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Kritik:
Fright Night: 

Die rabenschwarze Nacht


von Christian Westhus

FRIGHT NIGHT (1985)
Regie: Tom Holland
Cast: William Ragsdale, Chris Sarandon, Amanda Bearse, Roddy McDowall

Story:
Charley Brewster ist ein ganz normaler Teenager. Ständig hängt er vor der Glotze ab, erträgt den leicht irren Kumpel Ed und versucht mit Freundin Amy eine gute Zeit zu haben. Doch der neue Nachbar ist Charley schnell suspekt und der Horror-Fan vermutet, dass es sich bei Nachbar Jerry um einen Vampir handelt. Niemand glaubt ihm zunächst, doch der vermeintliche Untote ist gar nicht glücklich darüber, dass man seinen Machenschaften auf die Schliche kommt.

Kritik:
Untote, Dracula, Vampire – schon seit den frühesten Anfängen der Filmgeschichte machten sie die Leinwände unsicher. Die Grundthemen von Unsterblichkeit und Blutdurst, häufig kombiniert mit einer sexuellen Note, machten sie universell einsetzbar. Mit ständig wachsenden und erweiterten mythologischen Prinzipien, verwurzelt in Geschichte und Literatur, waren die Viecher eigentlich nie aus der Mode. Und doch taten sich die selig-coolen 80er als Lieferant lang anhaltenden Kults hervor, mit markanten Vampir-Filmen, die auch heute noch einen besonderen Stellenwert haben. Von Tony Scotts „Begierde“ 1983 bis zum 1987er Doppelschlag aus „Lost Boys“ und „Near Dark“ – Stilistisch herausragende oder kultisch verehrte Genrewerke und mittendrin, Anno 1985, „Fright Night“. Ein so simples wie effektives Konzept, weil sich mit „Mein Nachbar ist ein Vampir“ eine Menge anstellen lässt und weil ein nicht unerheblicher Teil der „Fright Night“ Coolness einem gewitzten Umgang mit der Horrorfilmhistorie zu verdanken ist. Und ja, kaum ein Jahrzehnt hätte ein solches Thema cooler, poppiger und selbstironischer hervorbringen können, als die 80er. 

Nicht verwunderlich auch, dass „Fright Night“ im selben Jahr wie John Hughes legendärer „Breakfast Club“ erschien, der eine ganz Welle Teen-orientierter Comedy-Drama-Crossovers mitbegründete. Tom Hollands Film ist so gesehen ein Knotenpunkt zwischen Vampiren und Teens, wie es auch die „Lost Boys“ kurz darauf versuchten. Die metaphorische Vielseitigkeit des Vampirkosmos wird mit Themen aus Pubertät und Adoleszenz verknüpft und das in diesem Fall in einer kaum kopierbaren Mischung, so humorvoll wie engagiert und mit ausreichend Ausflügen in schleimig-blutiges Horror-Terrain. Da ist die eher jungenhafte Tomboy-Freundin Amy, die sich so langsam bereits fürs erste Mal zeigt, Charleys Elternhaus oder die Freundschaft zu Ed, die irgendwie nicht mehr wie in Kindertagen ist. In dieses emotionale Grundgerüst pflanzt man den Vampir von nebenan, einen von Chris Sarandon mit trashig-ironischer Wonne verkörperten aalglatten Womanizer mit Stil und Charisma. Glaubwürdig und wirkungsvoll befällt der vampirische Schatten die Mutter, Freundin Amy, Ed und Charley selbst. Ein doppelbödiger Horrorspaß, der sich ganz gezielt selbstironisch gibt, ohne gleich zur Parodie zu werden. Egal ob Evil Eds überkandidelt schrille Art, eine wunderbar beknackte Disco-Szene oder der gesamte liebevolle Handlungsstrang rund um TV-Vampirjäger Peter Vincent – Regisseur und Autor Tom Holland versteht es zumeist, die verschiedenen Tonlagen zu händeln.

Charley Brewster ist Horror-Fan und zwar von der Sorte, die schon vor 30 Jahren oldschool waren. Das macht ihn direkt sympathisch. Den Teenager muss man ihm und auch Amy mit ein bisschen Wohlwollen abnehmen (beide Darsteller waren zu Drehzeiten deutlich über 20), doch insgesamt ist Brewster eine ideal sympathische und nachvollziehbare Hauptfigur, Amy eine so interessante wie erreichbare Freundin, und Evil Ed ein durchgeknallter Kumpel zum Knuddeln. Brewsters Horrorfaszination macht ihn anfällig für umtriebige Fantasien, für etwaige Fehldeutungen, doch das Script schlägt sich früh auf seine Seite und vermeidet ewig langes Rätselraten um Jerrys wahre Identität. Dessen erster Auftritt in wahrer Gesinnung ist trotz diskutablem Vampir-Makeup ein Fest. Und weil Charley sich (und seine Liebsten) trotz Pflöcken und Kruzifixen nicht dauerhaft schützen kann, braucht er Hilfe. Die Charakterentwicklung vom Teenager zum Mann ist vorprogrammiert und Hilfe naht durch Peter Vincent. Peter Cushing und Vincent Price gewidmet, ist der abgehalfterte TV-Experte fürs übernatürliche Gruselfach eigentlich ein Auslaufmodell. Wunderbar liebenswert verkörpert vom ersten Affen-Caesar Roddy McDowell, ist alles rund um Peter Vincent ein Glücksgriff für den Film. 

Der Spannungsbogen mag nicht immer perfekt sitzen, fesselt aber dennoch. Die Maskeneffekte sind besonders gegen Ende ein wenig trashiger als nötig, machen aber trotzdem Spaß. Und mehr als einmal behilft man sich durch Unlogik oder offensichtliche Konstruktion, was aber auch nicht schlimmer als in deutlich langweiligeren Genre-Kollegen ist. Das macht alles wenig aus, wenn man bei den Figuren dennoch voll involviert ist. Der Kampf für Peter Vincents Mitwirken, die Konfrontation in Jerrys Haus oder das doppelte Schicksal von Evil Ed berühren, amüsieren oder faszinieren. Und das Finale ist ein Knüller, mit Brad Fiedels tollem 80er Synthie-Score, weiteren Schleim-Effekten und einem runden Drehbuch. Humor, Horror und gute Figuren gibt es nicht all zu oft in einer so wirkungsvollen Mischung, auch wenn natürlich nicht alles funktioniert oder heute noch funktioniert. Der bewusst altmodische und bisweilen selbstironisch-trashige Charme hebt den Film klar über den Genredurchschnitt.

Fazit:
Kult aus den 80ern, der heute noch charmant und bewusst augenzwinkernd altmodisch wirkt. Tolle Figuren, tolle Atmosphäre, eine zumeist runde Inszenierung und die gelungene Mischung auf Humor und Horror machen noch immer Spaß.

7,5 / 10

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