BG Kritik:

Fritz Lang


Manuel Föhl ist seit 2004 aktives Mitglied bei Bereitsgesehen.

Fritz Lang (DE 2016)
Regisseur: Gordian Maugg
Cast: Heino Ferch, Thomas Thieme, Samuel Finzi, Johanna Gastdorf

Story: Auf der Suche nach ein neuer Filmidee reist Fritz Lang (Heino Ferch) nach Düsseldorf, wo gerade ein brutaler Serienmörder (Samuel Finzi) sein Unwesen treibt. Während er dem ermittelnden Hauptkomissar Gennat (Thomas Thieme) bei seinen Ermittlungen über die Schultern schaut, wird er mit einem Kapitel aus seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert.

Ein Film über einen der größten deutschen Filmregisseure...oder auch nicht. Kasperletheater oder Hommage an ein Stück wichtiger deutscher Filmgeschichte?

Fritz Lang gehört fraglos zu den wichtigsten deutschen Filmemachern


Fritz Lang. Einer der Namen, der immer wieder im Geiste der deutschen Filmgeschichte hochgehalten wird. Er gehörte zu den zahlreichen Künstlern, die vor, während oder nach der Machtergreifung der NSDAP ins Exil flüchtete um im Ausland weiter ihrer künstlerischen Tätigkeit, ungestört nachzugehen. Bis dahin hat er aber zu Zeiten des Weimarer Kinos schon ein beeindruckendes Repertoire an Filmen aufgestellt. Dazu zählt nicht nur sein METROPOLIS (1927), der bis heute die visuellen Ebenen vieler Utopischer und Dystopischer Science-Fiction-Filme prägt, sondern auch seine expressionistischen Stummfilmklassiker wie DIE SPINNEN (1919), DER MÜDE TOD (1921), DOKTOR MABUSE – DER SPIELER (1922), DIE NIBELUNGEN (1924) oder FRAU IM MOND (1929). Anders als METROPOLIS konnte Lang damit nicht nur künstlerische Erfolge verbuchen, sondern fand auch Anklang beim (zahlenden) Publikum. Das Aufkommen des Tonfilms zwang auch ihn sich mit dieser neuen technischen – aber anfangs auch sehr kontrovers-diskutierten – Möglichkeit auseinanderzusetzen. Der Film, der aus dieser künstlerischen Auseinandersetzung brachte ein Meisterwerk hervor.

Anders als der Titel des Films verspricht will Regisseur Gordian Maugg sich aber nicht mit einer allumfassenden Biografie dem deutschen Regisseur nähern, sondern sich dagegen genauer mit eben dieser Entstehung und semi-fiktiven Vorgeschichte zu Langs Meisterwerk M – EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER beschäftigen. Peter Lorres Figur des Serienmörders Hans Beckert soll dem Film nach dem tatsächlichen Serienmörder Peter Kürten (Samuel Finzi) nachempfunden sein, dem „Vampir von Düsseldorf“. Das Interesse an der Aufklärung der Morde und seine Gefangennahme zogen das Interesse weit über die Ländergrenzen hinaus. Fritz Lang (Heino Ferch) liest über die Morde in einer Zeitung und begibt sich nach Düsseldorf um dort dem leitenden Kommissar Ernst Gennat (Thomas Thieme) bei den Ermittlungen über die Schulter zu sehen. Durch die Beschäftigung mit dem Fall wird Lang mit seiner eigenen Vergangenheit und dem scheinbaren Mord an seiner ersten Frau konfrontiert.

Der Film über Lang wird Lang jedoch nicht gerecht


Wie viel Wahrheit im Film steckt ist schwer zu erörtern. Mit dem Tod von Langs erster Frau wird eines der Mysterien aus der Biografie des deutschen Starregisseurs aufgegriffen, welches immer wieder kontrovers diskutiert wurde und wird. Lang versetzte seinerzeit den Film zusammen mit seiner damaligen Frau – zu diesem Zeitpunkt mehr nur noch Arbeitskollegin – Thea von Harbou relativ deutlich nach Berlin und damit fernab von Kürtens eigentlichem Schauplatz. So werden auch viele andere Mordfälle und Verbrechen als Inspirationsquelle für das Drehbuch gedient haben. Einzig die Figur des Ernst Gennat gab es wirklich und taucht auch so in Langs Film als Hommage in Persona von Karl Lohmann, gespielt von Otto Wernicke, auf. Auch in Langs Film DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE (1933), tauchte Wernicke wieder in dieser Rolle auf.

Heino Ferch, den man in den letzten Jahren nur noch selten auf der Kinoleinwand wiederfand, gibt sich sichtlich Mühe, doch fehlt es ihm an einer klaren Führung. Er wirkt oft etwas verloren, mehr improvisierend spielend ohne eine klare Linie in seiner Performance. Er ‚spielt‘ einen Lang, wird es aber für den Zuschauer nicht. Dies gilt für nahezu alle anderen Darsteller auch. Sie werden nie zu ihrer Rolle, sondern scheinen immer mit etwas Abstand zu agieren. Bei Lisa Charlotte Friederich endet dies in einer eher (pardon) peinlich-unterirdischen Darstellung.





Filmemacher Gordian Maugg ist ein Spezialist, wenn es sich um die Montierung von historischem Archivmaterial mit neu gedrehtem, fiktivem Material handelt. Sein Debütfilm – ausgezeichnet mit einem Filmband in Silber – EIN OLYMPISCHER SOMMER (1993) wurde nicht nur auf einer Askania-35-mm-Kamera, eine Kamera aus den 1920ern und 30ern, gedreht, sondern Maugg kramte auch in den Archiven nach originalem Filmmaterial und webte das mit in die Spielhandlung mit ein. Ähnlich ging er auch bei FRITZ LANG vor: Das Knistern der Tonspur und der leicht unstete Bildstand im Vorspann wecken nostalgische Erinnerungen, doch diese verblassen leider schnell. Im restlichen Film mischt Maugg wohl weiterhin munter die im 4:3-Bildformat und schwarz-weiß gedrehten Spielszenen mit Archivmaterial – später auch mit Original-Szenen aus M –, beispielsweise wenn Ferchs Lang mit seiner Limousine durch das historische Berlin gefahren wird, doch verpasst er es hierbei sich dem Original-Material anzunähern. Verschwommene Kontraste und Kratzer im Bild sucht man in den ‚neu‘ gedrehten, fiktiven Szenen vergeblich.

So wirkt die Mischung der verschiedenen Quellmaterialien schließlich fast laienhaft, da die Übergänge so hart sind und einen immer wieder aus der Handlung reißen. Mühen sind bei Kostüm und der Ausstattung erkennbar, doch ansonsten fühlt man sich mehr wie in einem hochkarätig besetzten Kasperletheater, worauf aber keiner so richtig Lust hatte. Die Faszination an dem Stoff und Lang unauffindbar. Der positive Zweck des Films bleibt daher nur angeregt zu werden M – EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER (wieder) anzuschauen und darauf zu hoffen, dass das angekündigte österreichische Remake des Klassikers für das Fernsehen mit mehr Herzblut an die Sache herangeht. Dieses will sich aber auch nicht an die damalige Zeit anbiedern, sondern das Geschehen in die heutige Zeit versetzen.

Fazit:

Kasperletheater. Gordian Mauggs essaystisches Experiment wirkt mehr wie ein Schultheater. Lustloses Schauspiel, funktionale, aber lieblose Ausstattung und eine – gemessen an der Vorlage – dröge Bildgestaltung. Die leider laienhaft eingefügten Archivaufnahmen stören immer wieder die Immersion und wer solche Bilder mit aalglatten Schwarzweiß-Aufnahmen gegenschneidet ist eher mutlos als experimentierfreudig und innovativ. Lang konnte sich mit M rehabilitieren, Maugg dagegen scheitert. Was auf dem Papier reizvoll erschien, verpufft in der Ausführung wie heiße Luft. Lieber einen richtigen Fritz-Lang-Film anschauen.

3 / 10

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