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Kritik:
Banksy -

Exit through the Gift Shop


von Christian Mester

EXIT THROUGH THE GIFT SHOP (2011)
Regie: Banksy
Darsteller: Banksy

Story:
"Exit through the Gift Shop" ist eine Dokumentation über diverse Straßenkünstler, die sich mit öffentlichen Malereien, Graffiti und ungewöhnlichen Kunstobjekten, wie in Stücke gehackten Telefonzellen beschäftigen. Kritisch kommentiert wird das Geschehen vom berühmtesten aller Straßenkünstler, Banksy.

Kritik:
Dokumentationen gehören jährlich zum Programm der Oscars, doch zumeist sind es kleine Nischenprojekte, die niemand kennt, für die sich niemand interessiert und die ohne größere Beachtung ungesehen untergehen. In diesem Jahr sorgte ein bestimmter Beitrag allerdings für Aufsehen – „Exit through the Gift Shop“. Die Doku schuf Schlagzeilen, da sie teilweise als Portrait des geheimnisvollen englischen Straßenkünstlers Banksy fungiert, und weil sie in ihrer Galubwürdigkeit mehrfach in Frage gestellt wurde. Der Film beginnt mit Aufnahmen des vermeintlich echten französischen Kameramanns Thierry Guetta aka Mr. Brainwash, der sich als großer Fan von Straßenkünstlern ausspricht und eines Tages damit beginnt, diese bei ihrer illegalen Arbeit zu verfolgen. Er zeigt, welche kunstvollen Bilder sie entwerfen, welche verrückten Einfälle sie zustande bringen und welch halsbrecherischen Kletteraktionen sie veranstalten, um bestimmte Gebäude und Einrichtungen der Städte mit ihren Kunstwerken zu verzieren. 

Im Laufe der Doku stößt Guetta dabei auch auf Banksy, einem mittlerweile legendären Künstler, der sich durch beeindruckende Bilder, besonders freche Aktionen und ein völliges Vertuschen seiner Identität einen Namen als mysteriöser König der Szene gemacht hat. Als Banksys Status und Popularität einen Rahmen erreicht, in dem er Bilder für fünfstellige Beträge verkauft und ins Interesse von Hollywood-Stars gerät, kommt Guetta auf die Idee, es ihm nachzumachen. Nach ersten Anläufen mietet er eine Halle, verkauft sein ganzes Hab und Gut und investiert alles darin, Straßenkunst anzubieten, die für ähnliche Höchstpreise über den Tisch gehen soll. Banksy, der anscheinend Filmmaterial Guettas zusammengestellt hat und dieses immer wieder schemenhaft und mit verstellter Stimme kommentiert, betrachtet Guettas Aufstieg vom Tellerwäscher zum Millionär mit größter Skepsis. .

Als Laie ist die Dokumentation der Straßenszene zunächst recht interessant, da man einen Einblick darin bekommt, welche oft übersehene oder schnell wieder entfernte Kunst in mancher Großstadt zu finden ist. Die Männer dahinter werden als echte Künstler präsentiert, die einen faszinierenden Kontrast durchleben: von ungewollten, verarmten Gebäudeschmierern werden sie zu kulturell vergötterten Stars. Dass Banksy selbst nur in Schatten auftritt und sich immerzu verstellt, als sei er Fantomas persönlich, fügt dem Ganzen eine interessante Note hinzu - Geheimnisse, Rätsel, Verborgenes mag man schließlich. Letzten Endes ist "Exit through the Gift Shop" jedoch kein allzu gelungener Film geworden. Gute Dokumentationen geben Einblicke in unbekannte Gefilde und vertiefen Grundwissen, nicht in diesem Fall. Über die Entstehung der Kunstwerke, ihre Bedeutung, ihre Bedeutung für ihre Mitmenschen und der verärgerten Stadtvertreter, die sie immer wieder entfernen lassen, über internationale Kunst-Unterschiede und Wandlungen, sowie über Banksy als Vorbildsfigur, der hunderte Nachahmer nach sich zieht, ist nahezu nicht zu erfahren. 

Stattdessen hinterlässt das Projekt den Eindruck eines oftmals gestellten falschen Films ala „Borat“ oder „Brüno“, der sich nicht komödiantisch ans Publikum, sondern nur kritisch an andere Straßenkünstler richtet. Es ist schon allein seltsam, dass Guetta, der als obsessiv filmender Mann vorgestellt wird, auch nach Abgabe der Kamera weiterhin Filmmaterial bietet, in dem ihn jemand unidentifiziertes unentwegt begleitet und interviewt, das Sell-Out Material dann jedoch einem anderen überlässt, damit dieser über ihn herziehen kann. Es ist seltsam, da Banksy das Portrait Guettas, das die gesamte zweite Filmhälfte einnimmt, nutzt, um Kritik an der Kommerzialisierung von Straßenkunst zu üben – wenngleich er selbst Vorbote dieser Wandlung war. Weitere Mysterien verschwemmen den Film: es ist unklar, ob der gezeigte Mann überhaupt Banksy ist, der Film überhaupt von Banksy stammt, Banksy überhaupt eine Einzelperson ist – manche vermuten, er sei lediglich eine fiktive Kunstfigur und seine Arbeiten Werk mehrerer Künstler – und da auch Guetta fragwürdig ist, bekommt man Schwierigkeiten, überhaupt irgendetwas zu glauben. Damit könnte man problemlos leben, doch das gezeigte Theater ist ein nicht allzu interessantes. Ist die erste Hälfte noch ein netter Einstieg ins eigentliche Thema, leidet die zweite darunter, dass der verfolgte Guetta, der wie Super Mario aus der damaligen Kinderserie aussieht, keinerlei Charisma aufweist und es einem selbst völlig gleichgültig bleibt, was er macht, zumal es keine Wandlungen, Emotionen oder spannenden Schwierigkeiten gibt. Der langweilige Guetta entwickelt auf die Schnelle Kunst und verhökert sie, doch für echte Substanz fehlt es an spitzfindiger Kritik, Selbstironie, zumal sie unwirksam ist, kommt sie vom keineswegs selbstkritischen Vorbild der ganzen Chose.

Letzten Endes wirkt es, als richte sich der Film in erster Linie an andere Straßenkünstler. Vieles wird weggelassen, da dem Zielpublikum bereits klar sein soll, wer oder was gemeint ist. Was als relativ gelungene Einführung ins Geschehen wirkt, scheint doch nur Tribut an die eigene Szene zu sein, die zweite Hälfte über den rags-to-riches Aufstieg eines Geldmachers szenenübergreifende Kritik, die nachdenklich stimmen sollen - aber nur, schleicht man selbst des nachts durch Gassen, um sein Konterfei auf Wände zu sprühen. Als Nichtbeteiligter bleibt man es - nichtbeteiligt, nur geringfügig angesprochen. Filmisch ist der Titel zumindest lebhaft zusammengeschnitten, wenn auch nicht allzu herausragend.


Fazit:
"Exit through the Gift Shop ist dreierlei: ein nur mäßig interessanter Einblick in die oftmals übersehene Graffiti-Szene, eine nur mittelprächtige Vorstellung des legendären Künstlers Banksy, sowie ein nicht allzu gelungener Versuch, die Kommerzialisierung der Straßenkunst kritisch zu betrachten. Für die Szene ein sicherlich toller Film, für Unbeteiligte Unpersönliches.

3,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

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