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Kritik:
F.3.A.R.


von Christian Mester

F.3.A.R. (2011)
Studio: Day 1 Studio

Intro & Handlung:
Als der Shooter "F.E.A.R." (Abkürzung für First Encounter Assault Recon - übersetzt etwa Erstschlagsaufklärung) 2005 auf den Markt kam, lobten ihn die meisten Spielemagazine für seine ausgewogene Mischung aus gewöhnlichem Korridor-Shooter und effektvollen Horrortitel. Storytechnisch ging es um eine Sondereinheit mit jenem Akronym, die einen Terroristen namens Fettel suchte. Fettel befreite den Geist seiner Mutter Alma aus einer unterirdischen Bunkeranlage, nachdem diese nach schrecklichen Experimenten gestorben war. Mit ihrer Befreiung drohte das Ende der Welt, denn Mama besaß die Fähigkeit, Horror in Realität zu manifestieren. Als Spieler lernte man, dass der Held Point Man wie Fettel ein Kind Almas war und man sich nun entscheiden müsse, auf welcher Seite man stehen wolle. Point Man erschoss seinen Bruder.

Nachdem man im zweiten Teil "F.E.A.R. 2: Project Origin" einen kleinen Nebenplot spielte, in dem Almas Seele von einem Soldaten schwanger wurde, geht es im dritten Teil wieder mit den beiden Brüdern weiter. Während der Point Man versucht, was auch immer da geboren wird aufzuhalten, begleitet ihn sein zynischer Bruder in Spektralform. Als Horrorfanfilm ist "F.E.A.R. 3" nun gerade interessant, da zwei bekannte Genre-Namen am Spiel mitgewirkt haben: Regie-Legende John Carpenter ("Halloween", "The Fog", "The Thing") und Comic-Autor Stephen Niles ("30 Days of Night"). Auffällig ist, dass die Handlung ein wenig an Carpenters "Die Mächte des Wahnsinns" erinnert, in dem es ja ebenfalls darum ging, dass ein instabiles Böses dabei ist, unsere Welt mit seinen Mächten zu verändern (der Film wird im Spiel sogar namentlich genannt).

Trotz prominenter Beteiligung merkt man jedoch leider nicht, dass sich die Story verbessert hat. War die Handlung im ersten Teil noch am interessantesten, da am mysteriösesten, fühlt sich "F.E.A.R. 3" wie eine reine Verlängerung an. Fettel, die einzige gut charakterisierte Figur im Spiel, versucht den Point Man unentwegt wie ein Teufel auf der Schulter vom Bösen zu überzeugen, doch der stumpfe, leicht debil wirkende stumme Held lässt keine Sekunde Zweifel aufkommen, dass er seinen Auftrag brav ausführen wird. In vielen Flashbacks wird die Vergangenheit der Brüder gezeigt, doch es gibt keinerlei Spannungsaufbau, keine Wendungen, keine Überraschungen. Die Story ist zwar nicht so schlecht, dass man anfängt, die Zwischensequenzen zu überspringen, lässt aber zu wünschen übrig. Wer die Vorgänger übrigens nicht gespielt hat, hat Pech. Es gibt einen Mini-Rückblick, aber der ist als kurze Erinnerung des Helden so knapp gehalten, dass man als Nichtkenner planlos bleibt, wer Alma ist, wer die beiden Brüder sind, wieso die Welt untergeht und wieso sämtliche Soldaten wie Klone aussehen (weil es Klone sind).

Gameplay:
Wer eines der "F.E.A.R.s" gespielt hat, fühlt sich heimisch, denn das neue Spiel passt ohne Margarine in die Backform der Vorgänger - Neues gibt es nicht. Kennt man den Gruselshooter noch nicht, darf man sich eine Mischung aus Gefechts-Shootern wie "Call of Duty" und "Medal of Honor" und Horrortiteln wie der "Silent Hill" Reihe vorstellen. Die meiste Zeit über kämpft man sich durch verschiedene Locations und trifft auf feindliche Soldaten mit Kampfrobotern und Hubschraubern, die relativ taktisch vorgehen, einen fies einkesseln und somit solide Action bieten. Eingestreut sind Horrorelemente; neben vielen schaurigen Locations mit Leichenbergen, Blut an den Wänden und herrenlosen Körperteilen sieht man immer wieder gespenstische Schemen und Schatten, bis später auch Besessene und Höllenhunde angreifen. Die Steuerung ist äußerst simpel gehalten - neben den Basics Laufen, Schießen, Springen, Knöpfe drücken hat man im ersten Durchlauf noch die übernatürliche Fähigkeit, die Zeit zu verlangsamen. Wie bei "Max Payne" verlangsamt alles für ein paar Sekunden, sodass man in einem Bruchteil gleich mehrere Gegner auf einmal erledigen kann. Jede Mission lässt sich beim zweiten Mal auch noch mit dem Geisterbruder spielen, der andere Fähigkeiten hat: Fettel kann keine Waffen aufnehmen, dafür Gegner levitieren lassen und Energie schießen. Hinzu kommt, dass man im Laufe des Spiels Punkte sammeln und aufsteigen kann, sodass man nach einiger Zeit mehr Munition und längere Machtzeiten bekommt.

Obgleich die Gefechte mit den nicht schlecht agierenden Gegnern durchweg spaßig sind, mangelt es an echten Überraschungen. So ist der Waffenwerkzeugkasten insgesamt langweilig - es gibt nur wenige Waffen und nur Standards: Pistole, Shotgun, MGs, Scharfschützengewehr, Raketenwerfer. Geradezu idiotisch ist ein SWAT-Schild, das unzerstörbar ist und mit dem man etwas Geschick ganze Levelabschnitte zu Klump kloppen kann. Das Zeitlupen-Feature ist 2011 nichts Besonderes mehr, zumal es nicht so originell wie im unterschätzten "Timeshift" eingesetzt wird. Spielerisch ist der Titel enttäuschend interaktionsarm gehalten: es gibt keine Rätsel, keine durchdachten Kletter-Abschnitte und abgesehen von Türen und immer gleich aussehenden Schaltern kann man in der Welt von "F.E.A.R." nichts nutzen - so schwach "Duke Nukem Forever" sein mag, in der Beziehung war er darin definitiv besser. Der einzige größere Wandel vom Shooter-Dasein findet sich in zwei, drei Vehikelpassagen, in denen man kleine und große Kampfroboter steuern kann. Plötzlich springt das Gameplay auf "Mechwarrior" um, latscht man im Stahlkoloss über eine Autobahn und pflückt Helis aus der Luft. Eine amüsante Abwechslung, die jedoch sämtliche, ohnehin nur mittelmäßig gelungene Horroratmosphäre killt, da man sich im tonnenschweren Eisenberg unantastbar fühlt.

Grafik und Sound
"F.E.A.R. 3" wird optisch wohl keine Preise gewinnen, da die eingesetzte Engine nicht einmal ansatzweise mit den aktuellen Toptiteln mithalten kann. Es gibt keine außerordentlich hoch aufgelösten Texturen, keine feinen Details, meistens nur enge, kleine Räume. Dafür kontert der Titel gleich doppelt: vom Design her gehört es zweifellos zu den interessanteren Titeln der letzten Zeit. Abwechslungsreich geht es durch Slums, Warenhäuser, Brücken, Städte, Flughafen, Labore und Kanalisationen, die zuweilen äußerst gelungen ins Horrormilieu übertragen sind. Highlight ist ein Warenhaus mit Fernseher-Kabinett mit rauschenden Bildern, eingebautem Schlachthaus und einstürzenden Regalen, oder ein okkult verwandeltes Familienhaus mit Myriaden von Kerzen, Teddys mit rot leuchtenden Augen und Blutmalereien. Ebenso gelungen ist das Sound Design, denn auch wenn die eigentliche Handlung nicht viel bietet und das Gameplay nur stumpfes Ballern ist, baut "F.E.A.R. 3" oft schummrige Atmosphäre auf - überall knarzt es, hört man Schritte, Flüstern, hilflose Schreie und dämonisches Knurren. Schon für die visuell/auditive Umsetzung des Spiels lohnt es sich also für alle Horrorfans, da es ein schickes Spukhaus ist.

Hierzulande durfte man nun mit Schrecken erfahren, dass "F.E.A.R. 3" in Deutschland nur zensiert erscheint - aber was bedeutet das? Wandert man durch die Korridore des Spiels, will man das gar nicht glauben: überall Blut, Körperteile, Gedärme, in Zwischensequenzen wird im Detail gezeigt, wie einem Soldaten der Hals aufgeschnitten wird. Blättert man nach, was für die Fassung entfernt wurde, klingt es idiotisch: in der unzensierten Fassung spritzt Blut, wenn man auf Gegner schießt, kann ihnen Körperteile abtrennen und sie noch beschießen, liegen sie schon tot am Boden - wo sie dann liegen bleiben. In der dt. gibt es bei Beschuss nur kleine Blutwolken, sämtliche Soldaten lösen sich auf.
Witzlos, bedenkt man, wie viel Mord und Grauen es im restlichen Spiel gibt. Während sich Gegnersoldaten auflösen müssen, liegen indes zahlreiche andere Leichen herum, aus denen man Energie ziehen kann. Witzlos auch, bedenkt man, dass man weiterhin dafür gelobt wird, verschiedene Aktionen wie möglichst viele Kills mit dem Messer zu tätigen. Witzlos, bedenkt man, dass das Spiel ohnehin nur ab 18 Jahren - für ausgewachsene, wahlfähige, Autofahren dürfende Erwachsene - freigegeben ist. Ob die Zensur aber störend auffällt? Nein, dafür gibt es noch genügend Blut im als Horrortitel ausgelegtem Spiel - mit Blümchen und Schmetterlingen kann man so eine Geschichte halt nicht erzählen; es fehlt nicht, dass man Gegner noch nachträglich entgliedern und in Brand stecken kann, doch die Einschnitte wirken sinnlos, überflüssig und insbesondere inkonsequent.

Multiplayer und Spielumfang
"F.E.A.R. 3" bietet zwei größere Spielmodi - zum einen gibt es den üblichen Kladeradatsch an Shooter-Einerlei wie Deathmatch und Co., zum anderen einen amüsanten Koop-Modus, in dem man als Brüderteam durch die Kampagne schleichen darf. Während der typische MP genretypisch solide ist, macht es großen Spaß, gemeinsam nach Alma zu suchen. So kann Fettel Gegner in die Luft heben, damit Point Man sie erledigt. So spaßig das ist, ist es keine Referenz - dafür fehlen ans Team angepasste Level ala "Tomb Raider and the Guardian of Light" oder "Portal 2".

Die Kampagne ist kurz. Im Test waren wir in rund 4-5 Stunden durch, was bedeutend weniger als der eigentliche Zielwert 8 Stunden ist. Die Zeit verlängert sich, geht man noch ein zweites Mal mit Fettel, oder mit einem Freund durch, doch da es das gleiche Spielerlebnis ist und man nichts freischalten kann, hält sich die Wiederspielbarkeit leider in Grenzen.


Fazit:
Das dt. "F.3.A.R" ist trotz gutem Shooter-Gameplay fast mittelmäßig - keine Innovationen, interaktionsarm, kurze Spieldauer und auch noch geschnitten, und dass zwei Geek-Legenden beteiligt sind, merkt man nicht. Dann ist da aber solides Gegnerverhalten, ein amüsanter Koop, teilweise sehr schicke Spielwelten und ein äußerst gelungenes Sound Design, das Stimmung macht. Das Gute überwiegt demnach und macht "F.3.A.R" zu einem lohnenden Titel für Actionfans, die nicht allzu große Erwartungen an den Tag legen.

6,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

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