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Kritik:
Get the Gringo


von Christian Mester

HOW I SPENT MY SUMMER VACATION
(2013)
Regisseur: Adrian Grunberg
Cast: Mel Gibson, Peter Stormare

Story:
Was macht man, wenn man direkt an der Grenze zu Mexiko einen Coup landet... und das Ding schief geht? Bei etwaiger Verfolgungsjagd über jene fliehen, klare Sache. Dumm nur, dass der sarkastische Gringo (Mel Gibson) auf der anderen Seite erwischt und prompt eingebuchtet wird - auch noch in ein Spezialgefängnis, das von Gangstern geleitet wird und die Größe einer kleinen Stadt hat. Zähneknirschend versucht er, so schnell wie möglich wieder rauszukommen...

Kritik:
2010 versuchte Mel Gibson mit dem Thriller "Auftrag Rache" wieder zurück ins Rampenlicht zu kommen, doch so wirklich hinhauen wollte das nicht. Der Film floppte (zurecht), und führte dazu, dass sein nächster, dieser, nur arg schleppend veröffentlicht wurde. In Israel startete er als erstes im März 2012, dann nach und nach in anderen Ländern, in den USA nur als Video-on-Demand, und hier, wie man sieht, erst ein ganzes Jahr nach dem ersten Starttermin. Berechtigtes Verzögern?

Ja... und nein. Nein zunächst, denn der Film ist deutlich besser als der misslungene Auftrag Rache. Nach einem sympathisch rasanten Einstieg gibt es Gibson-Zynismus ala Payback en masse, wenn er in das mexikanische Moloch geschmissen wird und sich da mal so gar nicht unterordnen mag, egal wie sehr man ihn (Markenzeichen) vermöbelt und foltert. Kippe in den Mundwinkel, einmal Strecken, verschmitztes Schmunzeln, passt. Was auch immer Gibson an Sympathie abseits der Kamera eingebüßt haben mag, es bleibt unbestreitbar, dass er weiterhin starke Ausstrahlung hat und sich gerade hier beim Machen von Feinden beliebt macht. Als schlitzohriger Klugscheißer schießt, ärgert und grinst er sich durch tumbe Gegner, die er zumeist beleidigt, verwirrt und dann derb erledigt.

Get the Gringo (nicht zu verwechseln mit Scott Adkins' El Gringo) ist allerdings kein reiner Actioner - besser nicht falsch erwarten. Jene ist eher zart gesät und dann auch nie sonderlich spektakulär inszeniert, denn der Film lässt sich deutlicher als typischer Gangsterfilm beschreiben, der schon gut darin ist, sein Flair, die Ungemütlichkeit des Gefängnisses, die Gosse der allseits tödlichen Killer ringsrum und der heißen Hitze akzeptabel zu vermitteln, mehr In Hell als Mit stählerner Faust, um es mal vandammesk zu sagen. Wo es jedoch anfängt schwammig zu werden, ist im gewagten Anspruch. Gringo baut eine Freundschaft zu einem stehlenden Jungen auf und wird langsam zu dessen Vaterfigur, wodurch der fuck-auf-alles-Typ schleichend mehr auf sein Leben und das anderer gibt, was aber leider nur geringfügig emotional wertig aufgezogen wird und nur in Klischees endet.

Als Low Budget Produktion ächzt es überall an Etatschwächen, doch Gringo ist durchaus oft stimmig anzusehen, was Kameramann Benoit Debie (Irreversibel, Enter the Void, demnächst Spring Breakers) zu verdanken ist. Die Regie von Gibson-Protege Adrian Grunberg (war Assistent bei Gibsons Apocalypto) ist brauchbar und angenehm kurzweilig, wenn darüber hinaus aber auch nicht weiter auffällig. Letztlich muss Gibson von seinem sengenden Mexiko-Thriller keineswegs über die Grenze flüchten, aber bei aller Akzeptanz: der Mann ist ein A-Lister, der in großartige Stoffe gehört. Der Filme vom Schlag eines Lethal Weapon, Braveheart oder Mad Max und nicht bloß höherwertige DVD Actioner drehen darf. Und was Altherrenstars in B-Actionern betrifft, ist Gringo da leider eher an Taken 2 als an Taken 1 dran...

Fazit:
Mel Gibson kann sich den Schweiß von "Auftrag Rache" von der Stirn wischen, denn aus den echten Tiefen ist er nun emporgekommen.
Nach oben ist es jedoch noch ein Stückchen, denn obwohl Get the Gringo mit unterhaltsam stickiger Mexiko-Gangsteratmosphäre und gesundem Zynismus daherkommt, ist er noch immer weit von Filmen entfernt, die seinem Talent würdig sind.

4 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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