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Kritik:
Elysium


von Christian Mester

ELYSIUM
(2013)
Regisseur: Neill Blomkamp
Cast: Matt Damon, Sharlto Copley, Jodie Foster

Story:
Im Jahre 2154 ist die Erde überbevölkert und die Umwelt zerstört. Die Reichen leben auf Elysium, einer Raumstation im Erdorbit, auf der es keine Krankheiten oder sozialen Probleme gibt.
Auf der Erde lebt der Rest der Menschheit unter ärmlichen Bedingungen. Als Max, ein Fabrik-arbeiter mit krimineller Vergangenheit, bei der Arbeit schwer verletzt wird, hat er nur noch eine Möglichkeit zu überleben. Er muss nach Elysium...

Kritik:
Ach du dicker Shrimp. Blomkamp ist zurück, endlich. Der Mann, der uns seit seinem überragenden District 9 vier Jahre lang hat zappeln lassen ist wieder da, um erneut klar Tisch zu machen. Wieder mit Sci-Fi, natürlich, und erneut mit dem nicht zu bändigenden Südafrikaner Sharlto Copley. Dieses Mal allerdings mit umso mehr Schotter im Portmonee, und bekannten Gesichtern, denn neben Copley dürfen statt Garnelen Matt Damon, Jodie Foster, William Fichtner und Alice Braga mitmischen. Nach dem Motto "mehr hilft mehr" durfte man also gespannt sein, was das Regie-Wunderkind (hätte fast Halo verfilmt), das in den letzten 4 Jahren auf so ziemlich jeder Wunschliste für so ziemlich jedes größere Sci-Fi Projekt stand, in seinem zweiten Lehrjahr schaffen würde.

Matt Damon spielt einen ehemaligen Straßenkriminellen und Mechaniker, der eines Morgens schwer verletzt wird. Daraufhin gefühlt zusammengeschweißt von Johnny Mnemonic (es fehlen wirklich in der Tat nur noch ein Delphin, Takeshi Kitano und Ice-T) und Mad Max, wird er zu einer Art Baumarkt-Robocop mit Ziel Elysium. Natürlich ist Damon sympathisch in seiner Rolle und er überzeugt in den Actionszenen, als wäre er dafür gebourne, allerdings merkt man hier bereits ein erstes Oh oh. Sein Max bekommt nämlich nicht viel zu erzählen, und so bestehen fast alle seine Ausdrücke in den letzten zwei Dritteln nur aus schmerzerfülltem Stöhnen und funktionellen Ausrufen wie "lauft weiter!" "zur Tür" etc. Die Handlung hat zwar einige großartige Ansätze, weswegen Max' Motivation (und er bekommt gleich mehrere; als würde imminenter Tod nicht reichen, kommen noch Retter und Weltretter dazu)  lässt aber Substanz auf der Strecke, um eine einfache A-nach-B Story zu erzählen. Starke Ausgangssituation gefolgt von eindimensionalem, linearem Geballer, um genau zu sein. Einmal in Bewegung geraten, blüht also langsam aber sicher die Realisierung, dass Blomkamp hier keinen zweiten bewegenden, nachdenklichen Film gedreht, sondern Neill Blomkamp's Universal Soldier gemacht hat.

Da bleibt es auch nicht so fern, Copleys Killer Kruger als Dolph Lundgrens Andrew Scott zu sehen, da er ebenfalls ein durchgeknallter, vermeintlich nicht totzukriegender Soldat ist, der bereits zuviel gesehen hat und der sämtliche moralischen oder sozialen Grenzen überschritten hat. Völlig anders als sein Wikus aus District 9 oder Murdock aus dem A-Team Reboot, gibt Copley einen ebenso amüsanten wie angsteinflößenden Sadisten ab, dessen Auftauchen immer für erhöhten Puls sorgt.

Leerer sieht es leider hingegen eine Etage höher aus, denn als Politikerin mit Dreck am Stecken erscheint Foster ungewohnt blass. Mit ausgelutschten Phrasen fuchtelt sie als eindimensionale Bösewichtin umher und befiehlt Söldner umher, als wäre sie eine Nebenfigur in einem schlechten Computerspiel. Der immer zu lobende William Fichtner kann aufgrund weniger Momente kaum glänzen, und überschaubar bleibt Alice Braga (aus Predators), die als alte Freundin von Max' nicht einmal als seine Liebe in Frage kommen darf. Alles baut also auf eine doppelte Jagd: Max' gegen die Zeit, da er sonst abnippelt, und Krugers auf Max, der den Mechaniker geifernd mit seinem Katana filetieren will.

Es ist schon ein wenig schade, dass Blomkamp nur auf einsilbige Dauerhatz setzt, bietet der Einstieg doch soviel mehr. Seine Vision einer Zukunft, in der die Konzerne die Erde so dermaßen ausgewrungen haben, dass die Reichen nicht mal mehr selbst dort leben können, ist schauerlich und mit soviel subtiler Kritik und Authentizität versehen, dass sich eine Brit Marling (Schauspielerin und Drehbuchautorin von Another Earth, The East und Sound of my Voice) angesprochen fühlen dürfte. Der Film verliert das nur leider recht bald aus den Augen, und so geht es dann game-mäßig nur noch per Hetzjagd zur nächsten Health Station, zum nächsten Munitionsraum, bis zum großen Bossfight an einem Platz, der sogar wie eine Beat Em Up Stage ausschaut. Das ist unterhaltsam, nur leider bis zu einem gewissen Grad, mangelt es Max an Attitüde und den anderen Figuren an Charakterzeit.

Hat man es geladen, dass Blomkamp sich hier mal an einer eher seichten Actiongeschichte mit einigen trashigen Ideen und Zufällen versucht, darf man sich an fast allem erfreuen. Wer den ausgefallenen Schmutz-Look von District 9 mochte, bekommt ihn hier gleich erneut. Die Effekte sind hervorragend und Blomkamp, der in einer Szene schulterzuckend Jason X referenziert und an anderer Stelle gefühlt einen Sound aus Valve's Half-Life einsetzt, liefert mit vielen kleinen interessanten Gadgets solide Action, wobei man froh sein darf, dass Elyisum nicht in 3D daher kommt - für das Format wäre er viel zu wackelig eingefangen.

Fazit:
Neill Blomkamp's Universal Soldier: statt auf Herz und Hand setzt sein neuer also überraschend auf Kugel und Klinge. Schick, gadgetreich und mit netter Action, aber etwas untercharakterisiert und ab der Hälfte hin zu absehbar.

7 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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