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Kritik:
Ghost Rider: 

Spirit of Vengeance


von Christian Westhus

GHOST RIDER: SPIRIT OF VENGEANCE
(2012)
Regie: Mark Neveldine, Brian Taylor
Cast: Nicolas Cage, Violante Placido, Idris Elba, Ciarán Hinds

Story:
Der Teufel hat einen menschlichen Sohn, der als Ersatzkörper fungieren soll. Eine Prophezeiung besagt, wann der richtige Zeitpunkt für die Übernahme gekommen ist. Um dies zu verhindern, flüchten Teufelssohn und die menschliche Mutter durch die Weltgeschichte, beschützt von einem trinkfesten Mönch in Lederkluft, der bald Johnny Blaze ausfindig macht und ihm ein Angebot unterbreitet, das er nicht ablehnen kann: Die Befreiung vom Ghost Rider Fluch. So nimmt schließlich auch Blaze die Verfolgung auf und lässt den Rider immer dann von der Kette, wenn die Schurken wieder attackieren, um den 13-jährigen Satansbraten zu schnappen.

Kritik:
Der erste Versuch, Marvels heißen Antihelden einen Kinofilm zu verpassen, gilt heute als einer der Tiefpunkte des Comicgenres. „Ghost Rider“ (2007), vom vorherigen „Daredevil“ Regisseur Mark Steven Johnson, wird häufig in dieselbe Liga gepackt wie „Elektra“ und „Catwoman“. Der Bodensatz der großen, teuren und bekannten Comicverfilmungen. Ein Neustart musste her. Weil aber Hauptdarsteller Nicolas Cage, dessen absolut wahnsinniges Overacting das einzige ist, was vom ersten Film langfristig im Gedächtnis bleibt, ein großer Fan der Comic-Vorlage ist, musste/sollte/wollte er selbst wieder Johnny Blaze verkörpern. So könnte man „Spirit of Vengeance“ auch für eine Fortsetzung halten, doch bis auf Cage kappt man sämtliche Verbindungen zum Vorgänger. Mit veränderter Ursprungsgeschichte und einem leicht anders wiederholten Hin und Her mit Prophezeiung, Teufel und sonstigen übersinnlichen Bedrohungen, steht der Film schnell genug auf eigenen Beinen. 

'Schnell' sollte überhaupt das Stichwort sein, zumindest wäre das zu erwarten gewesen. Die „Crank“ Regisseure Mark Neveldine und Brian Taylor hatten am Ende von „Crank 2“ schon ihr ganz eigenes Bewerbungsvideo für den Ghost Rider abgeliefert und sollten diesem nun mit ihrem LSD-ADHS-Regiestil wieder auf die Beine helfen. Aus Fehlern wird man ja hin und wieder klug. Auch wenn das Budget im Vergleich zum ersten Versuch ein wenig eingestampft wurde, konnte man sich nur ausmalen, wie Neveldine/Taylor ihren wirkungsvoll infantilen und brachialen Witz auf den Ghost Rider übertragen, der schon im Trailer zu einem Feuer pinkelnden und Pistolenkugeln kotzenden Ungetüm geworden war. Doch in Spielfilmlänge geht dem Regie-Duo schnell die Puste aus. Mehrfach.

Man kann über die beiden „Crank“ Filme sagen was man will, aber als teils völlig überdrehte Ausgeburten internetgesteuerter Jungenfantasien faszinieren sie durchaus. Jason Statham war meist nur zu Fuß unterwegs und doch fühlte es sich mitunter an, als würde man mit einem Starkstromkabel über glühende Lava gepeitscht. Nun bekommen die wie überzuckert inszenierenden Neveldine/Taylor den Ghost Rider vor die Flinte, der mit Ketten, Lederkluft und flammendem Motorrad über die Highways donnert und Bösewichte jeder Art verkohlt. Die Fusion dieser beiden Extreme hätte eigentlich feuriger Wahnsinn werden müssen, doch „Spirit of Vengeance“ ist kaum mehr als ein einsam flackerndes Teelicht, auf das man ab und zu ein bisschen Glitter streut. Ungewohnt hüftsteif und anständig sind die Eskapaden des Riders inszeniert. Eine Szene mit einem Schaufelradbagger ist ein feurig-fröhliches Spektakel-Highlight etwa zur Halbzeitmarke, aber viel mehr kommt danach nicht. Diese Szene alleine macht vielleicht schon mehr Spaß, als der gesamte misslungene erste Film, aber satt wird man davon auch nicht. 

Vielleicht wissen die beiden Regie-Kumpel schlicht nicht, wie man einen Film dramaturgisch wirklich zusammen hält. So verlieren selbst für sich genommen akzeptable Szenen an Wirkung, wenn sie wie beliebig in der Handlung platziert scheinen. Der Prolog, in dem Idris Elba zu einem markanten Flug ansetzt, ist so ein Fall. Kurz kommt Freude auf und plötzlich sackt alles in sich zusammen. Die Actionszenen sind zu kurz und zu rar gesät, um dauerhaft bei der Stange zu halten. Denn auch die Story ist nicht mehr als banalster Okkult-Quatsch, der völlig überraschungsfrei daher kommt. Ein paar hübsch-hässliche Cartoon-Szenen zur Erklärung der Hintergrundgeschichte werden zeitsparend eingesetzt, ansonsten kurvt der Rider nur über Straßen und hängt mit dem Mutter/Sohn Gespann ab. Neveldine/Taylor haben die Handbremse angelegt. Ein Meta-Witz über Internetpiraterie und ein ständig sich selbst feiernder Ghost Rider sind die „Highlights“ im Repertoire der Regisseure. Immerhin macht der Rider selbst mit stark verbessertem Design nun deutlich mehr her, als im Vorgänger. Umso bedauerlicher, dass seine Szenen so kurz, überschaubar und unspektakulär sind, und dass selbst Nicolas Cage nur viel zu selten seinen patentierten Irrsinn spazieren führt. Er scheint sich der Langeweile im Drehbuch anzupassen. 

Charaktermime Ciarán Hinds macht Cage im Grimassen-Wettbewerb sogar ernsthafte Konkurrenz, schafft es ansonsten mangels markanter Szenen aber nicht, wirkliche Bedrohung zu versprühen. Er stattet einen Handlanger mit pfiffigen Fähigkeiten aus, doch auch dort schwimmt das teuflische Treiben bald auf dem Trockenen. Idris Elba als etwas überkandidelter und überreligiöser Nebenheld wird irgendwann in die zweite Reihe verbannt und so dreht sich ein Großteil der Handlung um die eigenartige Patchwork-Familie mit Blaze, dem Teufelssohn und dessen Mutter. Die Szenen auf den Straßen, mit der väterlichen Annäherung zwischen dem auserwählten Kind und seinem dämonischen Beschützer, erinnern zweifellos an „Terminator 2“. Nur sind die Charaktere hier nicht im Ansatz so interessant, die Darsteller nicht so markant und die Atmosphäre nicht so dicht, wie im großen Vorbild. So quält man sich durch zähe Dialogszenen, die schwach geschrieben sind und den Film nur ausbremsen und um Zeit bringen, die man auch mit Actionrambazamba hätte verbringen können. So, wie man das von den Regisseuren erwartet hätte. Für Nostalgiker taucht übrigens noch „Highlander“ Christopher Lambert in einer Mini-Rolle auf, bleibt jedoch genau so unauffällig wie das 3D, dem man immerhin zu Gute halten kann, dass es nicht auffällig stört.

Fazit:
Chance Vertan. Der „Ghost Rider“ Neustart versprach durch die Regie zu einem unterhaltsam-irren Höllenspaß zu werden und ist am Ende nur ein öder, langweiliger und wenig reizvoller Antihelden-Schabernack, dem es an Drive, Ideen und Finesse mangelt. Sogar Nicolas Cage enttäuscht.

3 / 10

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