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Kritik:
G.I. Joe 2: Die Abrechnung


von Christian Westhus

G.I. JOE 2: RETALIATION
(2013)
Regie: John M. Chu
Cast: Dwayne Johnson, Channing Tatum, Adrianne Palicki, Bruce Willis, Lee Byung-Hun u.a.

Story:
Die Superagenten der G.I. Joes werden vom falschen US-Präsidenten hintergangen und beinahe ausgelöscht. Der böse Cobra Commander und seine Schergen formieren sich zu einem gewaltigen Anschlag auf die Welt. Die wenigen überlebenden Joes müssen sich neu organisieren, um eine Katastrophe zu verhindern.

Kritik:
„Transformers“ und die Folgen. Angeregt durch den enormen Erfolg der TF-Filme leierte Spielzeughersteller Hasbro auch die Kinoauswertung einer anderen Spielzeugserie an. Immerhin verkauften sich bei den Transformers auch die Spielzeuge nach den Filmen wesentlich besser. Wahrscheinlich ermöglichte der Erfolg von Michael Bays Robo-Kloppern auch diese Fortsetzung, denn das eher durchschnittliche Einspielergebnis von „G.I. Joe: Geheimakte Cobra“ (2009) verhieß nicht unbedingt großes Interesse der Welt an weiteren Abenteuern der militärischen Super-Kampf-Truppe der „Joes“. Der erste Teil war ein dämlicher, aber irgendwie auch unterhaltsamer Film, bediente er doch auf haarsträubend überzeichnete Art die Fantasie des inneren Zehnjährigen. Turbulenter Radau in einer künstlichen Welt aus Superkämpfern mit urigen Namen, mit Kampfanzügen, Wunderwaffen, verschiedensten Fahrzeugen, Ninjas, versteckten Geheimbasen und null Substanz. 

Die Fortsetzung wurde nun um fast ein ganzes Jahr verschoben, doch wirklich viel scheint sich in dem Jahr mit angeblichen Nachdrehs nicht getan zu haben. Der Trailer von Frühjahr 2012 deckt sich noch immer fast komplett mit dem fertigen Film. Nur das nachträglich hinzugefügte 3D ist neu. Und nicht gut. Den infantilen Blödsinn aber fährt man im zweiten Teil (leider?) um mindestens einen Gang herunter. Die Chose ist ernsthafter, bodenständiger, weniger dämlich, aber natürlich immer noch grottenhohl. Man könnte sagen, „Die Abrechnung“ konzentriert sich eher aufs Wesentlich, aber da das Wesentliche nicht viel hergibt, hatte man mit Teil 1 mehr Spaß. Teil 2 fühlt sich an wie ein leicht überdurchschnittlich cartooniger Agentenfilm (irgendwo zwischen „Stirb an einem anderen Tag“ und „M:I2“), nur eben mit einem Team statt eines Einzelkämpfers. Zwar gibt es explodierende Glühwürmchen, mehrteilige Raketenmotorräder, den obligatorischen Supersatelliten und erfreulich viele Ninjas, doch das Unterhaltungspotential bleibt überschaubar.

Es ist ein Film für waffengeile Jungs und Mädchen, die keine absurd-unrealistischen Stützpunkte Unterwasser brauchen, sondern sich schon freuen, wenn ein kleiner Panzer explodiert. So soll die Vernichtung einer europäischen Großstadt inklusive seiner Bewohner (nicht sichtbar) der spektakuläre Effekthöhepunkt sein, den wir gefälligst abfeiern sollen. Yay. Und das in einem Film, der mit einem irrwitzig einfallslosen Plot die erzwungene atomare Abrüstung thematisiert. Die Organisation Cobra und ihr Commander wollen nämlich mal wieder die Weltherrschaft, wollen alleinige Besitzer einer Superwaffe sein und räumen die Joes aus dem Weg. Alle Joes? Nein, drei recht unterschiedliche Kämpfer haben überlebt und suchen Hilfe bei ihrem Ursprung. Und die Ninja nicht vergessen, bei denen es in einer ausgedehnten Nebenhandlung den wahrscheinlich peinlichsten Gastauftritt des Jahres gibt. 

Der Film ist strukturell und schnitttechnisch ziemlicher Käse. Relativ unharmonisch springen wir zwischen verschiedenen Schauplätzen, Tageszeiten und Splittergruppen hin und her. Es dauert fast eine Stunde, bis sich die Zahnräder von Joes, Cobras und Ninjas verhaken und es halbwegs dynamisch zum Showdown geht. Dabei ist eigentlich ständig was los, doch der Funke springt zu selten über. Angefangen beim so unsinnigen wie holprigen Intro zerstört der Schnitt fast jede Action. Ein paar Stunts, Explosionen und Ballereien sind eigentlich nicht schlecht gemacht, doch die Präsentation macht viel kaputt und3D macht es nicht besser. Selbst der Einsatz von Zeitlupe, wie bei den Ninja-Schwertduellen, rettet nur wenig. Bestes Beispiel, die Ninja-Schwing-Hängepartie an einer Klippe, die eigentlich wunderbar bescheuerter Spaß sein könnte, aber nicht genug Spaß macht. Ein paar flotte Sprüche (insbesondere Johnson und Tatum harmonieren zu Beginn gut, Willis bleibt eher passiv) lockern die Sache auf und bei drei, vier Figuren gibt es sogar den kleinen aber effektiven Blick auf die Vergangenheit und Motivation, was lobend erwähnt werden sollte. Doch wirklich interessanter wird der lauwarme Krawall dadurch nicht.

Fazit:
Der zweite Auftrag der „Joes“ ist wie erwartet Schwachfug, dabei aber leider nicht verspielt und unterhaltsam genug, um den Schwachfug ignorieren zu können. Geerdeter und beherrschter, dadurch aber auch kleiner und langweiliger, mit einigen Patzern in der technischen Umsetzung.

4 / 10

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