BG Kritik:

Ex Machina


Der "Snob" unter den BG Redakteuren. Seine Herkunft ist mysteriös. Angeblich besucht er ein Bildungsinstitut in Bielefeld. In Bielefeld!



Ex Machina (USA 2015)
Regisseur: Alex Garland
Cast: Domhnall Gleeson, Oscar Isaac, Alicia Vikander, Sonoya Mizuno

Story:
Ein junger Programmierer wird ausgewählt, die neu erschaffene Künstliche Intelligenz eines Erfinders zu überprüfen. So trifft Caleb (Gleeson) auf der erstaunlich menschliche Ava (Vikander).

Was ist ein Turing-Test?

Garland bezeichnete den Zeitraum als „10 Minuten von jetzt“ Zukunft.


Diese Frage stellt Super-Programmierer und KI-Schöpfer Nathan (Oscar Isaac) seinem jungen Mitarbeiter Caleb (Domhnall Gleeson), der die künstliche Intelligenz namens Ava (Alicia Vikander) kennen lernen soll. Der Turing Test, basierend auf einer Idee des kürzlich im wenig bemerkenswerten Film „The Imitation Game“ von Benedikt Cumberbatch dargestellten Mathematikers Alan Turing, beschreibt den Versuch herauszufinden, ob eine Maschine ein dem Menschen gleichwertiges Denkvermögen hat. Grob zusammengefasst: Ein Fragesteller kontaktiert per Computer zwei Probanden, stellt diesen Fragen. Ein Proband ist ein Mensch, der andere ein Computer. Die Intelligenz der Maschine ist „bewiesen“, sollte der Fragesteller am Ende nicht klar sagen können, welcher Proband ein Mensch und welcher der Computer war. Ein ähnliches Spiel treibt auch Erfinder Nathan und gleichzeitig treibt es Regisseur und Drehbuchautor Alex Garland mit uns. Auf clevere und vielfältige Weise wird „Ex Machina“ zu einem eigenen Turing-Test. Für seine Figuren und für uns selbst, als Zuschauer.

Alex Garland schrieb zuvor Drehbücher und Romane, darunter „The Beach“, „28 Days Later“, „Sunshine“ und zuletzt „Dredd“. In seinem Regiedebüt lässt Garland spannende Themen und kluge Idee mit einer ausgefeilten, effektiven Inszenierung verschmelzen. In guter Science-Fiction ist es eine erwartete Grundsätzlichkeit, dass die Erforschung einer Künstlichen Intelligenz auch eine Erforschung des Menschseins darstellt. Garland lässt sich hier nach Herzenslust aus, reißt viele Ideen an, macht kluge Beobachtungen und weiß doch immer, was sein Film eigentlich sein will. Dass künstliche Wesen irgendwann erschaffen würden sei keine Frage des „ob“, meint Erfinder Nathan, sondern des „wann“. Ähnlich beiläufig erklärt uns Nathan über unsere eigene menschlich-genetische oder soziale Programmierung auf, darüber, dass vermeintliche Grundsätzlichkeiten wie Geschlechtsidentität und sexuelle Präferenz keine bewussten eigenen Entscheidungen unsererseits waren. Dies folgt als Antwort auf Calebs Frage, warum Nathan sein Geschöpf Ava weiblich und heterosexuell gemacht hat, was in den undurchsichtigen Kosmos des eigenwilligen Genies blicken lässt.

Isaac und Gleeson haben beide Rollen im kommenden Star Wars VII.


Nathan lebt in einer vollkommen isolierten, kilometerweit abgesperrten Zone, in einem hochtechnologischen, mit allerhand Sicherheitsschranken und Kontrollsystemen ausgestatteten Haus. Gedreht in einem außergewöhnlich entworfenem Pop-Futurismus Hotel in Norwegen, ist Nathans artifizielle Behausung ein weiterer zentraler Charakter dieses Films. Oscar Isaac spielt den wahrscheinlich klügsten Kopf des Planeten nicht frei vom obligatorischen Gott-Komplex, als fein analytischen, unterschwellig aggressiven, aber an der Oberfläche super lockeren Kumpeltypen, der nicht über Technikdetails sprechen, sondern bei einem kühlen Bier über emotionale Eindrücke sinnieren will, wenn der Fitnessfanatiker nicht gerade rennt, boxt oder Gewichte pumpt. Mit raspelkurz geschorenem Kopf, aber buschigem Bart ist Isaacs Nathan eine neue, moderne Version des Wissenschaftsgenies. Jung, etwas nerdig, aber athletisch; ein „Bro“, der früh an viel Geld gekommen ist, in Nathans Fall durch eine global omnipräsente Internetsuchmaschine. Domhnall Gleesons Caleb ist das entsprechende Gegenstück eines Mannes; ein ebenfalls kluger Kopf, aber schlaksig, schüchtern und dadurch verletzlich, deutlich sensibler im Vergleich zu Alpha Male Nathan.

Mit KI Ava, gespielt von der Schwedin Alicia Vikander, die mit Gleeson in „Anna Karenina“ eine interessante Nebenfigurenromanze hatte, entwickelt sich „Ex Machina“ zu einem faszinierenden Gender Theorie Exkurs. Wir lernen Ava sofort und direkt als androide Roboter/KI Entität kennen, mit halbdurchsichtigen Gliedmaßen, die auf Hydraulikmodule, Computerchips und undefinierte Technikeinheiten blicken lassen. Nathan erklärt, dass Avas Intelligenz alleine sofort jeden von ihrem menschenähnlichen Bewusstsein überzeugen würde. Es ginge darum, sagt er, sie als autarke Persönlichkeit zu akzeptieren, auch wenn wir sofort und zweifelsfrei sehen, dass sie gebaut und programmiert wurde. Wie sehr programmiert, fragt sich bald Caleb und erfährt von Ava, während einem der vielen mysteriösen Stromausfälle, dass Nathan nicht so nett sei, wie er vorgibt zu sein. Vikander macht Ava zu einer bemerkenswert faszinierenden Figur, jederzeit klug und spannend auf einer Schwelle zwischen vermeintlicher Künstlichkeit und vermuteter Natürlichkeit, die auch Alex Garland durch sein Script und seine gemächliche, sich kontinuierlich verdichtende Inszenierung anpeilt. Erst nach einer Weile erkennen wir, wie stark Vikanders Spiel wirklich ist und wie klug ihre Rolle als gefangene, programmierte, ihrem Erbauer unterwürfige Frauenfigur auf die beiden Männertypen wirkt. Mit einer vierten, lange nur im Hintergrund agierenden Figur macht Garland deutlich, was er mit seinem KI-Exkurs wirklich verfolgte, bis zum spannenden Schlussbild.

Fazit:

„Ex Machina“ ist Science-Fiction der besten Sorte. Reich an Themen, klug aufgebaut und clever inszeniert, mit einem selbstbewussten Kern und einer nötigen Prise Ambivalenz, getragen von großartigen Darstellern und einer verblüffenden visuellen Komponente. Unbedingt ansehen.

8,5 / 10

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