BG Kritik:

Godzilla 1954, Godzilla - Die Rückkehr des Monsters 1984, Godzilla 1998, Godzilla 2000: Millenium 1999


von Christian Mester

Der Godzilla Mythos hat vor dem US-Reboot 2014 mit Bryan Cranston bereits 4x einen Reboot erlebt. Hier ein kleiner Überblick über die vier wichtigen Godzilla-Einträge - das Original aus dem Jahr 1954, der Beginn der Heisei-Ära 1984, das erste US-Remake von Roland Emmerich aus dem Jahr 1998 und die bislang dritte und letzte neue Gummianzugära, die 1999 begann.

Godzilla (1954) - Showa Ära


Der Zweite Weltkrieg war keine zehn Jahre her, da stieg der König der Monster das erste Mal aus dem Wasser hervor. Dieser erste Teil erfüllt den gleichen Status wie der erste Rambo – nämlich, dass er dem gesellschaftlich geprägten Klischee seiner Figur eigentlich überhaupt nicht entspricht und für jeden, der nur die alberneren Teile kennt, eine wahre Überraschung darstellt. Es begann nicht als selbstironischer Trash mit einem Robotergodzilla oder albernen Aliens, und auch gewiss nicht als die Art Film, die für gewöhnlich Kinderspielzeug nach sich zieht.

Noch in Schwarz/Weiß inszeniert, ist es ein melancholischer, mahnender Horrorfilm, der die Schrecken des Krieges und die Bedrohung durch Nuklearwaffen verarbeitet. Godzilla personifiziert die Schuld und Gefahr der Atommächte und wütet unaufhaltsam, zahlreiche Tote verursachend. Dramatische Tote, die Trauer auslösen, statt heiterer Popcornbodycount. Es gibt da zwei Filmfassungen: eine rein japanische und eine amerikanische, mit zusätzlichen Szenen und einem US-Reporter, der per Flashback von dem Sieg über Godzilla berichtet. Letztere darf als die ultimative Fassung gesehen werden, zeigt sie doch, wie die Hiroshima/Nagasaki Gegner das Törichte des Krieges verstehen und dann zusammenhalten, um diese neue Gefahr zu bannen.

Der Film ist selbst für eine Schwarz-/Weiß-Produktion absichtlich sehr dunkel gehalten und versucht nicht im geringsten, das aufregende Abenteuergefühl des 33er King Kongs nachzuäffen. Jeder Auftritt Godzillas ist schwermütig inszeniert, und je mehr es auf das Ende zugeht, desto trauriger wird es. Beispiellos ist der Showdown, in dem die Vernichtung des Ungetüms kein spannender Action-Anstieg, sondern eine langsame, traurige Tötung eines eigentlichen Naturwunders ist, inklusive eines Selbstmordes eines gutherzigen Mannes, der Godzilla, die Strafe der Natur für die Entwicklung schrecklicher Waffen, traurigerweise nur mit einer noch schrecklicheren besiegen kann – die bitterböser Weise nach auch noch sein Lebenswerk ist. So ist es sein heroischer Akt und die Aufgabe noch viel größeren Zerstörungspotentials, die die Welt dieses eine Mal vor Schlimmeren bewahrt.

Aufgrund der Existenz von Panik in New York (s. unten) kein originelles Konzept. Ishiro Honda adaptiert das actionlastige Vorbild allerdings als dramatisches Kriegsdrama, was vor dem Hintergrund Hiroshimas an ganz anderer Bedeutung gewinnt. Spannend inszeniert und mit einer gewaltigen Theme, muss Godzilla 1954 ein unglaubliches Kinoerlebnis gewesen sein. Heute? Ein spannender Monsterklassiker, den man kennen muss.

Die Showa-Epoche wurde nach dem Erstlingserfolg rasch ausgebaut. Da der erste Godzilla bis auf die Knochen aufgelöst worden war, kam im zweiten Teil kurzfristig ein zweiter, und es sollte nicht das letzte Mal gewesen sein, dass das Entwicklungsstudio Toho Wege fand, Godzilla immer und immer wieder auferstehen zu lassen. In der Showa Ära fand er in der Riesenmotte Mothra, dem dreiköpfigen, armlosen Drachen Ghidorah und dem Robo-Doppelgänger Mechagodzilla alsbald seine treuesten Gegner, die er immer wieder treffen sollte. Godzilla kämpfte gegen alle möglichen anderen Kaiju, wurde dann mit der Zeit aber immer kinderfreundlicher, die Filme alberner, die Regiemühen schwächer. Godzillas Strahl schien also zu verblassen.

8/10

Godzilla - Die Rückkehr des Monsters (1984) - Heisei Ära


1975 waren rückblickend in elf Jahren zwölf Filme erschienen und so langsam schien es, als hätte selbst Japan genug von ihrer schuppigen Ikone, die bereits in scheinbar immer günstiger aussehenderen Filmen vorkam. Eine dringend nötige Pause setzte also ein, die eine Dekade andauern sollte, um anschließend einen ganz neuen Godzilla zu präsentieren. Die Rückkehr des Monsters kam sehr viel ernster daher und brachte die Echse zurück zu ihren Horrorwurzeln, zeigte ihn als bösen, unaufhaltsamen Schrecken.

Mit einem größeren Budget wollte man die Reihe, die in den USA schon nur noch limitiert im Kino oder direkt im Fernsehen anlief, nochmal neu schmackhaft machen, und die besseren Kostüme und detailierteren Miniatursets waren dafür auch ein echter Neugewinn. Obwohl der Film auch recht gut ist, konnte er die Staaten aber nicht mehr für sich erobern – bis zum 98er US-Godzilla sollte es der letzte seiner Art bleiben, der in US-Kinos zu sehen war.

Return zog die Heisei-Ära nach sich, die man wohl zur stärksten der drei großen Japan-Äras bezeichnen darf. In den Folgefilmen traf Godzilla auf die Riesenpflanze Biollante und hatte solide Treffen mit seinen drei besten Freunden Ghidorah, Mothra und Mechagodzilla. Die Reihe endete glorreich mit Godzilla vs. Destoroyah, in dem Godzilla in einem fast emotionalen Ende eine Kernschmelze erleidet und stirbt.

6/10

Godzilla (1998)


“Gojira, Gojira”? Nein, Gino - Godzilla in Name only. So hämisch nennen die meisten Gojira-Fans den ersten US-Reboot des grünen Dicken, damals gedreht vom Independence Day Regisseur Roland Emmerich. Der Film hatte 98 eine der aufwendigsten Marketingkampagnen („Sein Fuß ist so lang wie dieser Bus“) und sorgte für Puffy Daddy und volle Kinos, setzte sich damit aber gleichzeitig unerfüllbare Erwartungen. Man war in der Regel solide unterhalten, empfand ihn allerdings nicht als das Mega Event des Jahres, d.h. nicht als Emmerichs neuen Independence Day – weswegen er trotz vorzeigbaren Erfolgs als Enttäuschung gilt.

Was unter Reihen-Fans bis heut für Sodbrennen sorgt, war Emmerichs Entscheidung, Godzilla zu einem Tier zu machen. Statt antromorpher Züge war es ein überdimensionierter Leguan, ein Super-Tyrannosaurus Rex. Der keinen radioaktiven Strahl schießen konnte, nicht unzerstörbar war und dann auch noch asexuell anfing, Eier zu legen. Eine Kontroverse, von der sich später auch Toho distanzierte, als sie CGI-Gino im 2004er Godzilla: Final Wars symbolisch vom klassischen Gummigodzilla kaputtschießen ließen.

Obwohl Godzillas erste Spuren bis hin zu seinem Auftritt großartig inszeniert sind und das Tempo anschließend hoch und die Effektarbeit solide bleibt, schlittert der Film ab der Hälfte popcornmäßig unsicher über Glatteis. Dass sich Godzilla in Manhattan ernsthaft verstecken kann ist auf Dauer schwer zu kaufen und die grenzenlose Unfähigkeit des Militärs irritierend. Bei aller Konzentration auf Godzillas Biologie verlor man zudem die Menschen aus dem Auge. Matthew Broderick als rückratloser Würmerforscher beschäftigt sich mit einer uns gleichgültigen Beziehungsrettung und in der in allen anderen Filmen sonstige Badass Jean Reno kaut bloß desinteressiert Kaugummi. Immerhin blieb man damit der Reihentradition treu, abseits Godzillas weitestgehend belanglose Personenschicksalen zu folgen.

In Bezug auf die Godzilla-Reihe sollte man den Film am besten als weit entfernte Neuinterpretation sehen, so weit weg, dass wir zeitlich noch vor dem Original ansetzen müssen. Ein Jahr vor dem 54er Godzilla gabs nämlich einen Film namens „Panik in New York“ (The Beast from 20,000 Fathoms), in dem eine von Atombomben geweckte, tierische Riesenechse durch New York zieht. Im Grunde hat Emmerich heimlich den neu verfilmt, als akzeptables Hirnaus-Popcornkino. Als Godzilla-Teil ist seiner jedoch fraglos zu fremdartig.

Dem Emmerich-Godzilla sollte eigentlich ein Sequel folgen, in dem übrig gebliebenes Baby auf ein Rieseninsekt stößt, aber weil die Resonanz auf den ersten zu negativ ausfiel, ließ man davon ab. Immerhin gab es eine Fortsetzung als Zeichentrickserie, die es auf 40 Folgen brachte.

5,5/10

Godzilla 2000: Millenium (1999) - Millenium Ära


Nach der großen US-Schande kehrte Toho mit der Millenium-Reihe also zum Gummi zurück. Fans werden sich gedacht haben „Banzai! Endlich wieder ein klassischer Godzilla, schau Roland, so wird’s gemacht“, aber was dann kam, konnte Team Emmerich nicht wirklich beeindrucken. Langatmig und ohne Neuerungen hat dieses träge Comeback nichts, was man in den vielen anderen Gummianzug-Teilen nicht schon besser gesehen hätte. Ja, es war wieder ein traditioneller Anzug-Godzilla, aber – nein Moment, war es nicht. Als erster der japanischen hatte dieser CGI-Godzilla Szenen, nur mit einem Hundertstel des Emmerich-Budgets umgesetzt - also in grottig schlecht, den behüteten Gummi-Charme nun selbst verratend.

Im Film wecken Menschen versehentlich ein UFO auf, das die Welt erobern will. Ein unförmiger Godzilla-Klon namens Orga will den Dicken, der in seiner neuen Form stachelig ausschaut und einen scheelen Überbiss hat, am Ende aufessen, aber das will dann nicht so recht klappen… wie die vielen billigen Computereffekte oder der Film an sich. Die weiteren Teile sind dann kurioserweiseweise alles ebenfalls Reboots, die den jeweiligen Vorgänger außer Acht lassen. Die zweifellos beste Story hat davon noch der neue Godzilla vs Mechagodzilla (ja, und auch Mothra und Ghidorah kamen wieder vor, weil Einfallsreichtum).

Darin baut man mit Hilfe der Knochen des alten Godzillas einen Mechagodzilla, der dann von dem Geist des 54 gestorbenen Godzillas besessen wird und plötzlich Amok läuft. Leider wie sonstige Stärken nur eine kuriose Seltenheit, denn generell war die gesamte Millenium-Reihe unweigerlich schwach. Der letzte Schaufelschlag aufs Grab hieß Final Wars, ein Film, der so ziemlich den größten aller Kaijukader aufstellte, Godzilla und seine Antagonisten aber auf kürzeste Geplänkel degradierte, weil Regisseur Kitamura offensichtlich statt eines Kaiju Wrestlemanias lieber eine gewollt coole Agentengeschichte mit Matrix artigen Kampfszenen inszenieren wollte – die aber niemand sehen wollte.

4/10

Fazit:


Die vier verschiedenen Neustarts des Godzilla Mythos sind in ihrer Unterschiedlichkeit interessant. Das Original ist ein finsteres Mahnmal des Zweiten Weltkriegs, der erste Reboot eine moderne, bemühte, aber nicht mehr so eindrucksvolle Neuauflage. Roland Emmerich entfernte sich 1998 weit vom Mythos und versuchte Godzilla als reales Tier zu inszenieren, sehr zum Ärger der Fans der Fantasyelemente Godzillas. Die Rückkehr zum Gummianzug vollbrachte es jedoch nicht, die charmanten Stärken der früheren Äras wiederaufleben zu lassen.

Godzilla Tipps: Welche man sich bei Interesse mal von den fast 30 Filmen anschauen kann (außer das Original und 84er):

- Die Rückkehr des King Kong / King Kong vs. Godzilla (1962) - der mit dem Kong

- Godzilla und die Urweltraupen / Mothra vs. Godzilla (1964) - der mit der Motte

- Godzilla gegen Destoroyah / Godzilla vs. Destoroyah (1995) - der mit der Kernschmelze

- Godzilla, Mothra and King Ghidorah: Giant Monsters All-Out Attack (2001) - vergnüglich trashiges Royal Rumble

> Lies alle Meinungen zum Film! (226)


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