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Kritik:
Flight


von Christian Mester

FLIGHT
(2013)
Regie: Robert Zemeckis
Cast: Denzel Washington, John Goodman

Story:
Bei einem vermeintlichen Routineflug stürzt ein Passagierflugzeug aufgrund technischer Mängel ab, wobei es nur ein absurd-tollkühnes Manöver von Pilot Whip (Denzel Washington) ermöglicht, das Ding halbwegs gerade zu Boden zu kriegen und die Todesziffer auf "nur" 6 Opfer zu reduzieren - andererseits wären, wie später nachgewiesen, schlichtweg alle an Bord gestorben. Anschließend kommt es jedoch zu einem langen Prozess, bei dem ein Schuldiger gesucht wird - und Whip hatte während des Fluges Alkohol und Kokain im Blut.. 

Kritik:
Über zehn Jahre ist es her, dass Robert Zemeckis (Roger Rabbit, Zurück in die Zukunft 1-3) einen Realfilm gedreht hat; in der Zwischenzeit hatte er sich in MoCap-Animation verknallt und darin nacheinander die fragwürdigen Der Polarexpress, Die Legende von Beowulf und Eine Weihnachtsgeschichte inszeniert, sowie zudem den grausigen Milo & Mars produziert. 4 Filme, die in ihren Versuchen, Menschen möglichst realitätsnah in CGI-Animation nachzubilden, kläglich versagten, da zumeist verstörten: niemand wollte einen CGI-Tom Hanks haben wenn man doch einen echten haben konnte. Sein letzter echter Film war Cast Away - Verschollen, weswegen es nun interessant ist, dass sein neuer mit Namen Flight ein klein wenig in dieselbe Richtung geht.

Setzte Zemeckis zuvor hauptsächlich auf kunterbunten Familienklamauk, war Cast Away 1999 relativ ernst darin, Tom Hanks' und Wilsons harten Überlebenskampf auf einer einsamen Insel, sowie ihre Bemühungen von dort wieder zurückzukommen darzustellen. Flight ist nun ebenfalls eine Geschichte über einen Mann geworden, der in Isolation lebt und nach einem Flugunglück notdürftig wieder zurück ins Leben finden muss. Musste Hanks dafür nach Fischen tauchen und sich aus Bambus eine Hütte im Dschungel bauen, geht es bei Denzel Washington in diesem Fall allerdings zivilisierter, wenn auch merklich kühler zur Sache, da seine Gefangenschaft eine psychische ist - Flight ist in erster Linie ein Film über einen fälschlich stolzen Abhängigen, der sich seiner Sucht bewusst werden muss. Der Flugzeugabsturz, eine spätere Lovestory, der Prozess? Alles nur Beiwerk. 

Denzel Washington ist einer der besten seines Fachs, und so ist es kein Wunder, dass er die schwierige Figur des uneinsichtigen Whip mit Bravour spielt. Nach außen ihn macht er ihn zum charismatischen Aviator, den die Frauen lieben und die Männer beneiden, doch hinter verschlossenen Türen bröckelt die Fassade und er wird zum Opfer seiner eigenen Süchte, der sich peinlich über Kurze hermacht und immerzu Betäubung verlangt, weil er ohne nicht funktionieren kann. Der sich selbst einredet, er sei eine so angeknackste Seele, dass er das bräuchte; der anderen Gegenüber eine Größe vorspielt, über die er nicht verfügt, der von allen um ihn herum am meisten sich selbst belügt. Der Film lässt Whip so machen, bis er sich eines Tages nicht mehr länger rausreden kann und sich selbst konfrontieren muss.

Zemeckis inszeniert die Geschichte nicht als bitteren Sturz die Treppe hinunter ala Leaving Las Vegas, doch es bleibt trotz seltener Auflockerungen ein durchaus unterkühltes Drama, das sich ernst nimmt. Glücklicherweise lehnt sich Zemeckis dafür nicht zu sehr auf Melodramatik oder falschen Kitsch und bietet Whip keinen leichten Weg aus der Patsche. Nicht allzu hilfreich sind drei verschiedene Nebenfiguren, die mit ihm zu tun bekommen: Don Cheadle spielt einen toughen Anwalt, der Whip auf die Füße tritt, da er alles versucht, den Schadensanspruch nicht auf Whip fallen zu lassen; John Goodman einen gut gelaunten Drogendealer, der meint, Whip brauche all den Stoff, denn nur damit sei er so gut, wie er es als Pilot ist. Dann wäre da noch Kelly Fisher, die eine Alkoholikerin spielt, die Washington zufällig kennen- und lieben lernt. Alle drei Charaktere sind separat interessant und storytechnisch wichtig für Whip, doch ihre Interaktionen mit ihm bleiben allesamt relativ lauwarm - niemand geht mit größerer Intensität auf ihn ein. Alles ruht also auf Washington, der das Ding wie im Film durchaus gut zu Boden bringt, der aber mit mehr Unterstützung noch besser gelandet wäre. Anbetracht des erstklassig inszenierten Absturzes wäre ein Fokus auf diesem womöglich besser gewesen; anbetracht des stets geladen wirkenden Whips darf man sich gern wünschen, jemand hätte ihn noch eher und aufdringlicher in die Ecke gedrängt, noch mehr gefordert. Washington schreit es unter seinem Gesicht nach Oscar-Performance, doch der Film kann es nicht ganz aus ihm herauskitzeln. Was bleibt, ist ein grundsolides Charakterdrama

Fazit:
Flight ist ein solides Charakterdrama mit einem starken Denzel Washington, bleibt nach einer eindrucksvollen ersten halben Stunde gefühlt jedoch nur noch auf Autopilot. Fraglos sehenswert, aber das geht auch noch besser.

6 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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