BG Kritik:

Godzilla


von Christian Mester

Godzilla (US, 2014)
Regisseur: Gareth Edwards
Cast: Aaron Taylor-Johnson, Elizabeth Olsen, Ken Watanabe

Story:
Vor Jahren verlor der Techniker Joe seine Frau bei einem Vorfall in einem Atomkraftwerk und noch immer scheint die Regierung damit verbundene Dinge zu verschweigen. Joe soll Recht behalten, denn es erscheint ein gewaltiges, MUTO genanntes Monster, das sich agressiv auf das US-Festland zubewegt. Gut, dass Godzilla folgt, der aus der Tiefe des Meeres aufsteigt…

Beim Oxygen-Zerstörer, der strahlenspeiende, vulkantauchende Tiefsee-Riesenlizard Godzilla hat nicht ohne Grund eine der längsten Filmreihen und ist das mit ziemlicher Sicherheit berühmteste aller Leinwandmonster. Natürlich würde man ihn gern häufiger für das westliche Publikum neu verfilmen, aber Godzilla hatte ja 1998 bereits ein Remake, das für die meisten ziemlich in die Hose ging. Es muss demnach eine gehörige Menge Versprechungen (oder hohe Lizenzgebühren) gekostet haben, dass Toho ihren Liebling noch einmal hergab. Was aber auch nicht weiter stören sollte, da die letzte Gummianzug-Ära seit zehn Jahren regungslos schlummert.

Unerbittlich cool: der neue grüne Dicke


Regisseur Edwards hat sich den gescholtenen Emmerich scheinbar genau angesehen und versucht ambitioniert, all das zu korrigieren, was Fans an dem fehlte, angefangen mit der Ernsthaftigkeit. Bis zu seinem Stadtbummel war der 98er auch noch vermeintlich spannend inszeniert, dann aber gabs fast so viel unkoordinierten Kollateralschaden wie in Man of Steel, quiekende Baby-Godzillas und ein Taxi, das aus Godzillas Maul springt. Edwards Remake personifiziert Godzilla und seine beiden Monstergegner nun nicht als Tier, sondern als Naturkatastrophen, und so fühlt sich der Film auch eher wie The Impossible als wie ein Abenteuer-Actionfilm an. Die Lage ist wirklich ernst, der Verlust groß und man hält sich mit entspannendem Humor zurück.

Es ist aber auch der erste US-Godzilla, der zusätzliche Kaijus mit in den Ring holt. Die MUTOs sind neu geschaffen und nicht aus dem 28-Teile-Topf der japanischen Filme übernommen und ja, dieser Godzilla ist wieder unzerstörbar und kann schießen. Bei aller Ernsthaftigkeit hat man den Spaß also nicht aus den Augen verloren. Mit ihren kantigen Formen könnten die MUTOs fast mit dem Cloverfield Monster verwandt sein. Sie sind auch durchaus beständig genug und bieten Godzilla ordentlich Gegenwehr. Lustig ist, dass Edwards die eigentlich verpönte Nachwuchsidee aus Emmerichs übernimmt und selbst besser neu verwertet.

Der beste Godzilla seit über 50 Jahren


Edwards orientiert sich jedoch auch sehr am 54er Originalfilm, was Godzillas Auftritte betrifft. Es nimmt viel Zeit in Anspruch, bevor Godzilla das erste Mal in all seiner Pracht zu sehen ist, und das Getease von Körperteilen und wackeligen Bildern als Fernsehaufnahme wird so auf die Spitze getrieben, dass man sich glatt an Hideo Koijmas regelmäßiges Metal Gear Solid Marketing erinnert fühlt. Ganz im Stile von Vorbildern wie Jurassic Park oder dem Weißen Hai versucht man das Monster wenig, aber dafür dann besonders gewaltig zu zeigen. Das ist zum einen gut geschafft. Godzilla sah wahrscheinlich nie besser aus - Fans können von einer US-Version wirklich nichts besseres als das hier verlangen, er ist perfekt inszeniert - und die Tatsache, dass Edwards viele Szenen aus der mickrigen Sicht von Menschen einfängt, lässt ihn noch viel gewaltiger erscheinen. Die Effektemacher dürfen sich zudem bei Alexandre Desplat und dem Soundtream bedanken, die ihrer tollen Effektarbeit mit einem gewaltigen Monsterfilmsoundtrack und einem gelungenen neuen Brüllen zuarbeiten, das Godzilla würdig neu interpretiert.

Edwards Godzilla Auferstehung ist ein unterhaltsamer Film geworden, der mit der Ernsthaftigkeit eines Batman Begins daher kommt, sich aber ebenso wie der nicht zu schade ist, einen komischen Helden zu haben, der mit besonderen Fähigkeiten gegen skurrile Kollegen kämpft. Zu einem The Dark Knight Kaliber schafft er es aber noch nicht, was den wuseligen Menschen zuzuschreiben ist. Als aufgewühlter Dr. Serizawa ist Ken Watanabe sehenswert, erreicht die Melancholie Akihiko Hiratas Serizawa aus dem Original aber nicht. Juliette Binoche und Bryan Cranston kommen zu kurz vor um ihre Talente spielen zu hinterlassen. Elizabeth Olsen, die begabte der Olsen-Schwestern und „Kick-Ass“ Aaron Taylor-Johnson sind zwar sehr viel zugänglicher und angenehmer als Matthew Brodericks und Maria Pitillos Charaktere im Emmerich, aber das Wegstreichen derer schlecht geschriebenen Beziehungsrettung wurde durch nichts ersetzt. Sie ist eine gewöhnliche Krankenschwester, er ein treuer, gesichtloser Soldat, der handlungsbedingt immer wieder auf die Monster trifft.

Der Anspruch bleibt nicht viel höher als bei Cloverfield, auch wenn Edwards Regie reifer wirkt als Matt Reeves' (Cloverfield). War der 1954er Originalfilm ein Kriegs- und Atombombenmahnmal, kritisiert der neue Fukushima und Atommüllentsorgung, doch beide Ansätze reichen nicht sehr tief und werden von der Inszenierung der Kaijus als dem Menschen überlegene Naturgewalten überschattet. Bliebe als letzter Vergleich Pacific Rim, mit dem Edwards Film vieles gemeinsam hat. Die Effekte sind gleich gut, die Kämpfe gleich spektakulär, die Menschen etwa nur gleich ausreichend, nur von der Stimmung her ist Rim noch sehr viel bunter und hektischer. Wer für sein US Kaiju-Kino also auf etwas Action verzichten kann und dafür gern Spannung spürt, wird zufrieden sein.

Fazit:

Ein Comeback mit großen Schritten. Gareth Edwards belebt den König der Monster als starken Monster- und mittelmäßigen Katastrophenfilm wieder, der meistens fesselt und die legendäre Titelfigur mit größter Sorgfalt würdigt. Als Genrewerk, was Godzilla betrifft, in der Qualität ein Geektraum, der dann im zweiten Teil die Motte, den Pterodactylus, den Mecha-Klon, die singenden Zwillinge und den dreiköpfigen, armlosen Drachen bringen darf.

7,0 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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