BG Kritik:

Fast & Furious 8


Ein B-Movie Freund, der seit einigen Jahren in Köln heimisch ist und dort erfolgreich Design studiert hat. Seitdem schiebt er u.a. Pixel hin und her.

Fast Eight - A Furious Story (US 2017)
Regisseur: F Gary Gray
Cast: Vin Diesel, Dwayne Johnson, Michelle Rodríguez, Jason Statham, Charlize Theron

Story: Dominic Toretto (Vin Diesel) hat seine Familie verraten und sich mit der Hackerin Cipher (Charlize Theron) verbündet. Nun müssen Agent Hobbs (Dwayne Johnson) und der Rest von Doms Familie dem Abtrünnigen den Gashahn zudrehen.

Mit Fast 8 beginnt das große dreiteilige Finale der epischen Reihe.

Angeblich stritten sich Vin Diesel und The Rock hinter den Kulissen...


Vin Diesel, Dwayne Johnson, Michelle Rodríguez, Jason Statham, Kurt Russell, Tyrese Gibson... dazu als Neueinsteiger Charlize Theron, Helen Mirren und Scott Eastwood. Wie groß die als Gefährliche Brandung mit Autos gestartete Reihe derzeit ist, erkennt man u.a. an den mittlerweile involvierten, teilweise immens großen Namen. Dazu ein eineinhalb Milliarden Einspiel, allein beim letzten Teil. Fast & Furios ist immens, und wohl das Franchise überhaupt für Universal Pictures. Nun braust der mittlerweile achte Teil der Erfolgsgeschichte in die Kinos. Wird man nochmals eine Schippe drauf legen, oder geht es zurück zu den Wurzeln der Serie?

Die digitale Terroristin und neue Fast & Furious Antagonistin Cipher hat es irgendwie geschafft, Dominic Toretto von seiner Familie zu entzweien und auf ihre Seite zu ziehen. „Die Familie wird zerbrechen“ titelt das deutsche Poster zum achten Teil der mittlerweile im Club der Milliarden-Blockbuster mitspielenden Reihe. Oh nein, nicht doch die Familie! Nicht der Klebstoff, der laut Vin Diesels Dominic Toretto alles zusammen hält und über die nichts drüber geht. Bevor es dazu kommt, startet Fast & Furious 8 aber zunächst auf Kuba, – und wurde als erster Film nach den aufgetauten Beziehungen zwischen den USA und Kuba auch tatsächlich dort gedreht – wohin sich Dom nach der Verabschiedung von Brian und Mia zusammen mit Letty (Michelle Rodriguez) in die gemeinsamen Flitterwochen zurückgezogen hat. Der von Fast & Furious-Debütant F. Gary Gray (The Italian Job – Jagd auf Millionen, Straight Outta Compton) inszenierte, aktuelle Teil besinnt sich hier und zu Beginn seiner auf satte zwei Stunden und sechzehn Minuten angesetzten Laufzeit zunächst auf die Wurzeln der Serie, als es noch darum ging, in einem 10-Sekunden Auto die Straße herunter zu brettern. Allerdings nur kurz, denn dem überzogenen Irrsinn – wie dem von Hochhaus zu Hochhaus mit einem Auto „fliegen“ im Vorgänger – kann und will Fast & Furious 8 offenkundig auch hier nicht entkommen. Die fließende Grenze zu Selbstparodie bereits spätestens mit Teil 6 überquert, flimmert ein Straßenrennen über die malerischen Straßen Havanas - selbstredend umzingelt von Heerscharen von wunderschönen Kubanerinnen in Hot Pants – über die Leinwände, an dessen Ende man entweder die Hände über dem Kopf zusammen schlagen, oder spontanen Applaus und Verbeugungen offerieren möchte. Ja, vielleicht gar beides. Denn realistischer oder gar kleiner, nein, die Richtung kennt die Fast & Furious-Reihe aktuell zumindest noch nicht. So gar nicht.

Nach Fast 8 sind noch mindestens zwei weitere Teile fest geplant


Einige Minuten der Laufzeit, einen Handlungsort und Verrat an der Familie später, bittet Mr. Nobody (Kurt Russell) die Reste der Familie um Letty, Hobbs, Roman,Tej und Co. wieder an die Startlinie vorzufahren, und das abtrünnige Familienoberhaupt zu kassieren. Interessanter- und überraschenderweise erscheint der Grund für den Seitenwechsel von Vin Diesels Dom - aus dem Blickwinkel der Weltanschauung Torettos betrachtet - hier gar erstaunlich plausibel und sinnig. Die Umsetzung... nun ja. Nicht was die Regie von F. Gary Gray angeht. Die reiht sich harmonisch in das Gesamtbild ein und vermittelt dabei gar einen Hauch von mehr Eigenständigkeit, als sie zuletzt James Wan in Fast 7 hinzuzufügen vermochte. Es bleibt aber klar der von Justin Lin (Teil 3 bis 6) eingeschlagene Kurs, nur konsequenterweise noch größer, noch lauter, irrsinniger und so weiter. Wie wenn Dwayne Johnson den noch immer in ihm schlummernden inneren Wrestler The Rock in sich auspackt, und mit einem Tritt gleich drei mit schweren Körperpanzern ausgestattete Gegner, einmal quer durch den Raum kickt. Völlig überzogen. Daneben gibt es unzählige Autostunts, Massenkarambolagen, Schießereien und noch viel, viel mehr. Und das alles nur, weil Charlize Theron die Familie ja unbedingt entzweien musste. Dabei vermag Theron als ebenso hübsche wie böse Gegenspielerin zwar durchaus Spannung und ein Gefühl von Bedrohung zu generieren, tut dies aber zumeist auf die immer gleiche Art und von der Standartposition in ihrer Homebase. Und ja, das führt schnell zu Ermüdungserscheinungen, wenn sie zum gefühlt 63. Mal in die Tasten haut, hackt, Bildschirme beobachtet und multitaskingfähig auch noch böse guckend, Befehle brüllt. Anders die Action, welcher es erstaunlicherweise gelingt, aufkommende Ermüdungserscheinungen meist und fast unmittelbar mittels eines Faustschlages, herabstürzender Autos oder wahlweise auch einer fetten Explosion oder eines humorvollen One-Liners, zu erschlagen.

Fast 8 hat hierbei immer einen Gang eingelegt, Leerlauf oder gar den Motor mal kurz zum Abkühlen ganz ausschalten, kommt nicht in Frage. Stattdessen wird sich mal kurz dem Humor (sehr stark ausgeprägt) oder der Familiendynamik (nicht besonders ausgeprägt) gewidmet, wodurch Übersättigungs- oder Ermüdungserscheinungen zumeist sauber umkurvt werden.

Fast 8 ist dabei ein Film geworden, der genüsslich seiner eigenen Absurdität frönt, nur um darauf folgend - und ohne den Fuß vom Gaspedal zu erheben - einen Gang höher ins Getriebe rammt, um dann auch noch lachend, das Lachgasventil aufzudrehen. Auf Synchron- und Kolbenringe wird hier ebenso wenig Rücksicht genommen wie auf die Physik, welche hier wie Logiklöcher und aufgesetzt wirkende Verknüpfungen zu früheren Teilen der Reihe, mal eben und gnadenlos mit mindestens 280 km/h überfahren oder schlicht links liegen gelassen werden. Das alles sind nicht mehr als Nichtigkeiten und Kollateralschäden, im Alltag zur Rettung der Welt. Wer das noch ernst nimmt, ist wohl tatsächlich selber schuld. Die oft comichaft überzogene Action ist derart rasant – dabei aber übersichtlich - eingefangen, da kommt das Gehirn nebenbei eh nicht mehr zum mitdenken. Beinahe zumindest, aber man sollte seine grauen Zellen eben nicht gerade dazu ermuntern, das Geschehen zu hinterfragen. Zurücklehnen, Kopf ausschalten und die volle Dröhnung des explosiven Treibstoffgemisches aus Testosteron und Benzin aufsaugen, während auf der Leinwand die Lutzi abgeht. Manches davon, ja, manches hat man so wohl tatsächlich noch nie auf der Leinwand gesehen, und wird sicherlich seine Nachahmer finden. Die Computer generierten Effekte sind dabei ab und an zwar als solche ersichtlich, aber nie wirklich schlecht und zumeist technisch absolut im oberen Blockbuster-Bereich einzusortieren. Musikalisch ist man der Reihe treu bleibend, mit Brian Tyler (Fast & Furious 7, xXx: Die Rückkehr des Xander Cage) aber mal wieder eher unauffällig unterwegs. Nicht schlecht, aber eben völlig beliebig und ohne auch nur eine prägnante Note zu platzieren. Dafür stimmen aber Action, Humor und auch die Chemie unter den Darstellern weiß weiter zu gefallen.

Nur wenn man riesigen, CGI geschwängerten Blockbuster mit einer gehörigen Portion (Selbst)Ironie, einem globalen Ausmaß, annähernd 15.000 Pferdestärken und vor Testosteron beinahe platzenden Arterien und Venen nichts abgewinnen kann, ist Fast 8 mal wieder die völlig falsche Wahl für den Kinoabend. Mag man aber diese Macho-Sprüche Attitüde um die erweiterte Familie Toretto, mit all ihrer Überzogenheit gerade deswegen, spricht hier nicht viel dagegen sein eigenes 10-Sekunden Auto zu satteln, und zum nächstgelegenen Lichtspielhaus zu gondeln. Denn F. Gary Grays Fast & Furious 8 ist die aktuell schnellste, verrückteste Achterbahnfahrt im Park, voller Loopings und weiterer Überkopf-Action, geht es wild hin und her, ohne zu überstrapazieren. Der beste Teil seit Fast Five und damit zugleich der zweitbeste Teil der gesamten Serie.

Fazit:

Auch der achte Teil der Reihe tritt das Gaspedal zunächst und direkt bis zum Bodenblech, nur um es spätestens im die Leinwand sprengenden Finale, bis weit jenseits davon zu verfrachten und dort bis zum Abspann zu verkeilen. Im Falle von Fast 8 ist höher, schneller, weiter, abgedrehter, lustiger, auch tatsächlich sogar noch unterhaltsamer als zuvor. Gigantomanie der Extraklasse und mit 8000 Umdrehungen pro Minute.

8 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

Dir gefällt BG? Unterstütz uns mit einem Klick auf

> Lies alle Meinungen zum Film! (226)

bereitsgesehen.de - Lass uns über Filme sprechen! - Home - Kritiken - Community - Specials - Impressum
Copyright 2017 bereitsgesehen.de, alle Rechte vorbehalten
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websites verantwortlich