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KURZKRITIKEN:
DER EXORZIST
DER EXORZIST 2: Der Ketzer
DER EXORZIST 3
DER EXORZIST 4: Der Anfang
DER EXORZIST 4:
Dominion - Der Anfang des Bösen
von
Christian Mester
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DER EXORZIST war lange Zeit der
erfolgreichste R-Rated Film aller Zeiten |
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THE EXORCIST
(1973)
Regie: William Friedkin
Cast: Max von Sydow, Linda Blair
Story:
Die klassische Geschichte: die junge Regan
(Linda Blair) wird vom Dämon Pazuzu besetzt und ein
Team von Pfarrern versucht, ihr diesen wieder
auszutreiben...
Kurzkritik:
Als "Der Exorzist" 1973 in die US-Kinos kam,
erschütterte der Katholizismus-Horror und die
Tatsache, dass ein kleines Mädchen zu unflätigen
Schimpfwörtern griff, das tiefgläubige, fromme
Amerika des Mittelstands. 37 Jahre, zahllose
Parodien und einen festen Platz in der Medienkultur
später ist der Effekt dahin. Sieht man von den
Untertönen, den Motiven und Metaphern ab, ist "Der
Exorzist" ein nur recht mittelmäßiger Horrorfilm.
Relativ dröge entwickeln sich Besetzung und die ersten
Annäherungsversuche, dann folgen als schockierend gedachte
Momente, die 2010 nicht mehr funktionieren wollen.
Dass Regan mit grüner Knete im Gesicht im Bett
liegt, ihren Kopf rotieren lässt und ganz nach
"Jackass" Art dramatisch durch die Gegend reihert, wirkt
heutzutage nicht einmal mehr unfreiwillig komisch,
nur angestaubt. Leicht besser ist es im Originalton,
denn die tiefe Dämonenstimme Regans wirkt im O-Ton
noch eine Ecke bedrohlicher als in der deutschen
Übersetzung. Die Motive und Untertöne sind es
jedoch, die dem Exorzisten nach wie vor bleibend anhaften.
Die Elternangst, die komplette Kontrolle über das
eigene Kind zu verlieren, die Manifestierung in
einer Unschuldigen und der Kontakt mit der absoluten
Wahrheit, dass es teuflische Dämone gibt, sind auch
heute noch interessant und sitzen, auch wenn es es
die Regie nicht so passend übertragen kann. Von Sydow,
Miller und Blair sind hingegen gut, auch der
beklemmende Soundtrack greift auch heute noch.
Nahezu genial sind geschickte kleiner Ton- und
Bildeinspieler, die immer wieder für Bruchteile von
Sekunden eingeworfen und somit nur
unterschwellig bemerkt werden.
Fazit:
"Der Exorzist" war zum Zeitpunkt seiner
Veröffentlichung ein Meilenstein, heute nicht mehr.
Dem Klassiker nagt der Zahn der Zeit am Leib,
allerdings gibt es nach wie vor einige Grableuchten,
die ein klein wenig hell leuchten.
5 / 10
10 -
Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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DER EXORZIST 2 wurde in den Kinos ausgelacht
und ausgebuht |
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THE
EXORCIST 2 (1977)
Regie: John Boorman
Cast: Linda Blair, Richard Burton
Story:
Die nun jugendliche Regan (Linda Blair) wird an
einen Apparat angeschlossen, James Earl Jones läuft
im Käferkostüm herum, Heuschrecken surren durch die
Gegend und Pazuzu will die Welt unterjochen (in
Träumen/in Erinnerungen/vielleicht gar nicht).
Kurzkritik:
"Der Exorzist 2" machte 1977 durchaus Sinn, da der
Erstling ein Riesenerfolg war und es schließlich bei
fast allen Horrorfilmen üblich ist, alles
Erfolgreiche in die zweite Runde zu schicken. Wer
hätte allerdings gedacht, dass gleich so dermaßen
daneben gehen würde?
Im zweiten Teil läuft der Exorzismus an sich zwar
ein klein wenig anders ab, nichtsdestotrotz ist es
ein gescheiterter Versuch, die grundlegenden
Elemente des ersten Teils mit Hightech-Elementen zu
verknüpfen. Es war schon Scheitern verurteilt, als
man für die Regie John Boorman auserwählte, der kurz
zuvor die größte Peinlichkeit aus Sean Connerys
Filmographie inszeniert hatte (und damit ist nicht
"Mit Schirm, Charme und Melone" gemeint), "Zardoz",
jenen ulkigen Vollkornschwachsinn über einen
fliegenden Steinkopf und rote Lattexanzüge. Boorman
bekommt überhaupt nichts hin, verwechselt Spannung
mit atemloser Langeweile und sieht vor allem nicht,
wie grauenhaft das Drehbuch des Films ist. Völliger
Humbug aus Erinnerungsbesuchen, Welteroberung,
fliegenden Dämonkäfern und Sci-Fi Hightech, der
nirgends hinführt. Linda Blair, mittlerweile 18 und
als ehemaliger Kinderstar gerade zum ungemütlichen
Sexsymbol geworden, scheint mit wachsender Oberweite
an Talent eingebußt zu haben, denn selbst
emotionalste Schilderungen werden so hölzern
heruntertapeziert, dass man kaum glauben kann,
dasselbe Mädchen zu sehen. Richard Burton, der die
neue Pfarrerhauptrolle spielt, stolpert sich
halbherzig durch die Szenerie und zeigt offenkundig,
wieso er sich beim Dreh regelmäßig betrank und die
letzten Drehtage nur volltrunken überstehen konnte.
Spätestens beim vulkanischen Mind Meld und der
wirren Übereinanderlegung verschiedener Bilder kann
man sich nur noch eine Alufolienkappe auf den Kopf
setzen und mit den Armen rudern, da das Finale des
zweiten Exorzisten beinahe das Dementi jeglicher
Vernunft einläutet.
Fazit:
Unter anderen Gesichtspunkten hätte man "Der
Exorzist 2" als interessante Mindkirmes mit
grenzdebilen Überlegungen sehen könnte, aber letzten
Endes ist es eine vollkommen verkorkste Fortsetzung,
wenn nicht sogar eine der peinlichsten, die es
jemals hochbudgetiert ins Kino schaffte..
2,5 / 10
THE EXORCIST 3
(1990)
Regie: William Peter Blattey
Cast: George C Scott, Brad Dourif
Story:
Vater Kinderman (George C. Scott) forscht in
einer unheimlichen Mordserie, an der alte Bekannte
beteiligt sind...
Kurzkritik:
Es gibt zwei Szenen in "Der Exorzist 3", die im Kopf
bleiben - eine mit einem Gang, in dem anscheinend
nichts Ungewöhnliches passiert, bis dann in der Tat etwas
ungewöhnliches passiert, so wie eine mit einem Spiderwalk
an der Decke, die gerechtfertigter Weise Gänsehaut macht. Der Rest ist ein
relativ kraftloses, zusammengestückeltes Werk, das
nicht wirklich erkennen lässt, dass der Autor der
Bücher selbst nach der Katastrophe des zweiten Films
engagiert wurde, die ultimative Exorzistengeschichte
auf Zelluloid zu bannen. Dieses Mal läuft zwar
keiner in Papp-Chitinkostümen durch die Gegend und
es gibt auch keine abgefahrenen Kopfreisen, aber
dafür vermasselt es Blatteys dritter Teil, als
düsterer, recht einfacher Horrorfilm zu sitzen.
George C. Scott ist zwar besser und es gibt wie
gesagt einige durchaus effektive Szenen, doch
insgesamt macht es den Eindruck, als sei es eine
eigentlich andere Geschichte, die nur über Müh und
Not mit den vorherigen "Der Exorzist" Filmen
verbunden wurde. Amoklaufende Rentner und
unkontrolliert fieses Gebrabbel verschiedener
theatralisch im Schatten sitzender (u.a. "Chucky"
Brad Dourif") Schattengestalten wollen fürchterlich
ernst genommen werden, raunen sich aber bloß blasse
Phrasen ohne näheren Halt zu.
Fazit:
"Der Exorzist Teil 3" rollt schon nicht gut über die
Zunge und auch wenn 3 ein Aufstieg gegenüber 2 ist,
so ist 3 immer noch ein recht lahmer
Exorzistenaufguss ohne größeren Impact. Hätte der
gesamte Film die Kraft einiger kurzer, fast
beeindruckender Horrormomente könnte man eventuell
von einem Highlight sprechen.
3,5 / 10
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Stellan Skarsgard durfte Teil 4
gleich zweimal spielen |
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THE EXORCIST - THE BEGINNING
(2005)
Regie: Renny Harlin
Cast: Stellan Skarsgard, Dina Meyer
Story:
Die Vorgeschichte der Trilogie. In Afrika wird
eine unterirdische Kirche gefunden, die ein vom
Leben gezeichneter Priester näher untersuchen soll.
Merrin (Stellan Skarsgard) sieht sich alsbald dem
personifizierten Bösen gegenüber, denn der
teuflische Dämon Pazuzu versucht einen Weg in die
Welt der Lebenden zu finden.
Kurzkritik:
Renny Harlin dreht einen "Exorzist"? 2003 eine der
seltsameren Nachrichten, denn der Finne, der leider
schon länger nichts Brauchbares mehr inszeniert hat
(sein letzter überdurchschnittlicher Film war 2004 "Mindhunters",
der letzte wirklich relevante "Deep Blue Sea" vor 11
Jahren) war bis dato hauptsächlich als
Action-Regisseur bekannt. Aus seiner Hand stammen
"Stirb Langsam 2" und "Cliffhanger". Der letzte
"Exorzist" lag nun 13 Jahre zurück, war es überhaupt
sinnvoll, so spät noch einen vierten Teil hinterher
zu schieben? Brauchte die "Exorzist" Reihe überhaupt
jemals mehr als einen Film? Sequels waren in dem
Falle schon zweimal nicht gut gegangen, wieso es
also ein drittes Mal riskieren?
Nun, sagen kann man, dass "Der Exorzist 4" die
wahrscheinlich beste der bisherigen Fortsetzungen
war und generell auch kein schlechter Genre-Streifen
ist. Toll ist die Wahl des Hauptdarstellers, denn
der immer gute Stellan Skarsgard verleiht dem
Prequel eine Klasse von der andere Mehrteiler bloß
träumen dürfen. Der Film sieht (aufgrund seines
stolzen 50 Millionen Dollar Budgets) sehr schick
aus, fühlt sich aber insgesamt anders als die
vorherigen Filme an. Es hat dieses typisch
kurzweilige von Hollywood Horrorfilmen; es gibt
relativ wenig ruhige Szenen und damit auch kaum
echte Atmosphäre. Harlin setzt lieber auf schnelle
Handlung und Schockszenen, lässt sogar fast kurze
Romantik zwischen Priester und Krankenschwester
aufkommen. Eine weitere übliche, ungünstige Eigenart
der Tinseltown Produktionen ist ein unnötiger Griff
zum Computer; einige Tier und Dämonenszenen werden
dadurch mit CGI aufgescheuert, wodurch vieles
schnell künstlich aussieht und aus der Szenerie
reißt. Vor allem der fast schon actionreiche
Showdown steht im krassen Gegensatz der vorherigen
drei Teile. Es ist schade, denn die grundlegende
Story einer versteckten, unheiligen Kirche als
Brutort des Bösen ist eigentlich sehr gelungen.
Fazit:
"Der Anfang" ist die CGI-/Actionvariante des
eingestaubten Franchises, verpasst dadurch aber sein
eigentlich vorhandenes Potenzial. Kein schlechter
Film, aber für seine Thematik reichlich
atmosphärenlos und für seinen Aufwand manchmal zu
viel des Guten.
4,5 / 10
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Die Glatze des Bösen:
Pazuzu will nichts Süßes, nur Saures |
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DOMINION: PREQUEL TO THE EXORCIST
(2004)
Regie: Paul Schrader
Cast: Stellan Skarsgard
Story:
s. oben...
Kurzkritik:
"Dominion - Der Anfang des Bösen" ist eine der
ungewöhnlichsten Filmveröffentlichungen der letzten
Jahre, da es eigentlich ein unveröffentlichter Film
ist. Es ist die ursprüngliche Fassung von "Der
Exorzist 4", da Regisseur Paul Schrader den Film
komplett fertig stellte und dieser dann vom Studio
als so schlecht eingestuft wurde, dass man den Film
an den gleichen Drehorten und mit fast den gleichen
Darstellern noch einmal komplett neu drehen ließ.
Die Story ist eine leicht andere, aber im Grunde ist
es ein komplett anderer Take der gleichen Handlung.
Ein Take, der inmitten der Produktion des zweiten
Versuchs so starke Kritiken bekam, dass man sich
kurzerhand dazu entschloss, diese erste, originale
Fassung einige Monate nach dem Release des zweiten,
des Ersatzfilms zu veröffentlichen.
In den meisten Fällen zweier verschiedener
Filmvarianten sind die Unterschiede zwischen Cut 1
und 2 relativ gering (beispielsweise bei "Halloween
6: Der Fluch des Michael Myers" und dessen Producers
Cut), doch im Falle Dominions kann man klar sagen,
dass es zwei vollkommen unterschiedliche Filme sind.
Das beginnt schon beim gesamten Look, denn während
Harlins Fassung aufwendig und hochpoliert aussieht,
hat Schraders knapp halb so teure Version den Look
eines eher typischen Midsize Horrorfilms. Der
gesamte Ton des Films ist ein gänzlich anderer. War
Harlins Variante kurzweilig, hält Schrader nichts
davon, eilig und unüberlegt durch die Handlung zu
preschen. Er lässt sich viel Zeit, verzichtet oft
auf Musik und lässt Spannung wachsen. Gewagt sind
einige Bilder, die es in der großen Edition nicht zu
sehen gibt. Auffällig ist es, dass eine der
wichtigsten Rollen des ersten Films hier vollkommen
fehlt, die der Krankenschwester. Sie kommt zwar vor,
wird aber nicht mehr von Dina Meyer ("Starship
Troopers", "Saw" gespielt und ist nicht mehr länger
relevant. Dafür gibt es einen vollkommen neuen
Charakter, einen bettlägrigen Armen, der eine
Bindung zum Bösen aufbaut, sowie einen jungen
Priester, der seine eigenen Erfahrungen machen muss.
Fazit:
Schraders Fassung ist ein ganz anderes Erlebnis.
Still, spannend und inhaltlich weit gewagter, dafür
zuweilen etwas langatmig und nicht ganz so schick
eingefangen. Am besten wäre eine Mischung, ein
Amalgam aus beiden Filmen gewesen: ein stiller,
spannender, hervorragend aussehender Film mit
Spannung und gelungenen Schockmomenten. Geteilt sind
sie nicht ganz so starke, aber immer noch
sehenswerte Filme, jeweils auf ihre ganz eigene Art
4,5 / 10
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