BG Kritik:

Fast & Furious 7


Hat BG vor 10 Jahren gegründet und seither eine Menge neuer Filme gesehen. War als Redakteur für GameStar und Gameswelt tätig.

Furious 7 (US 2015)
Regisseur: James Wan
Cast: Vin Diesel, Paul Walker, Jason Statham, Tony Jaa, Michelle Rodriguez

Story: Deckard Shaw, der Bruder des Bösewichts aus dem letzten Teil, schwört Rache. Nach ersten, mitunter tödlichen Vergeltungsmaßnahmen Shaws erhält Dom kurz darauf Besuch von dem geheimnisvollen Geheimagenten Mr. Nobody, der ihnen vermeintlich helfen will. Dafür bedarf es jedoch zunächst zweier spektakulärer Einsätze im Kaukasus-Gebirge und in Abu Dhabi. Also Dodge und Skyline betankt und rückwärts aus einem Flugzeug...

Der erste Fast & Furious, der über eine Milliarde Dollar einspielen wird. Bro.

Diesel hat bereits Pläne für Fast 8 und 9


Es ist nach wie vor unglaublich zu erwarten, dass die Nischen-Actionreihe über die Tuning-Boliden-Szene zum Alpha werden konnte. Fast Five fuhr sich bereits in ein weitaus größeres Publikumsinteresse als seine Vorgänger, doch wie Teil 6 wird nun auch Teil 7 erneut gewaltige, vor allem neue Zuschauerscharen für sich gewinnen. Wie sich der plötzliche Boom von Teilen 5, 6 und 7 einer Reihe erklären lässt? Die ersten vier Fast & Furious Filme waren allesamt solide Thriller bzw. Fun-Actioner, aber da sie sich primär um Halbstarkenfantasien drehte, in denen bunte Pimp my Ride Autos mit Decals, Spoilern und 5000 Watt Bass-Machines, Frauen in knappen Fummeln und ultimative Überlegenheit durch Überholen den Ton angaben, blieb die Minivan-Fraktion eher außen vor. Sowie jede andere, die bei den starken Mackersprüchen Vin Diesels nicht unbedingt Respekt empfanden, sondern stattdessen mit dem Kopf schütteln mussten. Vielleicht der awesomste Mechaniker seiner Garage, aber sich mit ihm über irgendwas anderes als Reifenprofile unterhalten? Abenteuer von ihm sehen?

Doch Fast Five legte dann einen ganz anderen Gang ein. Die Karosserie wurde ausgetauscht, das Innenleben behalten. Man könnte fast sagen: Neues Modell. Originalteile. Der erste Film fing damals mit einer spektakulären Überfallsaktion mit Autos (und damit verbundenen Autostunts) an – und genau das raste nun über die Viertelmeilen des Scripts. Und wie! Fast Five hatte so großartige Actionszenen, dass selbst versierte Oldschool-Fans entschieden zugeben mussten, dass der Film (zumindest in diesen umfangreichen Momenten) außerordentlich unterhaltsam war. Der bisher unterhaltsame Cast wurde neu ausgespielt, um den irre charismatischen Dwayne Johnson erweitert und die Dialoge untereinander reichlich überarbeitet. Weniger taffe Worte, weniger Bro-Speak, dafür gezielt witzigere Momente und jede Menge käsiger Pathos, geht es um Dom’s Lieblingsthema Familie. Jedes Mal wenn der charismatische Kahlkopf auf Familie anstößt und seine Grillweisheiten zum besten gibt, muss man einfach schmunzeln. Nicht weil man über ihn lacht, oder mit ihm. Irgendwas dazwischen, mit ehrlichen Sympathien.

Der Film verabschiedet sich würdevoll und ergreifend von Paul Walker


Fast Sieben macht im Großen und Ganzen genau so weiter. Wieder macht sich die Familie auf, Mission: Impossible artige Spektakelaktionen zu unternehmen und erneut sind diese abwechslungsreich, einfallsreich und mit reinstem Unterhaltungsprofil bereift. In den Vereinigten Arabischen Emiraten wird ein Millionen Euro teures Supercar auf kreative Weise aus einem Hochhaus geklaut, in Aserbaidschan wird ein GI Joe Bus zunächst mit Autos von der Luft aus erreicht, dann in die Zange genommen, und in Los Angeles rast man durch einstürzende Parkhäuser, entkommt Kampfhubschraubern mit Oscar nominierten Schauspielern drin und nimmt es mit ferngesteuerten Dronen auf. Fast alles wird mit Hilfe von Autos unternommen oder gelöst, was natürlich selbstredend zu abgefahrener Actionfantasie wird. Die meisten Stunts sind schlichtweg unmöglich und widersprechen jeglichen physikalischen Gesetzen. Leute überleben unmögliche Crashs und Frontalzusammenstöße, und manche Aktionen sind gar so unmöglich getimed, dass jeder Realismusversessene dringend Ölwechsel brauchen wird. Wer von den Bonds nur die Daniel Craig Filme akzeptieren kann und bei McClane vs Harrier Senkrechtstarter alles andere als Yippie Kayee sagen konnte, ist hier so fehl am Platz wie Stirb Langsam 5 in dessen Franchise. Fast Five und Six hatten schon übertriebene Szenen, doch Seven schaltet in den siebten Gang: Dom und seine Crew sind jetzt Superhelden, genau so unbesiegbar und übermenschlich begabt wie die Avengers. Ernsthaft, nach dem Film traut man dem Team sogar zu, gegen Ultron antreten zu können. Die großen Actionszenen aus den letzten beiden Stirb Langsams werden doppelt überboten (allerdings: kompetenter).

Wer solch blümerant abgefahrene Action hingegen mag, kommt deftig auf seine Kosten – wenn auch mit Abstrichen. Die Grenzen des Unmöglichen zu überschreiten ist nicht leicht auszuloten. Was in einen Moment noch grenzwertig, aber irre unterhaltsam sein kann, ist bei zu großem Schraubenschlüsseleinsatz plötzlich albern. Treffendes Beispiel: Indiana Jones 4. Indy eine Atombombenexplosion in einem Kühlschrank überleben zu lassen? Hart am Limit, aber noch gerade so im Rahmen des Unterhaltsamen. Indy Junior jedoch mit Affen an Lianen durch den Dschungel hangeln zu sehen? Das war zu viel des Guten. Das war albern, das entkräftigte die Story, wirkte, als persiflierten, spotteten die Macher über sich selbst und damit auch über ihre Zuschauer. Fast 7 ist kein Kristallschädel (obwohl natürlich Erinnerungen an das Königreich von Kristallnorbert aufkommen)(Insider), hat aber Kristallschädelmomente. Manches ist zu viel, und es fällt auf, dass die finale Actionsequenz (durchaus sehr unterhaltsam ist und u.a. großartige Duelle zwischen Statham und Diesel, mit choraler Musik a la Matrix Revolutions, jaha, aufweist) merklich chaotischer und schwächer ist als die beiden in der Mitte. Da es wieder die gleiche Crew ist, bringen sie recht viel ähnliches mit, aber dieses Mal will einiges nicht so gut funktionieren wie bei den letzten beiden Teilen. Tyrese bekommt wieder lustige Dussel-Szenen, doch er wirkt leider hin und wieder forciert. Als schreibe das Drehbuch „Default Tyrese Spruch“ vor, ohne dass es jemand getestet hätte. Diesel darf als Alpha wieder große Weisheiten raushauen und überzeugt in all seinen Actionmomenten, doch was sich Teil 7 ein wenig vom schwachen Teil 4 abschaut, sind kurze ernst gemeinte Momente mit Michelle Rodriguez, die keinerlei echte Romantik haben. Rodriguez selbst ist toll als Powerfrau und darf richtig Spaß damit haben, nach der einen MMA Königin Gina Carano auch noch die andere, Ronda Rousey zu vermöbeln. Ludacris rückt als Hacker der Truppe in den Hintergrund, da sie eine zusätzliche Hackerin bekommen, und bekommt eine komische Nahkampfszene, die den Hacker, Rennbetreiber, Afro- und Elektronikspezialisten mal eben auch noch beiläufig zum noch superen Supertypen macht.

The Rock ist wieder mal steinstark als felsiger Berg von Mann, der mit seinen riesigen Armen kaum geradeaus laufen kann. Er ist zwar völlig einsilbig und spricht so phrasig wie He-Man in seiner alten Zeichentrickserie (es wäre nicht überraschend, würde er nach dem Film dazu ermahnen, sich regelmäßig brav die Zähne zu putzen), macht aber in jeder seiner wenigen Szenen Spaß. Vor allem, wenn der Bad Guy Jason Statham mit einem Rock Bottom durch einen Tisch bretzeln darf. Statham ist der Mofo vom Dienst. Er hat nicht viele, aber stets tolle Szenen, in denen er seine larger-than-life Actionpersona voll zur Schau bringen kann. Der großartige Tony Jaa aus thailändischen Knochenbrechern wie Ong Bak oder Revenge of the Warrior gibt endlich nach Jahren seinen Hollywood-Einstand und darf als Henchman mehrfach mit Knien und Ellbogen gegen Paul Walker arbeiten. Er macht großen Spaß und wird hoffentlich demnächst noch in anderen größeren Filmen zu sehen sein. Die Bösen rundet Djimon Hounsou ab, der aber bloß darauf reduziert wird, cool auszusehen und sich laufend lauthals zu wundern, wieso diese verdammten Furiosen nie draufgehen wollen. Kurt Russell ist leider nicht gut als Auftraggeber, da er eigentlich nur dafür da ist, in jeder seiner Szenen Product Placement Werbung zu machen. Obwohl Sung Kang und Gal Gadot in den Opening Credits stehen, tauchen die beiden nur auf Fotos auf. Mit dabei, aber kaum gebraucht ist Jordana Brewster als Dominics Schwester, die dieses Mal bloß Kinder hüten und dramatisch telefonieren darf.

Und über allem hängt natürlich der tragische Tod Paul Walkers. Fraglich war von Anfang an, wie viel er letztlich im Film sein würde, da er inmitten der Dreharbeiten tödlich verunglückt war. Es war klar, dass er drin sein würde und dass es sein letzter Auftritt in der Reihe wäre, aber wie ihn verabschieden? Das sei hier natürlich nicht verraten, aber gesagt sei, dass Walker reichlich vorkommt und Unmengen an Actionszenen bekommt. Er hat zwar wenig Dialoge und wirkt im Vergleich zu allen vorherigen Teilen auffällig still und ernst, aber störend ist das nicht. Dass seine offenen Szenen posthum von seinen Brüdern mit CGI-Überlagerung seines Gesichts gespielt wurden, ist nur selten überhaupt erkennbar, und nur, wenn man genauestens hinschaut. Und selbst dann ist unklar, ob es eine konstruierte Szene ist oder ob man alte, ungenutzte Szenen des echten verwendet hat. Das ist also wirklich gelungen. Der finale Abschied ist dann sehr rührend umgesetzt. Mag man die Reihe und Dom’s gewöhnungsbedürftige Familie seit dem ersten Teil, darf man schon mal einen Kloß im Hals haben, zumal die Kommentare der anderen Figuren meta-haft auch für die Realität sprechen. Dass mit Saw-Regisseur James Wan ein neuer Mann hinter dem Steuer ist, macht sich nur durch Kleinigkeiten bemerkbar. In einigen Kampfszenen nutzt Wan eine sehr prägnante Drehbewegung, aber ansonsten ist der Film optisch, schauspielerisch als auch von der Musikwahl her identisch zu Fast Five und 6, zusammenpassender noch als Justin Lins völlig verschiedenen Teile 3, 4 und 5. Was die Continuity betrifft, erinnert 7 an viele vorangegangene Sachen. Dominic’s Kreuz, das er schon seit dem ersten Film trägt und bereits durch mehrere Hände gewandert ist, spielt eine Rolle. Es gibt ein Wiedersehen mit seinem erneut reparierten Dodge Charger, mit Race Wars, Brian kriegt einen neuen blauen Nissan Skyline, die Tokyo Drifter Lucas Black und Bow Wow kriegen ihre ersten neuen Szenen seit Teil 3, Hector aus Teil 1 ist wieder mit dabei, an Han, Gisele und den letzten Bösewicht Owen Shaw wird erinnert, und sogar Dom’s Mechanikerhemd mit aufgenähtem „Toretto“ kehrt zurück.

Fazit:

Die Fasts 5 und 6 waren Unterhaltung bis zum Anschlag, mit mitreißendem Spaß und übertriebenen, aber großartigen Actionszenen. Fast 7 ist in weiten Teilen das gleiche und hat sogar noch unglaublicherere Momente, ist aber mitunter ein wenig zu shialabeufig und im letzten Akt dann doch ein wenig aus der Puste. Mag man die letzten beiden Teile, kommt man um diesen tollen siebten nicht herum, aber wir sind sicher alle zusammen der Meinung, dass er trotz spektakulärerer Momente und Pauls Abschied insgesamt etwas schwächer ist.

8 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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