch nicht attraktiver.
Fazit:
Wäre "Duke Nukem Forever" nie
erschienen, hätte man ihn positiver
in Erinnerung behalten. Kennt und
mag man den Duke, ist es eine
enttäuschende Fortsetzung ohne tolle
Ideen, die denken lässt, dass
Gearbox sich nicht den Auftrag
gesetzt haben, ein gutes "Duke Nukem
Forever" abzuliefern, nur generell,
es abzuliefern.
Nach einem eher schwachen Einstieg
wird es gegen Mitte kurz besser,
doch nach Besiegen des zyklopischen
Endgegners fragt man sich, wieso nicht mehr machbar war. Nostalgie lässt Gnade walten.
Ansonsten ein gerademal akzeptabler
Shooter, für Pausen zwischen zwei
anderen besseren Titeln und
den man höchstwahrscheinlich kein
zweites Mal anrühren wird. Tonight
we dine im Altersheim.
4 /
10
10
- Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
> Deine Meinung
zum Film?
|