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Kritik:
Escape Plan


von Michael Eßmann

ESCAPE PLAN
(2013)
Regie: Mikael Håfström
Cast: Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger

Story:
Ray Breslin (Sylvester Stallone) ist der führende Sicherheitsexperte für Gefängnisse, und lässt sich seit Jahren hauptberuflich in Strafanstalten überall in den USA einsperren, um aus ihnen auszubrechen und so Lücken im System aufzudecken. Eines Tages landet er in einer geheimen und nicht genehmigten Hochsicherheitseinrichtung mit dem Codenamen „Das Grab“, welches auf Grundlage seiner in den Jahren niedergeschriebenen Sicherheits-Expertisen erdacht wurde. Es stellt sich alsbald als Falle heraus, um ihn dort aus unbekannten Gründen zu begraben. Nun muss er mit dem Gefangenen Emil Rottmayer (Arnold Schwarzenegger) einen Weg finden, aus dem eigentlich lückenlosen Knast zu entkommen.

Kritik:
Wenn es nach mehr als 30 Jahren zum ersten gleichberechtigten Aufeinandertreffen der zwei größten Action-Stars der 80er und 90er Jahre kommt, sind die Erwartungen der Fans selbstredend nicht gerade gering. Neben den Ikonen des Action-Films sind zudem noch Jim Caviezel als böser Gefängnisdirektor, sowie in Nebenrollen 50 Cent, Sam Neill, Vincent D'Onofrio und Vinnie Jones dabei. Diese leisten Stallone und Schwarzenegger Gesellschaft, wenn sie hier nach den zwei mehr oder weniger nur Kurztreffen in „The Expendables“, sowie dem Sequel zu diesem, zum ersten Mal gemeinsam die Kinoleinwand betreten, um sie nach den finanziellen solo Flops „Shootout - Keine Gnade“ und „The Last Stand“ zurück zu erobern. Kann dies mit „Escape Plan“ gelingen? Und verdiente der Film dies überhaupt? 

Regie bei dem Versuch zur Flucht aus dem Gefängnis, - und zurück auf die Erfolgsspur - führte der schwedische Regisseur Mikael Håfström, welcher zwar mit „Entgleist“ und „Zimmer 1408“ gut ins internationale Kino startete, aber dann mit „Shanghai“ und „The Rite - Das Ritual“ doch deutlich an Boden verlor. Und hier beim Regisseur hapert es bereits, denn Håfström entwickelt scheinbar kaum Gefühl für seine Stars und seinen Film. Er inszeniert lieblos wirkende Momente aneinander, in denen er Sly und Arnold konspirieren, klettern, planen, organisieren, basteln… und gelegentlich Kämpfen und Einzeiler ablassen lässt. Wobei Schwarzenegger (mit neuer aber passabler Synchronstimme) größtenteils für den Spaß und Stallone etwas mehr für die Mano-a-Mano-Action Verantwortung zeichnet. 

Nur leider ist das abgelieferte Paket nicht besonders spannend, durchdacht oder schlicht unterhaltsam. Eine dichte Spannung, wie sie ein „Flucht von Alcatraz“ vermittelte, sucht man hier beispielsweise vergebens. Auch ist es im Ausgleich hierfür kein selbstironisches, mit Nostalgie geschmücktes Treffen, in dem sich die Helden selbst zelebrieren und zitieren, wie es das Finale von „Expendables 2“ war. Stattdessen ist es nur ein Film der wirkt, als wolle er etwas Größeres ankündigen, was darauf noch folgen mag. Dadurch und auch inszenatorisch wirkt alles eher wie ein längerer Pilot zu einer kommenden TV-Serie die potenzial haben könnte, dies aber aktuell noch nicht ausschöpfen kann, und in die sich Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger verirrt haben. Deren Figuren wirken zwar frisch auf ihren Leibern, sind aber nicht wirklich tief geschrieben, und wenn es zu Charakter-Momenten kommt, so wirken diese aufgesetzt und platt. Dies sollte bei einem Team-Up von Stallone und Schwarzenegger nicht wirklich stören, tut es aber, da der Film keine Ablenkungen wie atemlose Action, Dramatik, Spannung, Komik oder einen stetigen Wechsel davon auffährt.

Auch tut sich der Film über den ausbruchssicheren Knast keinen Gefallen, wenn man dies nicht zu nutzen weiß, und zudem die Konstruktionsmängel der Einrichtung an vielen Ecken bereits für den Zuschauer ersichtlich sind. Der sicherste Knast der Welt wirkt so nicht wirklich durchdacht. Und anstatt aus dem Gefängnis den dritten Hauptdarsteller zu machen, wird dieses nur wenig genutzt, und wirkt nicht so besonders bedrohlich und unüberwindbar, wie es z.B. seinerzeit einem „Fortress - Die Festung“ gelang. Denn ein Knast der nach allen Regeln des Fachs durchdacht wurde, und aus dem es kein Entkommen geben soll, sollte wohl anders aussehen, als hier vorgeführt. Dinge wie keine unverschraubten Kleinteile im Verhörraum, und die Positionierung von Lüftungsschächten von 2 Metern Durchmesser, dürften bereits spätestens auf Seite 3 Thema im Handbuch für Knastsicherheit von Ray Breslin sein. Ebenso erscheint es unsinnig, die Häftlinge gefühlte 12 Stunden am Tag, alle schön zusammen in den Gemeinschaftsräumen unter zu bringen, damit sie nahezu ungestört Pläne schmieden können. Und das in einem Knast, der andernorts und wie immer wieder erwähnt, auf beinahe jegliche Regeln und Gesetzte von Staat oder Ethik pfeift. Das machte ja bereits der erste Knast besser, den Sly im Opener bezwingt. 

Diese und andere logische Ungereimtheiten, platte Wendungen und fehlende Ablenkungen von diesem, schaden dem „Escape Plan“ merklich, denn einem Film in dem seine Protagonisten nicht durch pure Muskelkraft, sondern vordergründig durch ihren Intellekt obsiegen sollen, ist dies schwer zu verzeihen, so offenkundig dumm und unlogisch zu sein. Denn auch wenn viele Klassiker der beiden Hauptdarsteller unlogisch waren, so hatten diese andere Vorzüge wie inszenatorische Stärke und Schwarzenegger und Stallone konnten mit coolen und markigen Onelinern punkten. Letztere hat der Film zwar, aber längst nicht alle sitzen. Neben der Logiklöcher fehlt es aber auch wie angemerkt schlicht an Speed, Kraft und Drall, um seine Unzulänglichkeiten zu kaschieren, und als reines Unterhaltungskino zu punkten. Hinzu kommt, dass die Effektszenen anscheinend vom Team von „Olympus Has Fallen“ gemacht wurden, denn das CGI Gefängnis wirkt alles andere als fertig, und Explosionen und Flammen sind nicht viel besser, als aus einem der besseren Osteuropa DtD Film mit Dolph Lundgren, Steven Seagal oder Steve Austin. Aus eben einem solchen könnten auch die flach geschriebenen Bösewichte stammen, da diese doch recht mau ausfallen, auch wenn sich Jim Caviezel sichtlich Mühe gibt, und Vinnie Jones böse in die Kamera stiert. Ebenfalls eher von der flachen Sorte fallen einige Wendungen aus, die eher wenig überraschen. 

Pünktlich im Finale blitzt dann plötzlich ein famoser Schwarzenegger Moment in Zeitlupe auf, welcher so gut ist, er mag so gar nicht hier hinein passen, und wirkt dadurch fast wie ein Fremdkörper, entnommen aus einem überzeugenden Comeback Film, der da noch kommen mag. Mehr solcher Szenen hätte es gebraucht, dann wäre der frühere „The Tomb“ nicht in ein Loch gefallen, aus dem er niemals entkommen kann. So schaufelt sich Håfström sein eigenes Grab, und reiht zu viele bedeutungslose und uninspiriert wirkende Szenen aneinander und schmückt diese mit gelegentlichen Lichtblicken, und hätte der Film nicht seine beiden Ikonen, er wäre wohl noch deutlich schwächer, und gänzlich ohne Existenzberechtigung. Ein Film der mit dieser Besetzung in den 80ern und 90ern unter einem John McTiernan sicher zum Klassiker geworden wäre, kommt nun und Jahre später nicht annähernd in solche Regionen, denn sein Regisseur vermag es nicht, aus der dünnen und aufgesetzt wirkenden Story, einen kraftvollen Streifen in 80er Jahre Manier zu generieren, welcher hier wohl mal geplant war. Dies liegt nicht am fortgeschrittenem Alter der Helden, denn diese überzeugen weitestgehend. Ein direktes Erscheinen im Heimkino wäre gar nicht so verkehrt gewesen, da der Film nur vier oder fünf wirklich gute Szenen hat, und die beinahe zur Gänze Arnold gehören. Er stiehlt Stallone hier ab und an deutlich die Show, und zeigt eine neue Bandbreite seines Könnens und eine gesteigerte Spielfreude. Dafür gehören Stallone die meisten Action Szenen, sowie eine etwas höhere Leinwandzeit.

Fazit:
Wer anspruchslose und mittelmäßige Unterhaltung mit Phasen von Action sucht - die sich glücklicherweise nicht zu ernst nimmt - und die Helden seiner Kindheit gemeinsam im Kino erleben will, dem sei „Escape Plan“ mit zurückgeschraubter Erwartungshaltung ans Herz gelegt. Alle anderen können vermutlich bis zum Heimkinotermin warten und gehen für Sly und Arnold gemeinsam, dann eben in „The Expendables 3“ ins Kino.

5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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