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Kritik:
The Expendables 2


Kritik von Jay

THE EXPENDABLES 2
(2012)
Regie: Simon West
Cast: Sylvester Stallone, Jason Statham, Jean-Claude Van Damme

Story:
Bei einer simplen Bergungsmission trifft Barney Ross' (Sylvester Stallone) Söldnerteam auf den größenwahnsinnigen Terroristen Jean Vilan (Jean-Claude Van Damme), der so cool ist, dass er selbst in Minenschächten eine Sonnenbrille trägt. Um ihnen eine Lehre zu erteilen, tötet Vilain (Villain heißt übrigens Bösewicht) einen der Expendables und zieht von dannen, um mehrere Tonnen Plutonium aus einem verloren gegangenem Versteck zu stehlen. Wutentbrannt folgen die Expendables ihm und holen noch drei alte Freunde dazu (gespielt von Bruce Willis, Arnold Schwarzenegger und Chuck Norris), um die offene Rechnung zu begleichen. Suchen, finden, töten.

Kritik:
Als Slys Expendables 2010 das erste Mal loszogen, waren Hype und folgende Enttäuschung etwa gleich auf. Zwar hatte man von Anfang an kein Meisterwerk erwartet und letzten Endes war der erbrachte Film auch wohl durchaus passabel, doch vom ultimativen Zusammentreffen von Jet Li, Sylvester Stallone, Jason Statham, Dolph Lundgren, Arnold Schwarzenegger und Bruce Willis durfte man sich fraglos mehr erwartet haben (das musste mindestens doppelt so gut werden wie Terminator 3, Stirb Langsam 2 und Rambo 3 zusammen). Die Nostalgie sie alle zusammen zu sehen, war toll, ihr Film aber nur mittelmäßig. Sie addierten sich nicht zu einem Über-Wow zusammen und waren auch einzeln nicht mit ihren eigenen Sachen zu vergleichen. Viel Luft demnach nach oben, die Con Air Regisseur Simon West dieses Mal freilich zu nutzen weiß.

Die ersten zehn Minuten allein, die einen Überfall der Expendables auf eine gegnerische Festung zeigen, lassen den inneren Michael Dudikoff vor Freude weinen. Fulminante Action, abwechslungsreich inszeniert, immer übersichtlich gehalten, mit gut sitzenden amüsanten Sprüchen und fair akzentuierten Momenten für die einzelnen Söldnermitglieder, liefert so geeint ein Konzentrat, wie man es sich vom Genre des 80er Machoactionfilms nur wünschen mag. Eine Eröffnung, die spielend klar macht, dass das die Avengers ihres eigenen Genres sind, mit einem Tempo, einem Spaß und einem Spektakel, das beste Unterhaltung liefert und den Avengers bis dahin in nichts nachsteht - sofern man mit den Elementen vertraut ist und ja nichts zu ernst nimmt. Sonnenbrillenstimmen könnten sogar sagen, die Eröffnung von Expendables 2 schlage die von Avengers um Welten.

Darüber hinaus weiß die zweite Runde dem Vorgänger weitreichend die Harke zu zeigen: nach dem eher faden Bösewicht Eric Roberts im ersten Teil darf Jean-Claude Van Damme eine Parodie und Hommage solcher typischer Figuren mimen. Zum einen ist er ein finsterer Terrorist und Sadist, der große Reden schwingt und den Verkauf von Atomwaffenmaterial für einen Spaß hält, der nach Mortal Kombat Finisher Art tötet und auch vor waffenlosen Zweikämpfen nicht zurückschreckt (fein: sein Endkampf gegen Stallone). Dann aber wiederum spielt er offenbar extra schlecht und ist damit so herrlich unsinnig macho wie Stallones Cobretti aus Die City Cobra, ein großer Spaß (nicht von ungefähr an Seagals Auftritt in Machete erinnernd). Nicht einmal fehlen darf es augenzwinkernd an gezielt doppeldeutig homoerotischen Sprüchen ("Ich mach dich zum Mann" "Ach ja, wird es wehtun?"), wie es humorvoll in zahlreichen B-Action Filmen amüsante Vorlage war, insbesondere in Phantom Commando.

Das Team wird dieses Mal interessanter dargestellt. War Stathams Liebelei im ersten Teil nervig ungeordnet, ist es hier reduziert und funktionell dafür da, dem Einzelgänger Ross zu zeigen, dass er als Big Boss einmal allein enden wird, was ihm den Anreiz gibt, in den Missionen mehr als jeder andere zu geben, auch mal die Waffe abzulegen und Tod im Nahkampf zu riskieren, wenn ein Schuss ala Indiana Jones auf dem Markt alles retten mag. Die anderen kommen nach wie vor kürzer vor, doch wirken dieses Mal deutlich kameradschaftlicher und weniger querbeet zusammengewürfelt. Der aus Desinteresse schnell fehlende Jet Li wird durch die hierzulande unbekannte Nun Ya ersetzt, die dann zwar keine besseren Kampfszenen bekommt als Li zuvor, wichtiger: dafür aber nicht mehr Spottopfer ist. Dieses Mal wirkt es wie ein eingeschworenes Team, das schon viel miteinander erlebt hat. Dass Lundgrens Figur im letzten Film als Killer auf sie losgegangen war, scheint völlig vergessen.

Wer letztes Mal hauptsächlich für die anderen zwei der großen drei, Schwarzenegger und Willis dabei war, bekommt jetzt endlich, was er sich zuvor gewünscht hatte: imposante Actionszenen, in denen sie Sprüche klopfend gleich reihenweise Henchmen ummähen dürfen. Manches Mal neigt es ans Alberne heran ("Wie oft willst du noch zurückkommen, ich komm jetzt zurück", "Yippie-Kayee"), aber wenn Arnold Smart-Türen abreißt, als seien sie aus Plastik, wenn die Expendables ohne Deckung hunderte Leute ummähen und selbst nie getroffen werden, wenn Sly lebensmüde mit einem Wasserflugzeug in eine Mine hineinfliegt, wenn Statham und der böse Scott Adkins vor einem wirbelndem Hubschrauberrotor kämpfen, spätestens wenn Chuck Norris auftaucht, einen ganzen Straßenzug voller Gegner terminiert und dann einen Chuck Norris Spruch bringt, darf man vor lauter Grinsen darüber hinwegsehen, dass es auch hier fälschlich rührselige Momente gibt, viele deplatziert wirkende, miese CGI-Effekte die 100 Millionen Dollar Budget anzweifeln und zwischen so mancher Actionszene beträchtliche Qualitätspausen vorkommen. Auch The Expendables 2 ist und ein bleibt ein sehr stupider Actionfilm, doch eine sauberere Actionregie, besser ausgearbeitete Figuren und der Dreh weg von verfehlter Spannung hin zu ehrlichem Spaß machen ihn zum weit besseren Film als den Vorgänger. Zwar schafft West es nicht, das Tempo und die Qualitäten der Eröffnung je wieder aufzuholen, doch ein großes Finale in einem absurd modern (und dennoch völlig leer in Sachen Sicherheitspersonal) wirkenden Flughafen in völliger Einöde endet auf guter Note. Ein Film, der so eigentlich der erste seiner Reihe hätte sein müssen, und einer, der eine weitere Fortsetzung verdient (sofern man die noch verbleibende Luft nach oben auch noch füllen kann. Nicolas Cage sagt "ja").

Fazit:
Simon West, Chuck Norris und Van Damme hinzu zu holen war also die richtige Entscheidung. Die Eröffnungsszene bläst so ziemlich jede andere des Kinojahres weg, so hat The Expendables 2 auch sonst bessere Action als der Vorgänger, macht deutlich mehr Spaß und ist rundum ein weitaus gelungener B-Action Liebesfilm als noch der erste. Noch immer nicht vom Stirb Langsam, Predator oder Phantom Commando Format, aber Pflicht für jeden Sly / Arnie / Bruce Sympathisanten. Reingehen, und dann nochmal reingehen.

7.5 / 10

10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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