hauptseite  |  vorschauen  |  kritiken |  impressum |  forum



 

 

Kritik:
Fright Night 3D


von Christian Westhus

FRIGHT NIGHT (2011)
Regie: Craig Gillespie
Cast: Anton Yelchin, Colin Farrell, David Tennant, Imogen Poots, Christopher Mintz-Plasse

Story:
Charley Brewster ist ein normaler High School Schüler, der mit Freundin Amy und unkomplizierter Mutter unbeschwert seines Weges geht. Bis sein alter Kumpel Ed behauptet, Charleys neuer Nachbar Jerry sei ein Vampir. Brewster tut es zunächst als übersteigerte Fantasie seines hysterischen Freundes ab, bis er bald die Gewissheit hat. Vampir Jerry macht kurz darauf Ernst und Charley, Ed, Amy und die Mutter sind mittendrin.

Kritik:
Immer wieder Remakes. Bei all den Reboots, Spin-Offs, Prequels und halsbrecherisch in die Handlung gemogelten Quasi-Sequels hat man fast schon vergessen, wie ein waschechtes Remake aussieht. Als leicht verspätete Reaktion auf den abnehmenden Vampir-Hype rund um „Twilight“ und Co. versucht sich „Fright Night“ recht erfreulich daran, den nicht immer so einfachen Mittelweg zwischen Kopie und Eigenständigkeit zu treffen. Man will ja den Fans des Originals nicht total dreist vor die Stirn treten, sich aber auch nicht nachsagen lassen, keine eigenen Ideen zu haben. Dadurch ist das Remake häufig leider weder Fisch noch Fleisch, jedoch auch nicht so unsinnig oder ärgerlich wie viele andere Kollegen. Der „Fright Night“ Neuaufguss übernimmt das komplette Personal und die gröbsten Handlungsdetails, um die Geschichte mit einigen eigenständigen Twists und Veränderungen modernisiert neu zu erzählen. Herausgekommen ist ein durchweg unterhaltsamer, witziger, aber auch absolut straighter Kurzweil-Horror fürs moderne Publikum, der zu selten wirklich Horrorfilm ist, sondern eher einer unterhaltsamen Achterbahnfahrt durchs Gruselkabinett gleicht. 

Gerade die Modernisierung ist oft schwierig, besonders wenn Kinder und Jugendliche involviert sind, die vor 30 Jahren einfach anders tickten, als ihre gleichaltrigen Vertreter aus dem neuen Jahrtausend. Wie weit Charley the Brews und Amy in ihrer Beziehung schon sind interessiert kaum, weil die Macher wohl auch wissen, wie unzeitgemäß die „Unsicherheit vorm ersten Mal“ Masche auf die heutige Zielgruppe wirkt. Besonders, wenn die handelnden Personen beinahe schon erwachsen sind. So ist es kaum verwunderlich – wenngleich natürlich bedauerlich – dass der Film annähernd komplett frei von irgendwelchen Themen, Metaphern oder größerem Subtext ist. Der Film und zentral Nachbarvampir Jerry funktionieren weder als Metapher für Adoleszenz und erwachende Sexualität, wie es im 85er Film der Fall war, noch ist Jerry wirkliche eine sexuelle Bedrohung für Charlies Mutter und Freundin, noch ist er ein sexueller Rivale für Charlie selbst. Auch als Vaterersatz oder als Beispiel für eine Sorte Mann, die Charlie werden kann (nebst Peter Vincent und dem abwesenden echten Dad) jongliert der Film im besten Falle nur mit Andeutungen.

Colin Farrell hat in der Jerry-Rolle dennoch seine spürbare Spielfreude. Ständig wirkt er mit seinem unerhört engen Unterhemd und den etwas oberkörpersteifen Bewegungen wie ein Zuchtbulle auf Steroiden und verdreht die elegante Bedrohung des 85er Jerrys in eine maskuline Macho-Kumpel Bedrohung, die zumindest in der ersten Hälfte äußerst gut funktioniert. Eine Konfrontation zwischen Jerry und Charley in der Küche, wenn beide mit halb geöffnetem Visier einander begegnen, ist ein absoluter Knüller, der wirkungsvoll mit Genreerfahrungen, Vampirklischees und subtiler, augenzwinkernd humorvollen Bedrohung spielt. Leider gibt es nicht übermäßig viele dieser Szenen. Recht schnell und wie auf Knopfdruck lässt Jerry seine Fassade nämlich Fassade sein und wird zur eher eindimensionalen Bestie, die zu selten noch durch Farrells Charisma aufgelockert wird. Dafür übernimmt im weiteren Handlungsverlauf Peter Vincent, der von David Tennant wunderbar überdreht und launisch gespielt ist, in seiner Anwesenheit aber eher erzwungen wirkt. An Peter Vincent merkt man, dass man sich beim Script zu selten wirklich traute, eigenständig zu denken. So weit wagte man sich dann doch nicht aus dem Fenster zu lehnen und auf den ehemaligen TV-Vampirjäger zu verzichten, der nun ein mystischer Illusionist in Las Vegas ist. 

Durch Peter Vincent halst sich das Remake auch eine Art Verpflichtung auf, selbstironisch und anspielungsreich das Horrorgenre Revue passieren zu lassen, denn der gute Peter trägt diesen Namen ja nicht einfach so. An alten Hammer-Horror mit zentimeterdicken Spinnweben und trashigen Horrormasken erinnert hier aber meist gar nichts. Querverweise und Genre-interne Witze sucht man bis auf ein nettes Cameo und viele Witze zu Beginn, Jerry könnte ein Vampir sein, vergebens. Dazwischen pflichtgemäß eine ironische Spitze in Richtung „Twilight“, sowie Amys niedliche Verwechslung der mythologischen Monster, wenn sie zur Waffe greift (eine zugegeben grandiose Szene), aber ansonsten gibt es nicht so viel zu holen, für den Retro-Freund unter den Horrorfans. Der Film muss ja nicht zwangsläufig Hommage sein, aber jedes Mal, wenn man sich zu sehr dem Original annähert, schreit es danach. Insbesondere eben bei Peter Vincent, egal wie drollig und witzig Tennant auch ist. Warum er gegen Jerry zu Felde zieht ist psychologisch wenig glaubwürdig, sondern größtenteils damit zu erklären, dass er einfach dazu gehört. Aus einem anderen Film. Die emotionale Komplexität der Figur, die 1985 noch als aussortierter Ex-Star mit der Frustration seiner medialen Scheinidentität, sowie dem Fluch der Moderne zu kämpfen hatte, streift das Remake nicht mal. Wäre es nicht meta-witzig grenzgenial gewesen, Sarah Michelle Gellar zu einem Cameo und Joss Whedon um Erlaubnis zu bitten? 

Evil Ed Darsteller Christopher Mintz-Plasse hat nach McLovin und Red Mist diesen Typus schon abonniert und kann hier nicht mehr viel leisten, auch wenn die schwierige Freundschaft zwischen ihm und Brewster durchaus ein paar gelungene Details parat hält. Amy, in der so sympathischen wie ansehnlichen Gestalt von Imogen Poots, ist als Freundin austauschbar. Nicht störend, bricht sogar ein Mal eine Lanze für Nerds, muss ansonsten aber nur in Gefahr geraten und gerettet werden. Und während die immer sympathische Toni Collette in der Rolle als Mutter routiniert überzeugt, sollte sich Anton Yelchin mal nach anderen Rollen umsehen. Hier nimmt man ihm den Teenager noch so gerade ab, aber lange geht das nicht mehr gut. Als Charley ist er angenehm und glaubhaft genug, ohne sonderlich viel dafür zu tun. Er ist dem Script ausgeliefert und das hat Höhen und Tiefen, wenn es auch eigentlich durchweg einigermaßen Laune macht. Einzelszenen überzeugen, teilweise auch mit cleveren und bösen Einfällen oder einfach nur ein paar netten Erschreckern, bis sich das letzte Drittel glasklar als Actionfilm zu erkennen gibt. Der ewige Diskurs im Für und Wider von praktischen oder computergenerierten Effekten wird auch hier wieder aufkommen. Größere Verfehlungen gibt es keine, aber in steriler CG-Reinheit kommt auch kein Trash-Charme wie im Original auf. Was jedoch auch scheinbar nicht beabsichtigt war. Und was das 3D betrifft, braucht man angesichts der langweiligen Handhabung kaum mehr sagen, als dass ein paar wenige Momente nett wirken, der Film aber eigentlich nicht dafür gemacht ist.

Fazit:
Unterhaltsames Remake des in nahezu allen Belangen besseren Originals. Insbesondere Colin Farrell überzeugt, so lange man ihn lässt. Witzig, mit guten Einzelszenen und eigentlich nie langweilig, aber letztendlich nicht eigenständig genug, denn jedes Mal, wenn man sich dem Original zu sehr nähert, gerät der Film ins Straucheln. Kurzweilig unterhaltsam ist der Gruselcomedy-Vampir-Ritt dennoch.

5,5 / 10

> Deine Meinung zum Film?

Copyright © 2004-2050 bereitsgesehen.de, alle Rechte vorbehalten
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websites verantwortlich