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Kritik:
Europa Report


von Michael Eßmann (FantasyFilmFest)

EUROPA REPORT
(2013)
Regisseur: Sebastián Cordero
Cast: Sharlto Copley, Michael Nyqvist, Embeth Davidtz, Christian Camargo, Daniel Wu

Story:
Ein sechsköpfiges Team von Astronauten bricht zu einer gut zwei Jahre währenden Reise zum Jupiter Mond Europa auf, um dort tief unter dem von Satelliten entdecktem Eis, Wasser in flüssiger Form, und den monumentalen Beleg für Leben außerhalb der Erde zu finden. Nach einem Zwischenfall gerät die Mission in Gefahr.

Kritik:
Nachdem er unter der Regie seines südafrikanischen Landsmanns Neill Blomkamp mit „District 9“ und „Elysium“ bereits zwei Einträge im Science-Fiction Sektor hinterlassen hat, bleibt Sharlto Copley (zudem bekannt als Murdock aus dem „A-Team“ - Kinofilm) auch unter dem ecuadorianischen Regisseur Sebastián Cordero („Crónicas – Das Monster von Babahoyo“, „Rabia - Stille Wut“) zumindest weitestgehend dem Genre treu. Im Found-Footage Film „Europa Report“ besetzt Copley allerdings nicht die Hauptrolle, sondern ist Mitglied einer gleichberechtigt agierenden Runde von Darstellern, zu denen noch u.a. Michael Nyqvist ("Verblendung", "Mission: Impossible – Phantom Protokoll"), Christian Camargo („Dexter“) und Daniel Wu („Das Banquet“) gehören.

Zusammen mit den (noch) unbekannten Karolina Wydra und Anamaria Marinca gehören Copley & Co zu einer 6 Personen-Crew aus internationalen Astronauten, welche zu einer privat finanzierten Weltraummission zum titelgebenden vierten Mond des Jupiters unterwegs sind. Somit begeben Sie sich auf eine Reise, deren Ziel deutlich weiter entfernt liegt, als sich je zuvor ein Mensch in die unendlichen Welten gewagt hat. Ziel des Unterfangens ist die Bestätigung von flüssigem Wasser und (außerirdischem) Leben in Form von Mikroorganismen unter der eisigen Oberfläche des Trabanten.

Betrachtet man die Grundkonstellation aus u.a. Crew bei einer Weltraummission und Found-Footage, so fallen die inszenatorischen als auch inhaltlichen Parallelen mit einem „Apollo 18“ sofort auf, und man kann sich des Gefühls nicht erwehren, es mit einem Sequel zu jenem „Apollo 18“ zu tun zu haben. Glücklicherweise enden die Gemeinsamkeiten von „Europa Report“ und „Apollo 18“ aber beinahe zur Gänze mit der ähnlichen Lage und deren Präsentation, denn Corderos Film ist dem 2011er Streifen über die angeblich vertuschte 18. Apollo Mission zwar nicht um Lichtjahre, aber doch deutlich voraus, und ist trotz des gewählten Looks viel näher an Stanley Kubricks “2001: Odyssee im Weltraum“ oder auch an James Camerons „The Abyss“, als an „Apollo 18“.

Auch wird bereits auf den ersten Bildern auf dem Weg zum galileischen Mond Europa klar, hier keinen kleinen SciFi Weltraum-Ausflug à la „Star Trek“ zu sehen, in denen Entfernungen zwischen Planeten und gar Sternensystemen scheinbar keine Herausforderung mehr für Technik und Crew darstellen. Nein, diese annähernd noch zeitgenössische Reise zum Europa ist hart, rau und unbequem und führt die Besatzung bereits weit vor der Ankunft bis weit jenseits der Grenzen der psychischen und physischen Belastbarkeit. Ganz im Stile einer realen Mission der NASA, präsentiert in einem nichtlinearen Report voller harter Schnitte, bekommt der Zuschauer Material aus 22 Monaten der Reise der Europa One geboten. Die nicht chronologische Erzählstruktur erweist sich hier als guter Kniff, welcher den Zuschauer über einen hohen Zeitraum am Ball hält, und ihn zwischendurch noch mit nützlichen und notwendigen Informationen versorgt. Eingebettet sind die Infos in oft ruhige, ja fast statische Bilder, denen allerdings eine ungeheure Faszination und Schönheit inne wohnt.

Unterstützt und belebt werden diese Bilder von der phantastisch gelungenen, elektrisierenden musikalischen Untermalung von Komponist Bear McCreary („Battlestar Galactica“, „The Walking Dead“). Sein Score ist auf den Punkt genau gesetzt und getaktet und unterstreicht die stimmungs-vollen Bilder gekonnt, ohne zu überlagern. Der bekannte TV-Serien-Komponist empfiehlt sich hier dezent aber deutlich für weitere und auch größere Kinoaufgaben.   

Der Zuschauer bekommt so in Kombination einen bedrückenden Eindruck in die klaustrophobische Welt der absoluten Isolation, denen die Raumfahrer ausgesetzt sind. Cordero überträgt hierbei Ängste und Hoffnungen der Crew nahezu perfekt auf den Zuschauer, und so erlebt man ein Weltraumabenteuer, bei dem man die in der Luft liegende Spannung beinahe sehen kann. Ob das alles zu 100% korrekt ist, und detaillierteren Untersuchungen standhalten würde, sei dahin gestellt, aber das muss es als Film ja auch nicht zwangsläufig. Es fühlt sich korrekt an, und das ist bei der ernsten und realen Tonlage unumgänglich und als sehr geglückt anzusehen.

Maßgeblich hierfür ist die Darstellung des Teams, welches hier tatsächlich mal nicht dilettantisch und unüberlegt zu Werke geht, sondern sich wie ein Team echter Forscher auf einer Expedition in den ungemütlichen und todbringenden Weiten des Weltalls gibt. Etwas was z.B. einem „Prometheus“ fast völlig gefehlt hat. Dies ist ein notwendiger und großer Schritt, welcher Genre Kollegen oft abgeht, da man so als Zuschauer das Gefühl hat, es mit echten Charakteren zu tun zu haben. Sie sprechen und verhalten sich wie menschliche Individuen, und nicht wie erfundene Wesen aus einem durchschnittlichen Skript, die nur so viel Gewicht und Tiefe haben, wie das 80 g/m² und 0,1 mm starke Papier der Drehbuchseite. Förderlich sind hierbei auch die nuancierten Akzente der international gewürfelten Crew, die man im O-Ton serviert bekommt.

„Europa Report“ ist ein Film der langsam wirkt, aber dadurch auch eine gewisse Zähigkeit nicht zu verhindern weiß. Diese erscheint aber über weite Strecken absolut notwendig, da ansonsten nur ein weiterer Reißer ohne Tiefgang daraus geworden wäre. Bei der Inszenierung zeigt sich Regisseur Cordero trotz der abgehobenen Szenerie sehr geerdet, und zeigt glücklicherweise fast immer lieber weniger als zu viel, und überlässt so vieles dem Zuschauer, und dessen Vorstellungsvermögen. Hätte er dies nicht getan, so ginge mit Sicherheit viel von der dichten Atmosphäre verloren, da das niedrige Budget sicherlich ansonsten schlechte Effektszenen en masse geliefert hätte. Was vom Budget nicht machbar ist, wird nicht oder weit entfernt oder unscharf gezeigt, schein die Devise gewesen zu sein. So entsteht Spannung durch die Schaffung von Atmosphäre, anstatt auf billige Tricks und Effekthascherei zu setzen.

Fazit:
„Europa Report“ ist ein, wenn es drauf ankommt, extrem packendes, sich greifbar anfühlendes Stück SciFi-Kino mit toller Besetzung und Gänsehautgarantie und ein gespenstischer Thriller, der gekonnt den Mix zwischen Unterhaltung, Spannung und einem sogar philosophischen und wissenschaftlichen Werk mit Anspruch schafft, und gehört fraglos zu den besten Found-Footage-Filmen der letzten Jahre. Hat allerdings auch mit sehr viel Ruhe und Statik zu kämpfen, welche das Resultat sowohl ausmachen, als auch ausbremsen. Streitbar bleiben allerdings sicherlich gut 6 bis 8 Senkungen in den finalen Filmmomenten, in denen Cordero zuvor angewandtes über den Haufen wirft, und über deren Für und Wider sicherlich zu diskutieren sein wird.

7,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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