BG Kritik:

Gods of Egypt


Hat BG vor 10 Jahren gegründet und seither eine Menge neuer Filme gesehen. War als Redakteur für GameStar und Gameswelt tätig.

Gods of Egypt (US 2016)
Regisseur: Alex Proyas
Cast: Brenton Thwaites, Nikolaj Coster-Waldau, Gerard Butler

Story: Eines Tages übernimmt der böse Gott Seth die Herrschaft über das alte Ägypten, und verbannt seinen verstümmelten Bruder Horus. Als ein junger Mann Horus' Hilfe benötigt, tun sich die zwei zusammen...

Pyramidal falsch errichtet - ein Trotzprojekt?

Gods of Eypt ist eine offensichtliche Titelanlehnung an Exodus: Gods and Kings


Der australische Regisseur Alex Proyas galt früher mal als aussichtsreiches Talent. Nach seinen beiden zu Kultfilmen avancierten Dystopie-Thrillern The Crow und Dark City hatte man ihn sich als interessanten Gestalter unheilvoller Metropolen gemerkt. Proyas wurde oft als geeigneter Mann genannt, ging es um mögliche Realverfilmungen von Stoffen wie Akira, Ghost in the Shell, Sin City, Killzone oder Metro 2033. Mit den 2000ern verlor er sein erarbeitetes Ansehen allerdings nach und nach, nachdem er mit seiner Will Smith Version von Isaac Asimov’s I-Robot was zwar unterhaltsames, aber merklich glatt gebügeltes ablieferte. Weiter ging es mit dem Nic Cage Endzeitstreifen Knowing, der trotz gewisser Qualitäten längst in die Abgründe des Vergessens verschwunden ist. Da er zudem immer ewig braucht, um was neues zu machen, ist Proyas‘ Relevanz in der Filmbranche kaum noch existent.

Dann wollte er es noch einmal wissen und legte alles darauf an, John Miltons legendäres Gedicht Paradise Lost im großen Rahmen zu verfilmen. Er hatte eine Vision vor Augen, doch bis heute ist sie da geblieben, weil sie keiner finanzieren wollte. Nicht kommerziell genug, hieß es. Also machte er Gods of Egypt – aus Trotz, wie es scheint. Ein 140 Millionen Dollar Kampf der Titanen Abklatsch, mit dem er dem Studio sarkastisch all das liefert, was die sich anscheinend wünschten. Die Hauptrollen spielen attraktive junge Gesichter, die aber weder etabliert, noch talentiert, und damit günstig sind. Die Annahme: so lange Teenmagazine darüber berichten, wer wen datet oder wer zuletzt welches Sommerkleid welches Herstellers auch immer trug, wird es schon langen. Bekanntere Darsteller wie Gerard Butler und Geoffrey Rush gibt es auch, aber kostenbetont nur in kleineren Rollen, und darin gänzlich unterfordert. So spielt Butler eine völlig einsilbige Rolle als böser Gott Seth, der sich einem jungen Pärchen und dem gut gesinnten Gott Nikolaj Coster-Waldau aus Game of Thrones gegenüberstellt, aus seinem Gefasel aber nichts machen kann. Jetzt mag man meinen, dass sein Leonidas in 300 auch nicht gerade Texte von shakespeare-schem Niveau zu sprechen hatte, doch da wird unmissverständlich gezeigt, dass im 300 Comic Überlegung steckte. Drohungen lassen sich natürlich auf etliche Weisen aussprechen, doch nur wenige Varianten bleiben im Gedächtnis, wirken, sind amüsant oder hinterlassen Eindruck.

Butler ist kein sonderlich wandlungsfähiger Schauspieler, das ist bekannt, kann aber, passend eingesetzt - siehe Phantom der Oper, 300, Olympus Has Fallen oder Mavericks - durchaus solide fungieren. Hier nicht, weil sich niemand auch nur einen Deut um das Drehbuch gekümmert hat, und Proyas keine vernünftigen Anweisungen gab, wie er was aus der Rolle hätte machen können. Das Drehbuch ist eigentlich recht typisch aufgebaut. Gott und Mensch müssen sich aus jeweils eigenen Interessen zusammentun, um einen bösen Gott zu stürzen. Dieser hingegen sammelt mächtige Artefakte, um unaufhaltsam zu werden. Es schickt die unfreiwilligen Partner auf eine Reise, bei der sie Monster, Magier und Labyrinthe voller Gefahren bestehen müssen. Klingt brauchbar, doch obwohl das alles so stimmt, stimmt das Ergebnis nicht.





So wie Paul W.S. Anderson bei seinem Vulkanfilm Pompeji irrtümlich all die Leichtigkeit seines Die drei Musketiere Remakes wegließ, nimmt sich auch Gods of Egypt popelernst. Anstatt wie die gelungenen Prince of Persia, Hänsel & Gretel: Hexenjäger oder Kampf der Titanen mit leichten Action-Adventure-Qualitäten zu spielen, passiert Proyas dasselbe, was auch Eragon und Seventh Son zu leidlichen Langweilern machte. Sein Film ist zwar nicht todernst gemeint, nichtsdestotrotz aber bemüht, bloß nicht zu lustig zu sein oder in den Actionszenen Spaß aufkommen zu lassen. Was mit dem banalen Script, den flachen Performances (besonders schwach: der neue Black Panther Chadwick Boseman als kluger Gott Toth und Elodie Yung, die Elektra aus der Daredevil Serie, als Magierin) und der unausgewogenen Effektmaschinerie nicht überein passen will.

Die einzige wirkliche Stärke findet sich in der visuellen Gestaltung. Die Mythologie Ägyptens wirkt unverbraucht, weil bisher selten genutzt. Riesige Pyramiden, Statuen und goldene Städte dekorieren eine Fantasy-Version der alten ägyptischen Welt, in der Gott buchstäblich die Sonne von einem Raumschiff aus an einer langen Kette über den Himmel zieht. Die auf der Erde lebenden Götter sind 5 Meter groß und können sich in stählerne Tiere verwandeln. Es gibt feuerspeiende Riesenschlangen, magische Stürme und sammelbare magische Körperteile, die man wie Items in Diablo ausrüsten kann, um seine Fertigkeiten zu verbessern. Das ist technisch zu Dreivierteln ansprechend umgesetzt, doch jede vierte der vielen Sequenzen sieht unfertig aus, bis hin zu unzumutbar unfertig.

Durch den Einsatz vieler Actionszenen mit CGI und Tageslicht ist das 3D prinzipiell okay, nur die Action an sich lässt zu wünschen übrig


Aufgrund der immer wieder enttäuschenden Effektqualität, der demoralisierten Regie und flauen Scriptvorlage sind die Actionszenen, die ja das Rückrat des Filmes zu sein versprechen, allesamt bloß mäßig mitreißend, und ständig ertappt man sich dabei, ähnliches schon dutzende Male besser gesehen zu haben. Vielleicht nicht mit einem stählernen Schakal, der auf einer Pyramide kämpft, aber selbst als die Transformers auf Pyramiden kämpften, gabs da mehr und Besseres zu sehen. Das aktuellste Vergleichsbeispiel wäre vermutlich Jupiter Ascending, das ebenso pharaonenhaft darin versagte, eine faszinierende Welt zu schaffen und durch diese spannende Charaktere auf ein unterhaltsames Abenteuer zu schicken. Ascending war langatmiger als Gods und nahm sich noch wichtiger, hatte dafür jedoch noch bessere Designs und die ein oder andere gelungene Actionsequenz. Am Ende sind beide Filme etwa gleich versandet, bloß dass Gods schon keinerlei Ambitionen hatte.

Fazit:

Seth mal, die sind alle Toth: coole Idee, lahme Umsetzung. Gods of Egypt will sich still und heimlich mit in die glorreichen Grabkammern von God of War, Kampf der Titanen und Prince of Persia betten, hat da aber nichts zu suchen. Statt sorgsam für die Nachwelt einbalsamiert zu werden, gehört dieser effektüberladene aber unfertige Actioner mit Ägyptenlore-Verpackung in einem Fass den Nil runtergespült. Ra, wirf Hirn vom Himmelsschiff.

3 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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