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Kritik:
Frankenweenie


von Christian Westhus

FRANKENWEENIE (2013)
Regie: Tim Burton
US-Sprecher: Charlie Tahan, Catherine O’Hara, Martin Landau, Martin Short, Winona Ryder
D-Sprecher: Niklas Münninghoff, Farina Brock, Jakob Riedl, Melanie Manstein, Laura Maire

Story:
Nach dem Tod seines geliebten Hundes Sparky macht sich Victor, angeregt durch den Physikunterricht in der Schule, an ein Experiment. Durch einen Blitzeinschlag soll Sparky wieder zum Leben erweckt werden. Das Experiment gelingt, doch der untote Vierbeiner und damit Victors Tat sollen natürlich unerkannt bleiben. Dennoch machen bald Erzählungen davon die Runde, mit monströsen Konsequenzen.

Kritik:
Tim Burton steckte seit Beginn dieses Jahrtausends in einer kreativen Krise. Es gab Höhen und Tiefen, doch spätestens bei „Alice im Wunderland“ waren sich viele trotz Milliardeneinspiel einig, dass sich Burton keinen Gefallen mehr damit tut, bereits existierende Geschichte durch seinen Stil neu zu erzählen. Nicht zuletzt auch, weil Burtons einst so unverkennbarer und effektiver Stil einem banalen Klischee Gothic-Look gewichen war, bei dem nur das Personal die übliche Burton-Blässe behielt. Mit „Dark Shadows“ versuchte er dennoch nochmal genau das; ein im Burton-light Modus nacherzähltes Quasi-Remake der gleichnamigen TV-Serie. Die Vorlage war dann doch zu unbekannt, Burtons Stil und Name scheinbar doch nicht so zugkräftig und die x-te Zusammenarbeit mit Johnny Depp und Helena Bonham Carter irgendwann wohl auch nicht mehr reizvoll genug. Der überraschend kostspielige Film war ein kleiner Flop, der zudem auch viele „Alice“ Fans zu Schulterzucken und Langeweile verleitete. Burton musste den Karriere-Reboot wagen und tat den ersten Schritt in diese Richtung ausgerechnet durch die Verfilmung eines seiner ersten Kurzfilme.

Damals ein Realfilm, ist „Frankenweenie“ heute ein Stop-Motion Animationsfilm in 3D. Die grobe Handlung vom Jungen, der seinen Hund wiederbelebt und gegen die engstirnig-konservative Kleinstadtbürgerschaft zu kämpfen hat, wurde übernommen, jedoch um einige Nebenhandlungen erweitert. War „Frankenweenie“ damals in erster Linie eine Hommage an Mary Shelleys „Frankenstein“, treibt Burton die Rückschau auf Horrorfilme und -literatur im Langfilm weiter voran. Victors Familie heißt noch immer Frankenstein mit Nachnamen, eine Schildkröte heißt sicherlich nicht zufällig Shelley, die Nachbarn heißen nach Draculas Widersacher „van Helsing“, Burtons Kringel kehren hier und da zurück und zum Finale tobt Burton einmal wild durch Universals Monstersammlung und erweitert die Sache um weiteres Getier, deren Ähnlichkeit mit bereits bekannten Monstern nicht immer eindeutig ist. Und dass die meisten referenzierten Monster und Kreaturen missverstandene, unglückliche Außenseiter sind, die häufig genug an der Engstirnigkeit der Gesellschaft zu Grund gehen, ist natürlich auch kein Zufall.

Eine knappe Stunde lang ist „Frankenweenie“ die sensible Geschichte eines Jungen, der keine richtigen Freunde hat, der lieber im Garten Horrorfilme mit Pappkulissen dreht und dem sein Hund Sparky das Wichtigste im Leben ist. Die Eltern, zum Glück nicht das Klischee der überzeichnet strengen Vorstadteltern, versuchen ihren Sohn dazu zu animieren, vermehrt unter Leute zu gehen. Und natürlich kommt es alsbald zum Unglück. Kauzige Nebenfiguren, wie der gestrenge Mr. Bürgermeister oder der hinterlistige, bucklige Mitspieler Edgar, der in feinster Wortspiel-Manier eigentlich Edgar ‚E‘ Gore heißt, lockern die Geschichte auf, doch Burton ist hier sehr behutsam und lässt Einsamkeit, Verlust und Trauer nicht verwässern. Zudem ist Hund Sparky, egal ob lebendig oder wiederbelebt, eine visuell und verhaltenstechnisch derart knuffige Figur, dass er sofort ans Herz wächst und den man auch partout nicht tot sehen will. Mit der Sehnsucht nach Nachbars Pudel, dem er eine bedeutungsvolle neue Frisur verpasst, wird aus Sparky sogar mehr als der vierbeinige Freundersatz für Victor. Wobei Victor eine etwas stärkere Beziehung zu seinen Mitschülern oder zu Pudelbesitzerin Elsa sicherlich auch gut gestanden hätte. 

Zum Schlussdrittel schalten Burton und das Script nämlich plötzlich um, inszenieren ein recht rasantes und abwechslungsreiches Hin und Her aus ziemlich gewollt und konstruiert erscheinenden Bedrohungen, die in Windeseile abgehakt werden müssen, um zum emotionalen und symbolträchtigen Finale zu gelangen. Der so unterhaltsame wie oberflächliche Kampf gegen die Bedrohungen nimmt den Entwicklungen davor und danach ein wenig die Wirkung und Tragweite, wirkt wie ein Zugeständnis an einer imaginiertes Publikum, das nach mehr Unterhaltung in einem Film giert, der als Frankenstein Hommage und als Geschichte von einem Jungen, der um seinen toten Hund trauert, eigentlich keinen turbulenten Slapstick braucht. Dafür ist insbesondere das Finale – aber eigentlich der gesamte Film – technisch beeindruckend. In schönem Schwarz-Weiß fotografiert, lässt die absolut flüssige und lebensechte Stop-Motion Animation die Grenze zur Computeranimation fast verschwinden. Und auch Komponist Danny Elfman fühlt sich scheinbar bedeutend wohler, wenn er ganz bewusst mit Genres und musikalischen Referenzen arbeiten kann. In nahezu allen Belangen ein Schritt in die richtige Richtung, was Burtons Karriere betrifft, aber am Ziel dürfte er mit diesem Film noch nicht sein.

Fazit:
Ein Lichtblick in der zuletzt arg angekratzten Karriere von Tim Burton. In „Frankenweenie“ bekennt sich der Regisseur zu alten Themen und Ideen, stellt diese jedoch – abgesehen von einem etwas übereifrigen Schlussdrittel – deutlicher in den Vordergrund, als in seinen letzten Filmen. Endlich geht es wieder um etwas in einem Burton Film. Wunderbar animiert, ist es ein Film der zu Herzen gehen kann, mit dem Tim Burton aber noch nicht gänzlich zur alten Form zurückgekehrt ist.

7 / 10

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