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KRITIK:
EINFACH ZU HABEN
von
Christian Westhus
EASY A (2010)
Regie: Will Gluck
Cast: Emma Stone, Patricia Clarkson
Story:
Die unscheinbare Schülerin Olive (Emma Stone)
zettelt mit einer kleinen Lüge über ihr Liebesleben
die Gerüchteküche der High School an. Fortan ist sie
als Flittchen gebrandmarkt, stellt sich als Notlüge
von unsicheren Jungs zur Verfügung und macht es
damit nur noch schlimmer.
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Emma Stone spielt
Gwen Stacy im neuen SPIDER-MAN |
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Kritik:
„Generation Sex“ – So hallt es nicht erst seit
diesem Jahr aus dem Blätterwald von Politik,
Moralwächtern, Elternschaften und sonstigen
Meinungsvertretern, die eine gesamte Generation über
einen Kamm scheren und eigentlich gar nicht wirklich
wissen, wovon sie reden. Immer früher, immer wilder
und die Hauptschuld tragen wie immer die Medien. Wie
passend, dass sich da mal wieder ein Film hervortut,
noch dazu aus den ach so prüden USA, der mit in
Sexfragen verunsicherten Teenagern auf Zuschauerfang
gehen will. Teen-Sex-Komödie #325. Nur diese ist
besser. Besser als der Durchschnitt und ziemlich
unterhaltsam.
Es ist aber auch ein Film, der uns glauben machen
will 16-, 17-, 18-jährige High School Kids würde
sich über Wochen am vermeintlichen Verlust der
V-Card eines Mädchens ergötzen. Wohl gemerkt, über
die rein verbal über Hörensagen verbreitete Kunde,
Olive habe Sex gehabt. Immerhin bleibt es dabei
natürlich nicht. Die vormals so saubere und
größtenteils unbeachtete Rothaarige schaufelt sich
mit einer kleinen, unwahren Schilderung ihres
Wochenendes ihr eigenes Grab, das ihres Rufs, und
gerät dann in die gnadenlosen High School Mühlen aus
Neid, Doppelmoral und der exponentiellen
Wirkungssteigerung durch Gerüchte. Das war natürlich
nicht geplant und ist auch zunächst reichlich
unangenehm, aber ist der Ruf erst ruiniert – man
kennt den Spruch. So denkt es sich dann auch Olive.
Sie krempelt ihr Image um, wird plötzlich beachtet,
auch von den Jungs, für die sie plötzlich
begehrenswert ist. Olives vermeintlich reales und
immer wilder werdendes Sexualleben steht plötzlich
im öffentlichen Diskurs der Schule. Olive spielt
damit, testet sich mit der Sicherheit, eigentlich
nichts Schlimmes getan zu haben, leidet aber auch
immer mehr unter der ihr entgegen schlagenden
Abneigung.
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Stone hat in Wahrheit
blondes Haar |
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Da bietet der Film dann einen recht gelungenen Blick
auf die unterschiedlichen Auffassungen von
weiblicher und männlicher Sexualität. Olive ist für
andere Mädchen eine Hure, für Jungs steht sie zur
Verfügung, weil der Jungfräulichkeits-Schutzbann
verschwunden ist. Jungs, die später durch Olives
inszenierte Sexdienste zum ersten Mal ihren Mann
stehen, werden von ihren männlichen Kollegen
anerkennend mit High Five empfangen und von Frauen
kaum anders beachtet als zuvor. Das sind natürlich
keine neuen Erkenntnisse und letztendlich ist
„Einfach zu haben“ auch wieder tendenziell eher
spießig, aber der gewitzte Umgang der Hauptfigur und
das clevere Spiel mit Wahrheit, Fiktion und der
Macht von Worten ist schon nicht schlecht. Dass man
dann noch den Ehebruch-Klassiker „Der scharlachrote
Buchstabe“ in Buch- und Filmform in die Handlung
einwebt, ist eine weitere gute Note. Ja sogar Olives
Erzähler-Funktion ist durch einen Video-Blog
durchaus clever etabliert.
Und witzig ist der Film. Zumeist mit relativ
geradlinigem Humor, durch Olives ironische
Schlagfertigkeit oder überspitzte Nebenfiguren,
manchmal aber auch indirekt forsch, im passenden
Rahmen unter der Gürtellinie und bisweilen auch
etwas absurd. Wer dann einen Stanley Tucci in der
Nebenrolle als Olives Vater hat, befindet sich schon
auf der Gewinnerstraße. Tucci ist schon in seiner
ersten Szene ein Jackpot! Er und Patricia Clarkson
sind die wahrscheinlich coolsten Filmeltern seit…
ever! Oder so. Auch wenn sie manchmal zu cool, zu
jugendlich und direkt erscheinen. Aber das macht die
Sache nur umso witziger. Jede Szene mit Tucci
und/oder Clarkson ist ein Highlight. Auch Thomas
Haden Church überzeugt in seinen wenigen Szenen als
lässiger Lehrer. Zentrum ist jedoch Emma Stone! Und
die ist schlicht wow. Zumindest für einen Film
dieser Art, also einen letztendlich doch eher
gewöhnlichen, leicht überdurchschnittlichen Film.
Dies dürfte wohl ihr endgültiger Durchbruch sein,
denn im Bereich der Teen- und High-School-Comedy gab
es seit Jahren nix Vergleichbares, was die weibliche
Hauptrolle betrifft. Stone hat die Manierismen
drauf, die ironischen Blicke, das Mundverziehen, die
Gebärden, das alles beherrscht sie hier mit einer
Leichtigkeit, die nur von ihrer Fähigkeit überboten
wird, die teilweise sehr schnellen, pfiffigen,
anspielungsreichen und wohl dosiert schlüpfrigen
Dialoge vorzutragen, wenn auch die deutsche Synchro
ein wenig darin herumpfuscht.
Die überkandidelten
Jesus-Freaks rund um Amanda Bynes schießen als
wandelnde Karikaturen ein wenig übers Ziel hinaus,
aber der Film ist ja eh nicht als ultrarealistisches
Dokument des Generationszustands geplant.
Wiedererkennungswert gibt es dennoch und die
verschiedenen Sichtweisen werden recht gekonnt
durchgespielt, stets mit der nötigen
Sympathieballung bei unserer Hauptfigur. Will Glucks
Inszenierung ist beschwingt und farbenfroh,
ansonsten nicht besonders auffällig. Der Film lebt
von einem ordentlichen Script und ganz besonders von
seinen Darstellern. Glucks markantester Einfall ist
die pfiffige Präsentation der Eröffnungs- und
Endtitel. Mehr braucht es auch gar nicht unbedingt
von seiner Seite aus. Möglichkeiten gab es
allerdings schon.
Es geht dann irgendwann auch relativ konventionell
auf die Zielgerade, bleibt dabei zwar immer frisch,
frech und schwer sympathisch, macht aus dem
Potential von Darstellern und Handlungsideen aber zu
wenig. Es gibt ein paar Handlungsstränge zu viel,
die dann relativ offen, bisweilen schlicht unfertig
in der Luft hängen und sich gegenseitig ein wenig
die Luft zum Atmen nehmen. Natürlich ist der Film
ein wenig oberflächlich und arbeitet mit ganz
bewusst eingesetzten light Klischees, aber gerade
mit Olives erster sexuellen Rettungstat bei einem
schwulen Freund hätte man eine Menge machen können.
Hier hätte man ernster und ausführlicher die Lupe
ansetzen können. Stattdessen wird Olives Ruf
überdimensional aufgeblasen und der erwartete
Handlungsstrang um den einen netten Jungen nimmt in
seiner gewaltigen Offensichtlichkeit zu viel Raum
ein. Mit der Unfähigkeit von der durch Lisa Kudrow
anschaulich unsympathisch dargestellten
Vertrauenslehrerin wäre es gut gewesen, aber auch
hier verbaut man sich den Weg mit Subplots und
dramatösen Verstrickungen, die für einen
locker-leichten 90-Minüter etwas zu schwer sind.
Das letzte Drittel rettet sich dann relativ dreist
aber effektiv durch direkte Anspielung und Erwähnung
von John Hughes und seinen 80er Jahre Teen-Filmen. „Sixteen
Candles“, „Breakfast Club“ und „Ferris macht Blau“
sollte man generell schon gesehen haben, aber
besonders gegen Ende zieht der Film seinen Reiz und
seine nötigen Handlungsentwicklungen aus der
Kenntnis dieser Filme oder zumindest aus der
Kenntnis der Mechanismen. In der Tradition der
Hughes-Filme steht man hier dann auch. Nicht zu
ernst, nicht zu derbe, mit filmischem Jugendgefühl
und viel Wahrheit. Bei dem Plotansatz hätte „Einfach
zu haben“ auch ein neuer „American Pie“ werden
können. Ist er aber nicht.
Fazit:
Unterhaltsame und witzige Teen-Komödie mit einer
umwerfenden Hauptdarstellerin, tollen
Nebendarstellern und einem guten, nicht zu ernsten
Blick auf sexuelle Irrungen und Wirrungen
Heranwachsender. Der Film sieht sich ganz
selbstbewusst in der Tradition von John Hughes’
Teen-Klassikern. Das passt, zeigt aber auch, dass
hier noch etwas Luft nach oben ist.
7 / 10
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