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Kritik:
Gangster Squad


von Christian Mester

GANGSTER SQUAD
(2013)
Regie: Ruben Fleischer
Cast: Sean Penn, Josh Brolin, Ryan Gosling, Emma Stone

Story:
Mobster Mickey Cohen (Sean Penn) kennt keine Gnade, und ist dabei, die Unterwelt LA's weiter und weiter zu übernehmen. Eines Tages beschließt eine Gruppe von Cops (Ryan Gosling, Nick Nolte, Josh Brolin, Giovanni Ribisi, Michael Pena, Robert Patrick, Anthony Mackie), ihm das Handwerk zu legen...

Kritik:
Was wohl nicht passieren wird: niemand wird an Gangster Squad bemängeln, dass er nicht gangster genug sei. Was Ruben "Zombieland" Fleischer hier nämlich abfackelt, ist eine Strichliste schier aller Mobsterfilmklischees. Vom Schuhputzerinformanten zur fälschlich vergebenen Femme Fatale zwischen mehreren Männern, zu vom Krieg angeknacksten Männern, die noch einmal was richtiges tun wollen, zu größenwahnsinnigen Al Capone-Verschnitten, deren Arroganz zum Fall führt, zu Tommygun-Drive-bys, unlauteren (sprich, inoffiziellen, sprich fäustlich ausgetragenen) Verhörungsmethoden, üblen Mafiaexekutionen, nuschelnden Partnern und geheimer Abhöraktionen - was man auch immer thementypisch nennen mag, der Film hat's.

Das, und in den ersten rund drei Vierteln ungemein ansehnliche Bilder, dank beeindruckender Sets, Fahrzeugen und Kostümen, die das LA der 40er in wundervoller Optik ins Leben ruft und an LA Noire erinnert. Eine ebenso stattliche Besetzung, in der an vorderster Front Sean Penn als grausamer Mobsterboss unterhält. Trotz alledem wird Fleischers Gangsterschwadron wohl nicht so schnell in die Stapfen der Unbestechlichen (dem er inhaltlich merklich ähnelt), von Scarface, Chinatown, LA Confidential oder anderen Genreklassikern treten. Dafür klemmt das Trommelmagazin zu oft...

Bei aller Liebe für Kleidungsstücke (Emma Stone sieht in der Nachkriegszeitedelbekleidung edel aus) und Nachstellung der immer wieder faszinierenden Epoche ging vergleichbare im Script nicht auf. Gangster Squad will zwar "nur" flotter Actioner sein, der sich nie lang mit Dialogen aufhält und lieber zuschlägt oder ballert, doch die gesamte Cast weiß noch nicht einmal damit viel anzustellen. Penn als griesgrämiger Faustdrauf ist noch der beste, da alle vor ihm kuschen und er die Rolle glaubhaft verkörpert, doch es ist gewiss leider keine bleibende Corleone/Capone/Montana-Rolle, die er da spielen könnte, gibt die Vorlage nicht ausreichend her. Andere trifft es tiefer: sowohl Cops als auch Cohen's Handlanger bleiben allesamt durch die Rückbank weg eindimensionale Gestalten. Oneliner sucht man vergebens, und sowohl eine Love-, als auch eine Rache-Story im Film haben die emotionale Tiefe einer Hutkrempe. Akkurat verpackt in Hüten, feinen Zwirnen, mit Stiernacken und umgekrempelten Hemdsärmeln, doch es würde nicht im geringsten auffallen, gäbs jeweils noch 17 mehr oder weniger ihnen. Anthony Mackie wirft Messer und Robert Patrick hat einen buschigen Bart - das war's dann aber auch schon an Charakterzeichnung.

Dass die Herrschaften abseits des Gesetz handeln und selbst brutale Mordanschläge durchführen, um LA von der ihrer Meinung nach noch viel größeren Gefahr Cohen zu befreien, wird null reflektiert und trifft keinen der ach so aufrichtigen Charaktere. Eine wirkliche Hauptfigur gibt es nicht, allein gelassen ist Emma Stone, die so zur Setdekoration verkommt; ein wechselnder Schlagabtausch, bei dem alle mal kurz durch Fleischers aufwendige Cosplay-Extravaganza hechten dürfen, das so blass wie bunt.

Action gibt es viel, und blutige dazu, doch sie ist in den meisten Fällen nur akzeptabel, manches Mal leider einfallslos runtergefilmt. Weiteres Manko: womöglich lag es an unverhofften Nachdrehs, aber in den letzten 20 Minuten sind viele Szenen plötzlich in einem unschönen Digital-Look ala Public Enemies geraten, der mit dem übrigen Stil des Films bricht und in welch auch immer gefallenen Kreativentscheidung offenbar falsch entschieden wurde. Tja, was dann noch rätselhaft bleibt, ist die Wahl des Scores, der ebenso unbezeichnend wie die Anzugträger random vor sich hindudelt, meilenweit vom Schatten der berühmten Themes der Vorbilderfilme entfernt.

Fazit:
Passabler Gangsterspaß, aber ohne Tiefgang oder Ideen; trotz Bombenbesetzung nur nett.

5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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