BG Kritik:

Fantastic Four


Hat BG vor 10 Jahren gegründet und seither eine Menge neuer Filme gesehen. War als Redakteur für GameStar und Gameswelt tätig.

Fantastic Four (US 2015)
Regisseur: Josh Trank
Cast: Miles Teller, Kate Mara, Michael B Jordan, Jamie Bell, Toby Kebbell

Story: Bei einem Experiment wird ein junges Wissenschaftlerteam von außerirdischen Strahlen getroffen, einer von ihnen bleibt vermeintlich tot zurück. Während die Geretteten unglaubliche Veränderungen an sich feststellen, schwört der Zurückgelassene Rache…

Doooooooooooom.

Fantastic Four gehört aktuell dem dt. Filmstudio Constantin Film


Kann es denn wirklich so schwer sein? Der diesjährige Fantastic Four ist bereits der dritte Versuch von Constantin und Fox, die berühmte Marvel Comic-Reihe für’s Kino umzusetzen. Schon bei dem ersten Anlauf in den 90er Jahren wusste man mit der Comic-Lizenz nichts groß anzufangen, und ließ B-Movie Regisseur Roger Corman einfach mal überstürzt eine Low Budget Fassung drehen. Dies geschah ausschließlich, um die Rechte behalten zu können. Wie bei Spider-Man/Sony oder Fox/X-Men bestimmt ihr Vertrag: wird das Material nicht alle paar Jahre neu oder weiter verfilmt, gehen die Rechte zurück an den Eigentümer. Und da Marvel seit Iron Man einen Blockbuster nach dem nächsten aus den Ärmel schüttelt, will man denen natürlich nichts gönnen.

Ende der 90er wollte man mal einen richtigen Film aus Fantastic Four machen, doch bereits die Erst- und Zweitwahl für die Regie machten stutzig. Der eine hatte Die nackte Kanone 3 gedreht, der andere den Scooby Doo Film. Drittwahl und finaler Regisseur war Tim Story, der zuvor nur kleine Komödien gemacht hatte. Sein Fantastic Four kam 2005 mit Jessica Alba und dem heutigen Captain America Chris Evans als Fackel, konnte die zu dem Zeitpunkt bereits verwöhnten Genrefans aber nur noch halbwegs zufriedenstellen. Ein Sequel mit Silver Surfer und Planetenesser Galactus folgte 2007, erreichte aber sogar weniger Zuschauer als der ohnehin nur okaye erste Teil. Obwohl es Pläne für mehr gab, sah man ein, dass diese Interpretation keine Zukunft hatte.

2015 sollte das nächste Remake folgen. Für den Regieposten schnappte man sich den Neuling Josh Trank, der mit dem Found-Footage Actioner Chronicle positiv aufgefallen war. Sein Fantastic Four aber schuf von Anfang an Skepsis. Im Sommer 2014 fand die San Diego Comic Con statt, das große Geekfest für alle US Comic-Verfilmungen. Seltsamerweise präsentierte Fox dort nichts zu Fantastic Four, was viele Fragen aufwarf. Waren die Effekte noch nicht fertig, oder gab‘s etwa Probleme? Im August leakte ein erstes Bild vom neuen Doom, das dann zu Recht Spott erntete, da es schlicht fürchterlich aussah. Im Januar gabs endlich den Trailer, der einen überraschend sehenswerten Eindruck machte. Als dann aber alle weiteren Trailer die gleichen Szenen zeigten, schwante bald Übles, und der US-Start war dann tatsächlich eine absolute Katastrophe. Der Film floppte und spielte nur die Hälfte seines Vorgängers ein, Kritiker ließen kein gutes Haar dran und der Regisseur selbst postete auf Twitter, dass das Studio seinen Film vermurkst habe. Hat er Recht?

3D wurde angekündigt, dann wieder gestrichen. Vielleicht, weil es sich eh nicht lohnte...


Der neue Fantastic Four fängt passabel an, mit Kindern und Technikerpioniergeist wie bei A World Tomorrow. Der junge Reed bastelt während seiner Schulzeit einen waschechten Teleporter, wird als Talent entdeckt und darf dann über die nächsten Jahre an einer Art Stargate zu einem anderen Planeten schrauben. Als es fertig ist, plant die Regierung, in bälde erste NASA-Astronauten durch das Portal zu schicken. Reed und sein Team wollen den Pioniererfolg allerdings für sich, also reisen sie heimlich als erste hindurch.

Was dann passiert, ist von der Basis her das gleiche wie immer. Die vier bekommen ihre Kräfte, Kollege Doom wird zu Dr. Doom, der will die Welt vernichten und die vier halten ihn auf. Trank schwebte stilistisch jedoch was anderes als typischer Actionfun vor. Er sah sich von Cronenbergs Horrorklassiker Die Fliege inspiriert. Die Verwandlung der vier geschieht demzufolge unter großen Schmerzen, und Steinbeißer Ben ist den ganzen Film über von schweren Depressionen geplagt. Selbst sein berühmter Kampfspruch stammt nicht mehr von ihm selbst, sondern aus Erinnerungen an seinen großen Bruder, der ihn früher misshandelte. Spaßige Familienhelden sind das also nicht, und wenn Dr Doom anfängt, Soldatenköpfe wie bei Scanners brutal aufplatzen zu lassen, ist ohnehin Schluss mit lustig. Die Four retten mit ihren Kräften dann auch definitiv keine Kinder aus brennenden Häusern, sondern stellen Steinmann Ben in den Dienst der Army, damit er für die Terroristen tötet. Was unter den Vieren nie angesprochen, geschweige denn kritisiert wird.

Okay, also eher eine Geschichte für Erwachsene? Schön wär’s, doch der unterkühlte, deprimierende Ton des Ganzen erzählt trotzdem keine gute Geschichte. Die Figuren mögen außerordentliche Kräfte haben, doch ihre Darsteller spielen unmotiviert und haben keinen Draht zueinander. Miles Teller war zuletzt großartig in einem der besten Filme des letzten Jahres, Whiplash. Kate Mara begeisterte in der Serie House of Cards. Michael B Jordan hätte für Fruitvale Station fast eine Oscar-Nominierung bekommen, Toby Kebbell spielte letztes Jahr eine starke Rolle im zweiten Planet der Affen, und Jamie Bell war in Snowpiercer und Jane Eyre. Alles fähige Leute, die hier allerdings aufgrund Script und unverständlicher Regie-Anweisungen miserabel sind.

Tellers Mr Fantastic ist anfangs ein etwas schüchterner Forschernerd, der in niedlichen kleinen Zügen mit Maras Sue Storm anbandelt. Nach der ersten halben Stunde aber ist die aufkeimende Romanze futsch, und die beiden sprechen ihre Texte nur noch emotionslos wie Roboter herunter. Ben Grimm, ohnehin völlig fehlbesetzt mit dem kleinen, schmalen Bell, ist wie gesagt nur noch depressiv und bekommt auch keinen größeren Hintergrund spendiert, wieso er überhaupt dabei sein muss. Jordans Fackel wird als trotziger Fahrer illegaler Rennen vorgestellt, der zur Strafe an der Forscherarbeit seiner Adoptivschwester teilnehmen muss. Dass die zwei Geschwister sein sollen, wird gesagt, aber nie gezeigt, und ein großer Kumpel der anderen ist er auch nicht. Die berühmteste aller Comic-Familien besteht hier also aus vieren, die kaum was miteinander zu tun haben, und die allesamt die Laune von Pendlern ausstrahlen, die morgens auf dem Weg zur Arbeit gähnend nebeneinander im Zug stehen und bloß in Ruhe gelassen werden wollen.

Nein, nein, nein und nein.


Bösewicht Doom hat es gar noch schlechter getroffen. Doom wird als Klassik hörender Gamer vorgestellt, der lediglich teilnimmt, weil er mal in Sue verschossen war. Was nie wieder zum Thema gemacht wird. Als er auf dem anderen Planeten ist, greift er – genau so dämlich wie der Geologe aus Prometheus – in eine gefährlich aussehende Substanz, die daraufhin alle mutiert, was im Endeffekt dazu führt, dass er als einziger zurückgelassen wird. Als er dann endlich gerettet wird, will er aus unverständlichen Gründen schnellstmöglich wieder zurück - obwohl da außer Steinen nichts ist. Nicht nur das, er will die Erde mit Hilfe eines Schwarzen Lochs vernichten, damit er sich auch wirklich sicher sein kann, dass ihn drüben keiner mehr stört. Die wohl dümmste Antagonistenmotivation seit Kevin Spaceys Lex Luthor in Superman Returns ganz Kalifornien versenken wollte, um Grundstücke auf einer Kryptonitinsel verkaufen zu können.

Da Tranks Vision dem Studio ganz und gar nicht zusagte, griff es mittendrin drastisch ein - und das ist nicht zu übersehen. Es ließ zahlreiche fertige Szenen wegfallen und dafür komplett neue drehen, die aber die ganze Handlung durcheinander bringen. Ursprünglich war beispielsweise geplant, dass die Fackel, die als Rennfahrer eingeführt wird, das sogenannte Fantasti-Car fährt, das, was das Batmobil für Batman ist. Das ist aber raus, und Fackels Einstieg somit sinnlos. Die Romanze zwischen Reed und Sue wurde gestrichen, ebenso Szenen, die zeigen, dass Reed und Ben beste Freunde, oder dass Sue und Fackel enge Geschwister sind, die trotz Streitigkeiten als Familie zueinander halten. Tranks Horrorelemente wurden stark gedrosselt, was hinsichtlich des Ziels, auch Kinder unterhalten zu wollen, verständlich ist. Da die düsteren Elemente aber trotzdem noch grundlegend drin sind und der ernste Ton überwiegt, wirkt es unstimmig. Als Doom dann wiederkommt und anfängt, Leute umzubringen, und plötzlich sogar die ganze Welt bedroht, ist sein entwickelter Groll nicht zu verstehen. Er taucht lediglich auf, damit die Four was zu bekämpfen haben, und will nur deswegen die Welt vernichten, weil es erwartet wird. Vielleicht ist er ja auch nur erzürnt, dass sein Design einem menschlichen Bratwürstchen entspricht. Dr Doom ist einer der ikonischsten Bösewichte der Comic-Welten, und jetzt hat man's geschafft, ihn dreimal schlecht umzusetzen, jetzt sogar schlechter denn je!

Doom sieht in der Tat grottig aus. Das computeranimierte Ding hingegen ist technisch gelungen, auch wenn er ruhig eine Hose über seinen Steinhintern hätte tragen können (natürlich macht es keinen Sinn, weil Ben scheinbar keine Steingenitalien hat, aber es bleibt ein bizarrer Anblick). Die neuen Fackeleffekte sind schlechter als in der 10 Jahre alten Chris Evans Fassung, und auch wenn Mr Fantastic dieses Mal nicht Arme wabbelnd in einem Club tanzt, stellen Trank oder sein Ersatz nichts Kreatives mit seinen Kräften an, oder mit Sues Telekinese und Unsichtbarkeit. Überhaupt ist es auffällig, wie wenig Action es im Film gibt. Abgesehen von einer Kampfszene zwischen Reed und Soldaten und dem finalen Showdown gibt es bloß sekundenlange Ausschnitte aus den Army-Kampfeinsätzen zu sehen, sonst nix. Doom selbst ist für die längste Zeit des Films gar nicht anwesend und greift erst in der letzten Viertelstunde an.

Wer hat denn nun Schuld, Trank oder wer auch immer an seiner Vision herumgepfuscht hat? Dass durch die Einmischung Probleme aufgekommen sind, ist nicht zu übersehen. Vieles macht keinen Sinn, vieles passt nicht zueinander, und Kate Mara hat in manchen Szenen sogar eine fake aussehende Perücke auf, weil sie zu dem Zeitpunkt längst kürzere Haare hatte. Wäre Tranks Original besser gewesen? Werden wir vielleicht nie erfahren, aber: Chronicle war gut, es sind interessante Ansätze im Film zu sehen und viel schlechter hätte es nun wirklich nicht werden können.

Fazit:

Der Anti-Guardians of the Galaxy. „Ich mag die Schauspieler, also, in anderen Sachen“ ist wohl das einzig Positive, was man über diesen Film sagen kann. Ein todernster, aber auch todlangweiliger Superheldenfilm mit unsympathischen Figuren, kaum nennenswerter Action und einem Schwermut, der nie respektabel dramatisiert wird. Die beste Fantastic Four Verfilmung bleibt dann wohl Pixars inoffizielle: Die Unglaublichen.

2 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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