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Kritik:
Faster


von Christian Mester

FASTER (2011)
Regie: George Tilman Junior
Darsteller: The Rock, Billy Bob Thornton

Story:
Ein Mann (The Rock) wird nach langer Haftzeit aus dem Gefängnis entlassen, besorgt sich eine Pistole und macht sich daran, mehrere Männer aufzuzusuchen und sie eiskalt zu beseitigen. Für ihn ist es ein persönlicher Rachefeldzug, denn nach einem schief gelaufenen Überfall musste er damals vor seiner Inhaftierung mit ansehen, wie kaltblütige Gangster seinen Bruder ermordeten. Während der Mann gnadenlos einen Schuldigen nach dem anderen ausknipst, versucht ein Polizist mit Drogenproblemen (Billy Bob Thornton), den zielstrebigen Mörder dingfest zu machen. Der dritte im Bunde ist ein ehemaliger Computerhacker, der sich eines Tages als Attentäter selbstständig gemacht hat und nun dafür engagiert wird, den rachsüchtigen Ex-Sträfling aufzuhalten..

Kritik:
The Rock begann seine Filmkarriere 2001 halb Mensch, halb Skorpion im zweiten Teil des Remakes von "Die Mumie" und blieb den Leuten dabei so gut im Gedächtnis, dass man ihm schon ein Jahr später einen Solofilm spendierte. Der Startschuss einer Kinokarriere, die Johnson, der heute hauptsächlich mit seinem alten Wrestling-Nickname angesprochen wird, obwohl er lieber "nur" Dwayne Johnson wäre, zunächst mit Actionfilmen wie "Welcome to the Jungle" und "Walking Tall" ausbaute. 2005 wechselte er erstmals das Genre und stürzte sich mit Erfolg in Dramen ("Spiel auf Bewährung"), Komödien ("Get Smart") – und wie sein Vorgänger Hulk Hogan - in mehrere alberne Kinderfilme (u.a. "Daddy ohne Plan", "Die Jagd zum Hexenberg"). Mit Erstaunen stellte er dabei fest, dass diese wesentlich ergiebiger liefern als seine vorherigen Filme. "Zahnfee auf Bewährung" beispielsweise lockte gleich doppelt so viele Zuschauer wie seine bleilastige Monsterhatz in "Doom – Der Film". 

Nachdem er nun seit sechs Jahren lang keinen ernstzunehmenden Actionfilm mehr gemacht und sich auf seinen familienfreundlichen Titeln ausruhen konnte, gibt es 2011 gleich doppelte Rückkehr zu seinen Wurzeln. Im kommenden Sommer spielt er einen Polizisten in "Fast & Furious Five", dem fünften Teil der beliebten Auto-Filme mit Vin Diesel. Zuvor ist er jetzt jedoch noch in "Faster" zu sehen, der trotz des ähnlich klingenden Titels nichts mit den illegalen Straßenrennen zu tun hat. "Faster" ist ein knallharter Actioner alter Schule, der in erster Linie an kompromisslose Rachefilme der 70er erinnert.

The Rock ist eine imposante Gestalt – knapp zwei Meter groß und muskelbepackt, ist er eine Erscheinung, die man sich lieber nicht zum Feind macht. Interessant müsste es demnach eigentlich sein, ihn im Film als unaufhaltsame Ein-Mann-Armee im Schatten des "Punishers" zu sehen, die mit hoch gekrempelten Ärmeln in der hiesigen Unterwelt aufräumt. Trotz des vielversprechenden Themas, der ansprechenden Trailer und Poster ist "Faster" jedoch nicht das geworden, als was es beworben wird - ein aufregender Actionfilm. The Rocks Rachefeldzug wird durch gleich drei Aspekte madig macht: Zum einen wäre da der Punkt, dass seine Hauptrolle eintönig bleibt. Zu Anfang wird ihm nicht einmal ein Name gegeben und bis auf die Info, dass er früher einmal kriminell war und den Mord an seinem Bruder mit erleben musste und deswegen seit zehn Jahren leicht agitiert ist, folgt keine Charakterisierung.
Er ist ein stoischer, wortkarger Killer, der ohne größere Faxen von A nach B geht und sich kein Stück verändert. Das macht es auf Dauer schwierig, sich auf seine Seite zu schlagen, zumal er toternst bleibt und auch keine deftigen Oneliner parat hält. Zum anderen ist George Tillman Juniors Actionfilm trotz des Dramatik versprechenden Titels alles andere als schnell, actionreich oder atemberaubend. Die Action ist gar auf ein Minimum reduziert – in der Regel tritt The Rock eine Tür ein, stapft geradewegs zu seinem nichts ahnenden Opfer und pustet es ins Jenseits. Es fehlen Schusswechsel, Handgemenge und ausgedehnte Actionszehen, die das Ableben der Gegner spannend machen würden; so wirkt es, als fehle etwas. Zu Ende hin gibt es eine kleine Verfolgungsjagd, doch trotz einer letzten, leicht westernlastigen Gegenüberstellung fehlt es an einem packenden Showdown. Action ist fraglos kein Aspekt, mit dem "Faster" - der eigentlich besser "Slower" heißen sollte - werbend hausieren gehen könnte. Wer sich hauptsächlich für den charismatischen Ex-Wrestler ins Kino begibt, wird enttäuscht sein, wie wenig dieser zu sehen ist. Zwei Drittel des Films gehören den anderen beiden Figuren des Polizisten und Killers, die jeweils eine ausgedehnte Nebenhandlung bestreiten. Während die des konfliktbehafteten Gesetzeshüters noch halbwegs interessant bleibt, da der hervorragende Billy Bob Thornton auf Carla Gugino trifft und versucht, Job, Drogen und Familienleben irgendwie jongliert zu bekommen, ist die Handlung des angesetzten Killers äußerst schwach. Im Mittelpunkt steht der talentlose Oliver Jackson-Cohen, der sich mehrmals mit Maggie Grace (die Entführte aus "96 Hours") über eine unglaubwürdige Romanze unterhalten darf, die die ähnlichen Momente in den "Fast & Furious" Filmen nach "Notting Hill" aussehen lassen. 

Das Problem beider Figuren ist nicht nur, dass sie zum Teil schwach gespielt sind, sie haben keine große Bedeutung für die eigentliche Hauptfigur The Rocks. Der Attentäter entpuppt sich als relativ inkompetenter Vertreter seines Fachs, der dem Mann zu keinem Zeitpunkt eine ernsthafte Gefahr darstellt. Der Polizist hingegen schafft es nicht einmal, den Verdächtigen zu finden, der am hellichten Tage vor zahlreichen Zeugen in Krankenhäuser und Büros marschiert und dabei nichts unternimmt, um unerkannt zu bleiben. Gegen Ende versucht der Film abschließend noch, die Schicksale der drei Figuren miteinander zu verknüpfen und es mit einer überraschenden Wende enden zu lassen. Das führt jedoch nicht weit, da der Twist nur mäßig überraschend ist und kaum Gewicht hat, da sich drei relativ uncharismatische Figuren gegenüberstehen und es schwer fällt, innerlich für irgendeinen von ihnen zu sein (Kurzauftritte von Jennifer Carpenter aus "Dexter", Tom Berenger, Mike Epps und Adewalle Aknnuoye-Agbaje helfen nicht). Faster wirkt filmtechnisch, als habe Regisseur George Tillman Junior versucht, klassische Actiontitel wie "Bullitt" und "Dirty Harry" mit modernen Streifen wie "Death Sentence" und "The Punisher" zu verknüpfen.
Es klappt jedoch nicht, da er vergisst, jenes Element eines Harry Calahan miteinzubauen, das Figuren wie seine und ihre Actionerlebnisse erst interessant machten: markante Charakterzüge. The Rock mag im Film so kalt und unnahbar sein wie es Harry oftmals ist, nur ist dieser zusätzlich zynisch - und dadurch sympathisch. Will man kein lustiges Element, so muss ein emotionaler Kern her; in "The Punisher" (2004) und auch in "Death Sentence" (2007) spürt man den Schmerz, den die Figuren durchleben. The Rock ist in seinem Film kühl und stumpf, da er sein Leiden bereits vor zehn Jahren verarbeiten konnte und er seit seiner Inhaftierung nur noch Vergeltung abarbeiten will. Was bleibt, ist ein abgestumpftes Selbstjustizwerk, das in großen Teilen an die fragwürdigen "Death Wish: Ein Mann sieht Rot" Filme Charles Bronsons erinnert, in denen der schnauzbärtige Mann ebenso bewegungslos durch Gassen zog und mögliches Gesindel ohne größere Nachragen über den Haufen schoss, ohne dass es merklich Spaß machen, Spannung erzeugen oder emotional bewegen sollte. Das ähnliche Roadmovie "Drive Angry" mag zuletzt teilweise zu überdreht und trashig gewesen sein, bietet aber spürbar mehr Spaß, Puls und bessere Action als dieser.

Fazit:
Faster, Pussycat, Kill, Kill!? Vonwegen. Während das eine Filmdrittel The Rocks zu stumpf abläuft und es an Spannung, Action, Anspruch, oder alternativ Humor fehlt, ist der Rest schwach gespielt und schlicht langweilig. Ein Desaster, in dem lediglich die Tatsache interessant ist, dass The Rock nach langer Zeit endlich wieder zu einer Waffe greift. Hätte er diese mal besser liegen lassen.

3 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

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