BG Kritik:

Fifty Shades of Grey


Hat BG vor 10 Jahren gegründet und seither eine Menge neuer Filme gesehen. War als Redakteur für GameStar und Gameswelt tätig.

Fifty Shades of Grey (US 2015)
Regisseur: Sam Taylor-Johnson
Cast: Dakota Johnson, Jamie Dornan

Story: Als sich der junge Geschäftsmann Christian Grey bei einem Interview in die Schülerin Ana verguckt, ist sie anfangs berauscht von seiner Art, seinen teuren Anzügen, Autos und Hubschraubern und überhaupt davon, dass sich jemand wie er in ein Mauerblümchen wie sie verlieben könnte. Dann jedoch lernt sie seine geheime Leidenschaft für Sadismus kennen…

Es wäre ein Kinderspiel gewesen, die sprichwörtliche Peitsche rauszuholen und den Shades Film grün und blau zu schreiben, doch da sind einem die Hände gebunden. Denn er ist fast gut geworden.

Nix mit Harcore: der Film ist softes FSK 16


In den letzten Jahren wurde es verrückte 100 Millionen Mal gelesen: Shades of Grey von EL James, das einst als kosenlose Twilight Fan-Fiction begann und von sämtlichen Schätzern gut geschriebener Geschichten knallhart in der Luft zerrissen wurde. Und das zu recht. Die Bücher sind faktisch schwach geschrieben, ausschweifend pornografisch, haben unmöglich peinliche Szenen (Grey reißt Ana in einer Szene ihren Tampon heraus), fürchterliche Dialoge („Ich schlafe nicht mit Frauen. Ich ficke. Hart.“) und darüber hinaus haben sie Kontroversen ausgelöst. So wird der gewalttätige Misshandlungstrieb Greys heruntergespielt, geduldet und romantisiert. Verfilmt hat den Skandalroman Sam Taylor-Johnson, die Ehefrau von Aaron Taylor-Johnson aus Godzilla und Kick-Ass. Und wie schon gelinde angedroht, ist das überraschend gar nicht mal so schief gegangen.

Was hier gemacht wurde, ist kein liebloses Abkassieren am noch verbliebenen Hype (drei Bücher sind raus, erstmal keine weiteren angekündigt). Man hat sich wirklich mit dem Stoff auseinandergesetzt und Talente drangelassen, die zu retten versuchten, was noch zu retten war. Kelly Marcel schrieb Saving Mr Banks und dann Shades um in etwas, was vorzeigbar ist. Bis auf wenige Aufseufz-Momente wie obiges Zitat, die sicher auf EL James‘ Beharren hin behalten wurden, sind die Charaktere umgeschrieben worden. Vorher war Ana eine unsichere Quasselstrippe mit nervigen inneren Monologen, jetzt eine gewöhnliche, nette junge Frau. Vorher war er ein eiskalter Soziopath mit düsteren Trieben, jetzt ein prinzipiell netter Kerl mit leichtem Fetisch. Als Romanze funktioniert der Film somit überraschend gut. Die Beziehung zwischen beiden wird schön langsam entwickelt und kommt mit merklich weniger Kitsch aus als andere romantisch gedachten Filme. Hier regnets zwar passend zu konfliktreichen Momenten, aber ein schmalziges Liebesbekenntnis oder Klischee-Romcom-Nebencharaktere wie den dicken Nerd, die partyverrückte Freundin oder den bisher besten Freund (und baldigen Traummann) sucht man etwa vergebens.

Es sind interessante Figuren und eine für Romanzen unübliche Konstellation, und das selten genutzte Thema Sadismus wird sogar halbwegs interessant behandelt. Problematisch am Script ist nur, dass nach einer guten ersten Stunde einige merkliche Längen aufkommen. Insgesamt hätte man sicher zwanzig bis dreißig Minuten weglassen können, die nichts Relevantes beinhalten und lediglich auf die Uhr schauen lassen. Womit EL James garantiert nichts mit zu tun hatte, ist die Optik. Sam Taylor-Johnson hat sich den Kameramann von Godzilla, Anna Karenina und We need to talk about Kevin geschnappt und ihn beschauliche Bilder in den Kasten setzen lassen. Der Shades Film ist hervorragend ausgeleuchtet, dekoriert und sehr angenehm inszeniert. Gut gewählt sind auch die Darsteller. Dakota Johnson, Tochter von Don Johnson, ist ausgezeichnet als unerfahrene (aber nicht cartoonhafte Klischee-)Büchermaus und Jamie Dornan immerhin gut als kontrollsüchtiger Milliardär, der es gewohnt ist, alles zu kriegen, dem zur Durchsetzung seiner Dominanz gegenüber Ana jedoch die niederträchtige Herzlosigkeit seiner Romanvorlage fehlt. Was den Film gut antreibt, ist Anas keckes Selbstbewusstsein, Grey nicht willenlos zu Füßen zu liegen.

Dakota Johnson darf man sich merken, die junge Dame kann was


Sicher wird der Film in vielen Schlafzimmern leichte Fesselspieltrends, Bestrafungen und den einen oder anderen versohlten Hintern auslösen, doch die Aussage des Films wird gerade zum Schluss sehr deutlich gemacht: wer fesselt und Gewalt ins Sexleben integriert, der hat einen Schaden und ist zu bedauern. Näher geht der Film nicht darauf ein, was den Sequels vorbelassen sein wird, aber es wird zweifelsohne als negativ dargestellt, als Problem. Das ist sicher nicht die fairste Weise (BDSM bei Google eingeben ergibt 70 Mio Treffer, also ne Menge Interessenten die sicherlich gewiss nicht alle zu bedauern sind). Was im Film an S&M gezeigt wird, ist auch alles andere als bizarre Freakshow. Da werden ein bisschen Hände gefesselt und die Augen verbunden, aber es gibt keine Lack-und-Leder Gimps, keine an Haken von der Decke hängenden Folteropfer. Wer zart besaitet ist kann also beruhigt sein, dass der Film solche Extreme nicht anreißt. Härter als Basic Instinct wird es nicht. Enttäuschen dürfte das eventuell viele, die sich von der Härte des Romans angesprochen gefühlt haben, aber es war ja auch abzusehen, dass eine Verfilmung zensieren würde.

Was ja heimlich JEDEN interessiert: was den Sex betrifft… der Film geht mit seinem Skandalmaterial etwa so um wie es der American Psycho Film mit seiner übertriebenen Gewalt tat. Der Härteregler ist um etwa 75% runtergeschraubt. Dakota Johnson ist oft oben ohne zu sehen, doch um alles andere wird entweder geschickt herumgefilmt oder bloß angedeutet. Auch hier: Basic Instinct ist vermutlich der "heftigere" Erotikfilm. Als französische Produktion wäre der Shades Film womöglich noch sehr viel weiter gegangen, aber die US-Produktion ist wie zu erwarten war relativ keusch geblieben. Es gibt aufregendere Tatort-Episoden, was das betrifft. Für die Romanze, die der Film geworden ist, stört das nicht, im Gegenteil. Man sollte nur nicht neugierig ins Kino rennen, in der Hoffnung, skandalöses Sexzeug zu sehen. Das ist nicht der Fall.

Fazit:

Shades of Grey ist anders als der Roman. Es mag spießig klingen, aber qualitativ ist es eine gute, interessante Romanze, solide gespielt und im Gegensatz zum Buch weder mit drastischer Hardcore-Pornografie, noch mit albern-einsilbigen Witzfiguren gefüllt. Kein neuer Wie ein einziger Tag, aber weit ab von dem unguckbaren Schund, den alle erwartet hatten.

6 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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