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Kritik:
Stirb Langsam - Ein guter Tag zum Sterben


von Christian Westhus

A GOOD DAY TO DIE HARD
(2013)
Regie: John Moore
Cast: Bruce Willis, Jai Courtney, Sebastian Koch

Story:
In Moskau streiten sich Unterwelt, Terroristen und Politik um eine ominöse Akte, die wichtige Beweise enthält. John McClane will in der russischen Hauptstadt eigentlich nur seinen Sohn besuchen, den er lange nicht gesehen hat. Es stellt sich heraus, dass Sohn Jack beim CIA arbeitet und einen Kronzeugen sicher außer Landes bringen soll. Als McClane auf McClane trifft, fliegt plötzlich alles um sie herum in die Luft.

Kritik:
Obwohl er ein „Expendable“ war und ist, verlief die Karriere von Bruce Willis überwiegend anders als die seiner Kollegen Stallone und Schwarzenegger. Willis Rollenauswahl war flexibler, sein Auftreten war nie das einer unzerstörbaren Tötungsmaschine aus Muskeln. Seine „Stirb Langsam“ Reihe, die ihm wohl praktisch im Alleingang (neben freundschaftlichen Verbindungen zu den Kollegen) die Beteiligung an den „Expendables“ verschaffte, war bodenständiger als die meisten Filme, mit denen die Expendables Kollegen berühmt und beliebt wurden. „Stirb Langsam“ gehörte so lange zu den ganz großen Klassikern des modernen Actionkinos, bis es auf einmal vier Teile gab. „Stirb Langsam 4.0“ bugsierte 2007 einen gealterten John McClane ins Informationszeitalter und erweiterte seinen Handlungsspielraum. Spätestens mit dem nun fünften Teil, „Ein guter Tag zum Sterben“, ist aus den Abenteuern des John McClane plötzlich lärmendes Krawallkino geworden. Weniger zynisch, dafür ähnlich unpersönlich und inhaltlich belanglos wie das Klassentreffen der 80er Jahre Klopper in den „Expendables“ Filmen. „Krawumm – Der Film“ 

Der Richtungswandel deutete sich mit dem vierten Teil bereits an, doch Nummer 5 geht noch einen Schritt weiter und ist eine durchgängig seelenlose Angelegenheit, bei der es immer mal wieder mächtig rumst, wo der Funke aber fast nie wirklich überspringen will. In einer frühen Actionszene wird relativ zu Beginn Platz auf Moskaus Straßen geschaffen. Mehr Autos gehen zu Bruch als in einer durchschnittlichen Staffel „Cobra 11“. Einfach weil man’s kann. So wirklich unterhaltsam ist die zunehmend absurder wirkende Dauerverschrottung von Fahrzeugen allerdings nicht, ist sie doch zudem auch schlecht eingefangen. Schnitt und Kameraarbeit driften mitunter ins „Ein Quantum Trost“ Territorium ab (dazu Lensflares der Marke Len Wiseman und JJ Abrams), wackeln unmotiviert hin und her und lassen überhaupt keinen durchgängigen Inszenierungsstil erkennen. Zum Ende hin wird eine prachtvolle Zerstörung in Superzeitlupe eingeschoben. Auch hier, einfach weil’s cool aussieht. Aber Regisseur John Moore hat eh keinen nachvollziehbaren oder erkennbaren Stil, inszeniert platteste Klischees des halb modernen, halb retrofizierten Actionkinos, das zurzeit abseits von Superhelden die Kinos bewuchert.

Unser alter Freund John McClane stolpert in eine bleihaltige Verschwörung rund um geheimnisvolle Akten, einen bedeutungsvollen Kronzeugen und waffenfähiges Uran. Er behauptet mehrfach, doch einfach nur Urlaub machen zu wollen, was schon mal glatt gelogen ist. Als er nach vielen Jahren seinen Sohn wieder trifft und zwar gerade dann, als dieser gerade um sein Leben flüchtet, eiert diese Person, die da John McClane sein soll, verwirrt und ungeschickt hinterher und will wissen, was gerade vor sich geht. McClane nervt wie ein hysterisches Elternteil, das den beängstigenden Verdacht hat, das eigene Kind könnte doch – ach du Schreck – gewisse „Erfahrungen“ sammeln. Script und Regie lassen Bruce Willis mit flotten Sprüchen und Onelinern um sich werfen, die aber zu 90% derart mies und beliebig in den Film integriert sind, dass sie fast keinen Spaß machen. McClane wird zu einer Blaupause eines Actionhelden, den man mit Klischees und stereotypen Ideen füllen kann, was immer das Script gerade braucht. Und Sohnemann schließt sich dem an. Darsteller Jai Courtney ist kein Meisterschauspieler, hat aber ein gewisses Grundcharisma, das für einen Film dieser Art allemal ausreicht. Doch im Duo mit Bruce Willis, der eigentlich halbwegs motiviert scheint, will das nicht so wirklich funktionieren, weil das Script keine Ideen hat, McClane Junior innerhalb von ein paar Minuten vom „ich habe immer einen Plan“ Typen zum „wir marschieren rein und sehen was passiert“ Typen macht. Er ist nun mal doch Vaters Sohn. 

Willis‘ McClane hat schon in seinen vorherigen Filmen schier Unmenschliches geleistet; nicht ohne Grund hat die Reihe ihren viel sagenden Titel. Doch in „Ein guter Tag zum Sterben“ werden die McClanes zu unverwundbaren Übermenschen, die nach diversen Autounfällen, Schießereien, gewaltigen Stürzen und dicken Bolzen im Fleisch (!) schulterzuckend zur Waffe greifen und weiter machen. Phantome des Actionkinos, Abziehbildfiguren, die in beliebig eingestreuten Szenen vorgeben, richtige Charaktere zu sein. Im Dauerfeuer aus „John.“ – „Jack.“ – „John.“ – „Jack.“ hängen Vater und Sohn die Namen des Anderen an ihre Sätze und Aussagen, damit wir a) wissen, mit wem wir es zu tun haben und b) lernen, dass Sohnemann McClane ein Problem mit seinem alten Herrn hat. Denn er nennt ihn nicht Dad. Au weia. Die zwischenmenschliche Tragik ist so schlecht geschrieben wie es schlecht gespielt ist und ist dabei so banal wie deplatziert. Dad hat sich in der Vergangenheit rar gemacht, ist sich seiner Fehler aber bewusst, was dem ach so entfremdeten und feindseligen Sohn scheinbar reicht, um gleich mehrere sentimentale Versöhnungsszenen anzudeuten, die angesichts der banalen Story, der ansonsten leeren Figuren und hundsmiserablen Dialoge einfach nur dämlich wirken. 

Dämlich passt aber zum Gesamtfilm, der sich mit einer zunehmend absurder erscheinenden Logik vergaloppiert, insbesondere wenn es nach Chernobyl geht (Stichwort Gas). Da sieht man die Idiotie von „Prometheus“ plötzlich mit ganz anderen Augen. Das amateurhaft widersprüchliche Script von Skip Woods verbaut uns die Überraschung eines Twists ungefähr zur Halbzeit, weil wir die Hintergründe der Verschwörung schon ziemlich früh in überflüssigen und langweiligen Nebenhandlungsszenen erklärt bekommen. Im Finale holt man mit der Eskalation der Figurenkonstellationen und Ereignisse auch niemanden mehr hinterm Ofen hervor. Es kracht gewaltig, aber es ist weder dynamisch, noch irgendwie fintenreich inszeniert und zudem auch relativ schnell vorbei. Lärmiger Krawall halt, den man ohne lange zu suchen in anderen Filmen besser bekommen kann und der für eine große Produktion wie diese eigentlich nicht ausreicht.

Fazit:
Selbst wenn man den Film als beliebigen Action-Reißer sieht (was durchaus Frustration erspart), ist dieser schlecht geschriebene, einfallslos inszenierte und nie wirklich mitreißende fünfte „Stirb Langsam“ eine Enttäuschung. Trotz hohem Materialverschleiß will die Action kaum wirklich Spaß machen und die Behelfsstory mit ihren Behelfsfiguren ist dabei auch keine Hilfe.

3,5 / 10

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