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KRITIK:
THE EXPENDABLES
von
Christian Mester
THE
EXPENDABLES (2010)
Regie: Sylvester
Stallone
Cast: Sylvester Stallone, Jason Statham, Jet Li, Dolph Lundgren, Bruce
Willis, Arnold Schwarzenegger, Eric Roberts, Terry Crews, Stone Cold
Steve Austin, Gary Daniels
Story:
Barney Ross
(Sylvester Stallone) ist der Anführer eines Teams knallharter
Kanten
(Jason Statham, Jet Li, Dolph Lundgren, Terry Crews, Randy Couture),
die sich als Söldner darauf spezialisiert haben, die
dreckigsten aller
Jobs zu erledigen. Für ausreichende Entlohnung erledigen sie
jeden, der irgendwem ein Dorn im Auge ist. Eines Tages
trifft Ross den mysteriösen Mr. Church (Bruce Willis), der
einen typischen Routine-Auftrag zu vergeben hat. Sie sollen
eine südamerikanische Kleinstadt von einem fiesen Diktator
(David Zayas) befreien.
Eigentlich ein Kinderspiel, da solche Jobs für die Jungs
Alltag sind, doch vor
Ort merken sie, dass der hiesige Tyrann
bloß Marionette eines korrupten CIA-Agenten (Eric Roberts)
ist. Dieser hat vor, an einer
gebauten
Kokainplantage zu verdienen. Aufgrund der
Zusammenhänge hält Ross den Auftrag
für zu riskant und lehnt ab, entscheidet sich dann
jedoch kurz darauf um, als
er ein schlechtes Gewissen bekommt. Wie in "Rambo IV" ist mal wieder
eine
attraktive, knapp bekleidete Frau in Not, die ihn erst weich werden und
dann zu den Waffen greifen lässt. Die anderen wollen
eigentlich nicht, sehen aber, dass ihr Chef allein keine Chance hat und kommen mit.
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Steve Austins Rolle sollte erst von Scott Adkins gespielt werden, Eric Roberts' erst von Forest Withaker, Terry Crews'
erst von Wesley Snipes und 50 Cent und Dolph Lundgrens erst von
Jean-Claude van Damme. Bis auf Van Damme lehnten alle aus
Zeitgründen ab, VD, weil ihm seine Rolle zu einsilbig war. Auch
Steven Seagal wurde gefragt, lehnte aber ab, da er mit dem Produzenten
nicht zusammenarbeiten wollte.
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Kritik:
Vor fünf Jahren sahen Sylvester Stallones Karten noch schlecht
aus. Der ehemalige Megastar war wie viele seiner alten Kollegen
verblasst. Seine letzten Filme waren gefloppt, seine wenigen neuen
erschienen direkt auf DVD. Man respektierte seine beeindruckende
Karriere und schätzte ihn sehr, lachte aber offen
über die absurde Vorstellung, ihn irgendwann noch einmal als
boxenden Opa oder Rambo mit Gehhilfe zu sehen.
Da auch Arnie zwischenzeitlich zum bequemen Bleiftstiftspitzer geworden
war und langsam aber sicher Wampe ansetzte, schien
ihre Ära vorbei zu sein. Bis Sly sich dann
tatsächlich an "Rocky VI" (8,5/10) und "Rambo IV" (6,5/10) setzte und
zwei überraschend gute Fortsetzungen draus machte.
Neugierig durfte man sich fragen, was er aus der neu gewonnen
Rückkehr machen würde. Weitere Fortsetzungen?
Während er einen weiteren "Rocky" kategorisch ablehnte,
spielte Sly bald mit dem Gedanken, den Stirnbandträger gegen
ein mutiertes Monster antreten zu lassen. Sly, der seit einiger Zeit
immer wieder Fankontakt über Filmseiten sucht, ließ
sich jedoch umstimmen und sah ein, dass er an solche Experimente besser
nicht mal denken sollte. Also widmete er sich stattdessen einer anderen
Idee, einem richtig typischen Stallone-Projekt alter Schule: "The
Expendables".
Dolph
Lundgren spielt eine der markantesten Rollen im Film. Lässt
man sich das auf der Zunge zergehen, darf man schon erahnen, in welche
Richtung der Rest geht. "The Expendables" ist ein einsilbiger, stumpfer
Actionfilm, in dem durchtrainierte Machos immer wieder aufeinander
prallen, in dem jede Menge Zeug explodiert und Fäuste
sprechen. Für manche wird das allenfalls nett bis solide
sein, für viele andere ist es ein legendäres
Epos, ein Liebesbrief an ein ganzes Genre. Sly schart hier Actionstars
seiner Zeiten und der Moderne um sich, um genau die Art von
Actionfilmen abzufeiern, die vor allem in den 80er und
90ern größte Beliebtheit erlebten. Arnold
Schwarzenegger, Bruce Willis und Sylvester Stallone im gleichen Raum zu
sehen, ist schier unglaublich. Darauf hatte manch einer seit 25 Jahren
gewartet und nicht mal mehr im Traum damit gerechnet, das noch zu
erleben.
Es macht auch einfach
Spaß, diese Jungs, die privat schon seit langem Freunde sind,
endlich, wenn auch bloß kurz zusammen agieren zu sehen. Im
Grunde ist das Ganze ein
Klassentreffen alter Busenfreunde, die ein paar Neulinge dazu holen und
ein
letztes Mal das zusammen tun, was sie am besten
können
– in diesem Fall, Dinge in die Luft jagen, Sprüche
reißen und Leute erschießen. Genau das gibt's auch
zur Genüge, denn Sly greift immer wieder in die Vollen. Egal
ob er Jet Li gegen Dolph Lundgren kämpfen lässt, in
eine halsbrecherische Verfolgungsjagd gerät oder mit einem
Flugzeug einen ganzen Hafen angreift, in Sachen Action ist "The
Expendables" ein Fest, das selbstredend in einem
furiosen Finale voller Nahkämpfe, Schusswechsel und
Explosionen endet.
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Schwarzenegger
und Stallone trafen schon zweimal in Filmen aufeinander, wenn auch
indirekt. In DEMOLITION MAN erzählt man Sly, dass Arnie
Präsident geworden sei, in LAST ACTION HERO steht Arnie vor einem
Terminator Poster, auf dem Sly seine Rolle spielt.
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Wo viel
explodiert, hageln oft aber auch Splitter, und da
gibt’s Schelte
für Sly. Das Maß der Action ist klasse, keine Frage,
allerdings darf man sich fragen, wieso er unbedingt versuchen musste
diese so modern einzufangen. Anstatt sich an den ruhigen Kameras alter
Filme zu orientieren, versucht er händeringend, die
Wackelkamera der "Bourne" Filme zu imitieren. Das schlug schon in "Ein
Quantum Trost" gehörig fehl und stört hier ebenfalls,
da es einem andauernd die Übersicht nimmt. Nicht ganz so
auffällig, aber ebenfalls störend sind einige
Computereffekte. Blut kommt aus dem Rechner und auch ein Mann in
Flammen sieht dadurch so schlecht aus, dass man sich getrost vor die
Stirn schlagen kann. Es sollte doch klar sein, dass sich
Stuntmen sogar umsonst in Brand stecken lassen,
nur um in einem Stallone dabei zu sein.
Das
sind
bloß kleinere Macken, wesentlichere Probleme finden sich
woanders. Da wäre die Tatsache, dass das Team nicht wie ein
Team wirkt. Barney ist zwar Chef und Statham der
Messerexperte, der Rest aber fast nicht der Rede wert.
Wushu-Legende Jet Li wird ständig nur vorgehalten,
dass er klein sei, Dolph Lundgren kann sich nicht beherrschen, Terry
Crews hat eine Supershotgun und Randy Couture ein Blumenkohlohr. Viel
mehr an Charakterisierung gibt es nicht und auch in den Actionszenen
kommen sie fast alle zu kurz. Anstatt ein Team zu zeigen, in dem jeder
in irgendetwas besonders gut ist und das perfekt aufeinander
eingestimmt zusammenarbeitet, verschwendet Sly lieber viele Minuten
damit,
Hintergründe seiner und Stathams Figur zu zeigen. Die beiden
harmonieren prächtig miteinander, Die
beiden harmonieren
prächtig miteinander und sind die klaren Stars, aber was mit
ihren Freundinnen
ist und dass sie über den Sinn und Unsinn ihres Daseins
reflektieren,
interessiert und wirkt nicht.
Jeder
weiß, dass sie den Job ohnehin angehen, also wäre es
beispielsweise wesentlich spaßiger, die Jungs beim
Training, im obligatorischen Stripclub oder noch lustiger, fehlplatziert im
normalen Alltag zu sehen. Mickey
Rourke (der übrigens genau so wie in "Iron Man 2"
aussieht, da
beide Filmen gleichzeitig gedreht wurden), der einen alten Freund
spielt, ist gern gesehen und passt auch zu den anderen, bedeutet aber
jedes Mal Pause, da in elendig langen Dialogen, einer sogar unter
Tränen, von Action und Spaß abgehalten wird. Der
Versuch, mehr als das zu sein, haut einfach nicht hin, allein schon
deswegen nicht, weil die "Expendables" ihr Gruppenlogo auf
scheinbar allem haben: auf Waffen, Tattoos, Motorrädern,
selbst auf ihrem Flugzeug. Man fühlt sich an "MASK", "G.I. Joe"
oder die Nippelbatman-Filme erinnert. Man kann Sly auch ankreiden, dass
er nicht ganz wusste, ob er jetzt was Ernstes oder Lustiges machen
wollte. Lustige Sprüche gibt es einige, viele davon sitzen jedoch
nicht; das Ernste ist für Ernstgemeintes zu stumpf, für
herrlich amüsant Stumpfes aber nicht stumpf genug.
Die Gegenspieler des Teams sind okay, allerdings auch keines
großen Lobes wert. Gary Daniels und Stone Cold Steve Austin
spielen stumpfe, charakterlose Schläger, Eric (der Bruder von
Julia) Roberts ist ein immer nett gesehener Mistkerl (zuletzt gesehen
in "The Dark Knight"), bekommt aber keine wirklichen eigenen
Momente. Neuling David Zayas ist weinerlich. Der
größte Spaß besteht also darin zu sehen,
wie die Expendables primär gesichtslose Nobodies erledigen.
Das ist für sich auch unterhaltsam, geht aber auch noch
besser, zumal vier der sechs Expendables selbst durchaus mehr Gesicht
hätten haben könnten.
Richtig schwach ist Brian Taylors Soundtrack, der es vollkommen
verfehlt, dem Film hörbar Charakter zu verleihen. Das
lieblose Gedudel funktioniert zwar halbwegs, eine denkwürdig starke Expendables Theme sucht man jedoch vergebens.
Fazit:
Distanziert betrachtet ist
Slys "The Expendables" ein gerade mal guter Actionfilm, der seine
Power leider nicht über die ganze Laufzeit halten kann. Genrefans kommen trotz
der Macken natürlich nicht drum herum, sich das Ding im Kino anzusehen. Jeder,
der die Actionfilme der Stallone und Schwarzenegger Ära kennt und mag, ist es
beiden einfach schuldig ihr Zusammentreffen im Kino zu sehen.
7 /
10
10 -
Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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