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Kritik:
Freunde mit gewissen
Vorzügen


von Christian Mester

FRIENDS WITH BENEFITS
Regie: Will Gluck
Cast: Justin Timberlake, Mila Kunis

Story:
Als der junge Werbedesigner Dylan (Justin Timberlake) via der jungen Headhunterin Jamie (Mila Kunis) beim großen Magazin GQ in New York landet, beschließen die beiden attraktiven Singles, ihre Zeit miteinander zu vertreiben. Genervt von kürzlich missglückten Beziehungskisten und eines abends dann auch noch gemeinsam spitz, stürzen sie sich unüberlegt in eine wilde Sexbeziehung. Die Prämisse: keine Versprechen, keine Gefühle, keine Verantwortung, nur ungezwungener Spaß. Natürlich bleibt's nicht dabei...

Kritik:
Man nehme zwei junge hübsche Gesichter, packe sie ins niemals schlafende New York, lege noch etwas angesagte Musik darunter und lasse sie cineastisch einander lieben. Eine Rechung, die finanziell durchaus schnell auf-, kreativ aber auch ebenso schnell schief gehen kann, kommt es doch sehr darauf an, was man aus dieser Konstellation macht. Der Film hätte in gleicher Story Herzschmerz-Kino, Sex-Komödie, Dramödie oder gar verdöste Indiegeschichte ala Nick & Norah: Soundtrack einer Nacht werden können, doch entschieden hat man sich für eine andere, gemischte Gangart. So ist Freunde mit Vorzügen in seiner ersten Stunde eine lockerluftige Romanze, in der die Protagonisten hauptsächlich unverblümt gut gelaunt durch NY schlendern und nachts das Buche Kamasutra durchspielen - mehr oder weniger als reine Freunde. Es macht Spaß, da Kunis und Timberlake beide äußerst sympathisch auftreten und sich die Bälle stets gut gelaunt zuspielen - ihre Freundschaft wirkt echt, ihr Miteinander vertraut, die Liebelei amüsant. Gerne verbringt man Zeit mit beiden.

Wie es leider genrevorgegeben ist, benötigt jede Romanze - und Freunde mit gewissen Vorzügen ist dies, keine Romcom - einen Knackpunkt, der die beiden so ideal zusammenpassenden Freunde irgendwann einmal auseinanderreißen muss. Hier ist es mit einer plötzlichen Familienmelodramatik verbunden, bei der Dylans demenzkranker Vater in den Vordergrund rückt - ein Problem, denn es ist ein ungeahnt schlechter, ungeeigneter Konflikt. Die eigentliche Entzweiung zwischen Kunis und Timberlake wirkt abrupt, unnötig, und der Vater ist in Wahrheit kein wirkliches Problem: Timberlake mag, schätzt und liebt ihn, muss zu keinem Verantwortungsbewusstsein finden, es wird zum unfairen Puffer, da sich die Demenz des Vaters auch nicht mit Liebesschwur bei prasselndem Regen lösen lässt.

Es fühlt sich an, als versuche Regisseur Will Gluck (Einfach zu haben) dieselben Gewässer wie die Macher der Jake Gyllenhaal / Anne Hathaway Romanze Love & Other Drugs, oder gar die von Marc Webbs (500) Days of Summer beschreiten zu wollen, die ebenfalls nach lockerem Einstieg ins ruhigere, dramatische abdriften und versuchen, eine Schwere einzubringen, die das luftige Liebesleben maßgeblich beeinträchtigt. Bei beiden Beispielen passt es später halbwegs, da die Figuren schon im Vorfeld erste charakterliche Risse zeigen, erste Problematiken ihrer Beziehung, die sich später verständlich entfalten. Bei Freunde mit gewissen Vorzügen gibt es das jedoch nicht - hier fällt das Problem aus heiterem Himmel, einfach, damit es eins geben muss. Ein Knackpunkt, der nicht zu übersehen ist.

Gelungen ist Gluck wiederum sein Ende, denn aus der Talfahrt geht es zum großen Finale noch einmal zurück nach oben, um auf passender Note mit guter Laune zu enden - einen Platz, an dem er sich wohler fühlt als die Kollegen. Dass der Film zu den angenehmeren des Jahres zählt, ist der Besetzung zu verdanken. Mila Kunis war bislang Nebenrolle in The Book of Eli, Nie mehr Sex mit der Ex und Black Swan, sowie Megs Stimme in Family Guy, zeigt aber mit ihrer Hauptrolle in diesem famos, dass sie in solche gehört: in Hauptrollen. Justin Timberlake hingegen hat eine gute Zeit vor sich: nach seinem gefeierten Auftritt in The Social Network, in dem er sich allerdings mehr oder weniger selbst spielte, kam sein selbstironischer Comedy-Auftritt in Bad Teacher, demnächst die Hauptrolle im interessanten Sci-Fi-Thriller In Time. Hier spielt er einen jungen Mann, der zwar einiges drauf hat, er aber weder so schüchtern wie sein debiler Lehrer aus Bad Teacher, noch so selbstbewusst wie in seiner Rolle als Internet-Entrepreneur Sean Parker auftritt, und er macht es gut. Auf Zelluloid hat er Zukunft.

Abgerundet wird die Runde durch kurze, aber gut situierte Nebenrollen von Patricia Clarkson, Richard Jenkins und Woody Harrelson, wobei letzterer in die Rolle eines schwulen Machos schlüpfen darf (schaut man genau hin, trifft man noch Jason Segel aus How I Met Your Mother und Emma Stone aus Glucks Einfach zu haben). Die schick inszenierte Geschichte überzeugt überdies, nie zu aufdringlich Musik einzuspielen (eine Lehre, die ein Till Schweiger noch machen muss), nie zu gewollt auf Gags oder Kitsch aus zu sein, sich selbst nicht allzu ernst zu nehmen und überrascht darin, die äußerst sexlastige Handlung gänzlich ohne Nacktszenen zu schaffen. Auf den ersten Blick womöglich enttäuschend, doch rückblickend wird klar, dass der erreichte Ton der Szenen mit graphischen Sexszenen oder offenherziger Entblößung ala Nie wieder Sex mit der Ex eine andere Richtung bedeutet hätte. Diese liegt Freunde mit gewissen Vorzügen und macht sie in ihrer Mischung auch sehenswert.


Fazit:
Cocktailkino zum Gutfühlen - Freunde mit gewissen Vorzügen ist eine seichte Sommerbrise von Romanze, die trotz Sexschwerpunkt überraschend dezent bleibt. 

6,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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