BG Kritik:

Fack ju Göhte


von Michael Herbst

Fack ju Göhte (USA, 2014)
Regisseur: Bora Dagtekin
Cast: Elyas M'Barek, Karoline Herfurth, Katja Riemann

Story:
Frisch aus dem Knast, erfährt Kleinkrimineller Zeki (Elyas M’Barek), dass seine Kohle aus einem Bruch auf einem Schulgelände vergraben worden ist - auf dem zwischenzeitlich eine neue Turnhalle errichtet wurde. Zeki bewirbt sich kurzerhand als Hausmeister, wird als Aushilfslehrer eingestellt und fängt an, heimlich einen Tunnel zum Geld zu graben...



Achtung Schweighöfer, Schweiger, Herbig, jetzt gibt’s einen neuen Pascha. Bei Keinohrhasen und What a Man spielte er noch den Wasserträger für die Großen, ab sofort lässt er es sich selbst gut gehen. Mit seinem Film Türkisch für Anfänger zeigte sich M’Barek als tragender Comedy-Darsteller, seit Fack ju Göhte, der 2013 der erfolgreichste Film in Deutschland war, muss man ihn die ganz große neue Nummer nennen.

Fack ju Tu ist bereits geplant


Wieso diese eigentlich unbesondere Schülerkomödie ein solch massives Publikum erreichen konnte, ist schnell erhört. Sprüche wie „Fick dich, du Spast“, „Kanack mich nicht so an“ oder auch „sind Sie eigentlich geborderlined?“ stellen 90% des Dialoggehalts des Films dar. Das kann man malträtierend finden, findet aber den Puls einer ganzen Generation, die mit Straßenhelden wie Sido und Bushido aufgewachsen ist und für die dieser Tenor gewöhnlicher Alltag ist.

Bora Dagtekin schafft dabei das Unmögliche: authentisch zu klingen und respektvoll zu bleiben. So oft scheitern Drehbuchautoren in ihren 30ern oder älter daran, akkuraten Jugendslang einzufangen, doch hier passt es. Mieden Jugendliche beispielsweise den Bushido Film, weil gezwungen und verfälscht auf sie zugeschnitten, fühlten sie sich hier einmal echt angesprochen .Interessant ist, dass Dagtekin keine Parodie daraus macht. Er macht sich über Kids wie diese nicht lustig und verhöhnt ihren Bildungsfremdheit nicht. Er erinnert daran, dass die Kids selbst nichts für ihren Ton können und trotz harten Wortklangs meistens normal nett sind. Zu Anfang scheinen die Fronten klar aufgeteilt: Zeki und die Schüler sind coole Freigeister, die fack ju zu allem sagen, wenn ihnen danach ist. Lehrer und Eltern hingegen sind spießige Loser, die bloß nerven oder langweilen.

Elyas M'Barek sorgt für Aufsehen


Später ändern sich die Ansichten jedoch und Lehrer werden als unverhofft sympathisch dargestellt, während man den Kindern mit für sie verständlichen Beispielen zeigt, dass Hartzer oder Drogendealer doch keine idealen Zukunftsaspiration ist. In seinem täglichen Kampf gegen die pubertären Chantals und Dangers ist Elyas M’Barek irre charismatisch, doch es ist Karoline Herfurth zu verdanken, die Fack ju Göhte zu einem verblüffend guten Film macht. Als süßer Tolpatsch spielt sie ein wunderbares Mauerblümchen, das in ihrer bemühten Konfrontation mit den krassen Schülern und Zeki die witzigsten Momente bekommt. Dagtekin greift in die Klamaukkiste und holt Schülerstreiche hervor, wie sie unsere Großeltern mit Hansi Kraus sahen. Egal ob 1954 oder 2014, Lehrern Tinte ins Gesicht zu spritzen ist und bleibt lustig, und Dagtekin hält das Spaßtempo schnell.

Weil man den Klischeemustern treu bleibt, kommt es im letzten Akt zur obligatorischen Liebelei zwischen Zeki und der Lehrerin Lisi, sowieso zu der Reflektion der kriminellen Vergangenheit, aber der Film ist abgesehen davon ausnahmslos frei von elendig aufgetragener Werbespot-Musik, Orange-Filtern und Knuddelkindern der Product Placement lastigen Konkurrenz, dass man das gern aufnimmt.

Fazit:

Fack ju Göhte verpackt eine flotte Schülerkomödie überraschend respektvoll und realistisch klingend. Ein Film, der mit seinem Dauer-Fick-dich unter normalen Umständen niemals gut sein dürfte, aber mit Talent erfolgreich kontert.

6,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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