BG Kritik:

Exodus - Götter und Könige


Hat BG vor 10 Jahren gegründet und seither eine Menge neuer Filme gesehen. War als Redakteur für GameStar und Gameswelt tätig.

Exodus: Gods and Kings (USA 2014)
Regisseur: Ridley Scott
Cast: Christian Bale, Joel Edgerton, Ben Kingsley

Story: Für Ramses' ihm seine Pharaonenfamilie ist das Leben gülden und granatenstark. In Seide speisend, fläzen sie täglich im Palaste und lassen sich immer neue Steinhaufen einfallen, die ihre stattliche Sklaventruppe klopfen, bauen und ranschleppen darf. Als der bärtige Mitbewohner Moses als gebürtiger Sklave enthüllt wird, verbannt man ihn in die Wüste. In der sein Bart wächst.

Vom Regisseur von Alien, Blade Runner und Gladiator.

Exodus ist ein Remake des Charlton Heston Films "Der Omega Mann".


Christian Bale hat schon so einige Bibelfiguren gespielt. Erst Jesus in einem TV-Film von 1999, dann Bruce Wayne, John Connor. Da es noch keine Bale-als-Moses Actionfigur gibt, passte dieser Film noch gut in seinen Plan. Jenen kontroversen Aufmüpfer zu spielen, dessen Anwesenheit ein ganzes Land plagte und der sogar ein Weltmeer mit seinen Ansichten teilen konnte. Und er spielt ihn gut. Als königlicher Krieger ist er Chefsohn Ramses' (Joel Edgerton) distanzierter Adoptivbruder. Er beschützt und respektiert den arroganten Schnösel wie seinen eigenen Robin, er sieht aber auch voraus, dass Ramses als künftiger Pharao nichts im Land bessern wird. Und dann schlägt das Schicksal zu, inklusive Verrat, Gott und grauen Haaren.

In dem über zwei Stunden langen Schinken ist Bale souveräne Speerspitze. Moses ist ein bescheidener, widerwilliger Anführertyp; ein Mann, der sich zwar generell gern ein besseres Leben für die in Armut und unter Folter lebenden Zwangsarbeiter Ägyptens wünschen würde, das Königsregime selbst aber nie zu stürzen wagen könnte. Er ist nicht gläubig und hält nichts vom Schicksal, doch als sich sein Pfad für ihn entwickelt, kommt er vom goldenen Löffel im Mund zur göttlichen Erfüllung. Für Bale ist es ein interessanter Charakter, da er hier zwar auch auf seine Krieger- und Trotzkopfcharismen zurückgreifen kann, diese Figur aber mit einem bescheidenen, unsicheren Kern spielen muss. Bale macht mit Bravour was draus, doch lenkt der Streitwagen Drehbuch/Regie für ihn in enge Kreise. "Exodus" befasst sich nur oberflächlich mit dem Brüderzwist und Moses' inneren Tumulten; jedes Mal wenn Pulver für emotionale Bergspitzen oder Täler gelegt wird, entflieht Regisseur Scott den Fackeln und hastet lieber zur nächsten Szene. Die Polka ist verständlich: es soll geschunkelt, nicht lange betroffen werden. In einem Film über Kindersterben und Völkermord ein überraschend heiterer Ausgangspunkt.

Als nächstes will Ridley Scott mit Prometheus 2 weitermachen.


Goldrübe Ramses ergehts ähnlich wie Moses. Er mag zwar die Prinzessin auf der Erbse sein, aber auch er erlebt Momente in denen er die sinnlosen, jahrzehntelangen Götzenbauten oder Castingentscheidungen wie Aaron Paul aus Breaking Bad, John Turturro aus Transformers als Pharao und Sigourney Weaver als dessen Frau anzweifeln darf. Doch Scott lässt auch bei ihm die Zügel stramm. In Ansätzen ist zu sehen, wie das von eigenen Göttern vermeintlich auserwählte Adelsgeschlecht über die göttlichen Terroranschläge grübelt und sich Ramses über die Rolle seines alten Bruders wundert. Oder wie Moses als Gottes Kundgeber in Frage gestellt wird, er selbst seinen Verstand anzweifelt oder er Gott mit seinen merkwürdigen Befehlen und Aktionen konfrontiert. Scott belässt es jedoch bei Oberflächlichkeiten und geht auf nichts näher ein. Insgesamt fühlt sich der Film demnach dramaturgisch vereinfacht, beschönigt an, als wären vorherige Ecken und Kanten abgeschliffen, alles glatt gemacht, um international möglichst allen Zielgruppen leichte Kost zu sein. Verglichen mit Darren Aronofskys Noah, der einige Monate vorher rauskam, fällt diese Einfachheit durchaus auf. Zudem brachte Aronosfky noch zuvor ungesehene Elemente wie die Steinbeißer mit, während Exodus sich in modernster Roland Emmerich Effektgewalt ziemlich nah am altbekannten hält. Trotz Zurückhaltung bleiben Scotts Figuren aber insgesamt ernster als Emmerichs; es gibt keinen aufgezwungenen Humor und die Grundgeschichte der verfeindeten Brüder hat ausreichend Antrieb.

Das reicht auch manchmal. Exodus als nicht sehenswert zu bezeichnen verdient eine direkte Einbalsamierung mit Skarabäen, denn Großvater Scott weiß auch mit +70 noch zu unterhalten. Es ist schade, dass der Film das Drama knapplässt, doch mit Augenzucker wird entschädigt. Das alte Ägypten wurde noch nie so prunkvoll ins Leben gerufen und es ist eine wahre Wucht, die, wenn auch sinnlose und durch unmenschliche Sklavengewalt geschaffene Baukunst in ihrer Blüte zu sehen. Ja, Moses ist eine zeitlang Ziegenhirte und läuft mit Stock und Kutte durch nichtssagende Walachei, aber für die authentischsten Blasen an Filmfüßen haben sie die Millionen zum Glück nicht verbraten. In der ersten Stunde gibts etwas Schlacht und die Pracht Ägyptens, in der zweiten die vielen, diesmal logisch erklärten Plagen inklusive Amok schwimmender Krokodile und Froschinvasion, im letzten Drittel dann eine Menge laufender Zottel, hardcore Wagenrennen an Abgründen und ein bisschen sehr viel Wasser.
Was vielleicht vom neuen Bale abhalten könnte: das B wie Bibelfilm. Im Zeitalter nur noch wenig treuer Gottesdienstbesucher unter 30 braucht der Religionsaspekt der Geschichte nichts bedeuten. Nichts im Film ist belehrend oder werbend inszeniert und auch wenn Christian Bales Bart im Film immer länger wird, hält er keine Ansprachen in altertümlich-museumshaften Floskeln. Die Bibel mag ihre Religionsbedeutung haben, ist aber letzten Endes faktisch ebenso ein Buch mit vielen interessanten Geschichten und wenn man mal eine action- und spektakelreiche mit Kämpfen, Verfolgungsjagden und Seeen voller Blut haben will, ist die mit Moses halt ganz annehmbar. Vor allem wenn sie der Königreich der Himmel / Robin Hood Macher genau so gut wie Königreich der Himmel und Robin Hood macht.

Fazit:

Beim Barte des Propheten: Exodus ist bildgewaltige und schnell verdaute Sandalenaction. Kein neuer Gladiator für Ridley Scott, aber ein gelungen leichter Spektakelfilm, der in einem eventuellen längeren Director's Cut noch an wohlverdienter Substanz hinzugewinnt.

7 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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