BG Kritik:

Guardians of the Galaxy Vol. 2


Ein B-Movie Freund, der seit einigen Jahren in Köln heimisch ist und dort erfolgreich Design studiert hat. Seitdem schiebt er u.a. Pixel hin und her.

Guardians of the Galaxy Vol. 2 (USA 2017)
Regisseur: James Gunn
Stimmen: Chris Pratt, Zoe Saldana, Dave Bautista, Kurt Russell, Karen Gillan, Michael Rooker, Elizabeth Debicki und Sylvester Stallone

Story: Nachdem sie in Teil 1 die Galaxie gerettet haben, müssen die Guardians of the Galaxy nun erneut ran. Es gilt, ja, erneut, die Galaxie zu retten.

In 2014 wurde Guardians of the Galaxy zu einem Überraschungserfolg und Überflieger an den Kinokassen, denn das bunte Marvel-Team aus Outlaws, Kopfgeldjägern oder schlichten Draufgängern hatte zum Start weder besondere Star Power, noch eine sonderlich massenbekannte Vorlage zu bieten. Trotzdem rannten Millionen von Zuschauern in den zum Marvel Cinematic Universe (MCU) gehörigen Film. Das Ergebnis war einer der Top-Titel aus dem Hause Marvel; witzig, charmant und mit Herz ausgestattetes Blockbusterkino - unterlegt von einem coolem Mixtape - mit tollen Effekten und einem gut harmonierendem Cast. Gute drei Jahre später ist Chris Pratt zum Blockbuster-Zugpferd mutiert und der Name Guardians of the Galaxy ist im Mainstream angekommen. Zeit also, den unverschämten, frechen, ja, schlicht so schön anderen Marvel-Helden ihren zweiten Auftrag zu erteilen. Genauer gesagt hat Peter Quill alias Star Lord (Chris Pratt) zusammen mit Gamora (Zoe Saldana), Drax (Dave Bautista), Rocket (Stimme: Bradley Cooper) und Baby Groot (Stimme: Vin Diesel) einen Auftrag von den genetisch perfektionierten - und mit perfekt strahlendem Gold-Teint leuchtenden - Sovereign, rund um Ayesha (Elizabeth Debicki) angenommen. Ihr Job: einen mit Tentakeln um sich schlagenden Welteneroberer abzuwehren, der alsbald vorbeizuschauen droht.

Regisseur und Autor James Gunn wird auch Vol. 3 machen


Ooga-chaka, ooga-chaka... Die Guardians sind zurück, und mit ihnen der verrückte Spaß im All. Jain, leider nicht ganz. Wieder inszeniert von James Gunn und mit dem kompletten Hauptcast und etlichen Nebenfiguren des Erstlings ausgestattet, startet Guardians of the Galaxy Vol. 2 mit einer ebenso fulminant lustigen, wie Action durchfluteten Eröffnung in das Abenteuer. Stark, selbstsicher und zugleich selbstironisch, macht sich Vol. 2 des Mixtapes daran, dort anzuknüpfen, wo Teil 1 mit dem Abspann und dem tanzenden Groot Sprössling endete. Allerdings nur um danach an Drive zu verlieren, das Team zu splitten und erst pünktlich zum Finale zu alter Stärke zurück zu finden. Zwar sind die Guardians zurück und es gibt wieder verrückten Spaß im All, aber auch schwarze Löcher, welche offenbar die Spannung anzogen, und nur viel luftleeren Raum hinterließen.

Neu dabei Kurt Russell als Ego, welcher sich dem Team alsbald als der biologische Vater von Peter Quill zu erkennen gibt, der diesen seit Jahrzehnten sucht. So bisher. Man erinnere sich, einst hatte Quills Daddy einen Deal mit den Ravagers, seinen Sohn von der Erde "abzuholen". Doch deren Anführer Yondu (auch wieder dabei Michael Rooker) behielt den Bengel lieber, anstatt ihn bei Papa abzuliefern. Das mag rückblickend betrachtet die richtige Entscheidung gewesen sein, denn in Guardians of the Galaxy Vol. 2 wird schnell klar, dass Ego mehr für sich und seinen Sohn plant, als nur verlorene Zeit aufzuholen und mit dem kleinen Star Lord ein wenig Ball zu spielen, und Erinnerungen an die geliebte Mutter auszutauschen. Ja, Ego ist der Bösewicht des Films und daraus macht man auch kein Geheimnis. Und Kurt Russell ist toll, macht viel aus seiner Rolle und gibt keinen langweiligen 08/15 Bösewicht ab, wie man ihn von Marvel ja zumeist doch eher gewöhnt ist. Er übertrumpft hier zwar nicht Loki als besten Bösewicht im MCU, macht aber einen guten Job, hat sichtlich Spaß an seiner Rolle und gehört definitiv zum Besseren an Guardians of the Galaxy Vol. 2, einem Film, dem insgesamt etwas fehlt.

Vermutlich werden wir die Guardians in "Infinity War" wiedersehen


Wieder gibt es wunderschöne und kreativ gestaltete Weiten des Weltalls, bevölkert von allerhand unterschiedlicher Kreaturen, jeder Menge schräger Ideen, dazu gefühlte Unmengen von Easter Eggs und Cameo-Auftritten von bisher nicht eingeführten oder auch bekannten Marvel-Figuren... Dazu gibt es wieder oft und viel zu lachen und auch genug Action ist drin... spannend macht dies alles den Film aber noch lange nicht, bzw. nicht über die volle Distanz. Es fehlt an Schwung. Stattdessen verlässt sich Drehbuchautor und Regisseur James Gunn viel zu sehr auf den wieder unglaublich tollen Soundtrack als Antriebs- und Emotions-Lieferanten, vermag es aber nicht, damit die offenkundigen Schwächen in Inhalt und Dramaturgie zu verhüllen. Auch fehlt es oft mehr als merklich an Vortrieb, verbleibt dabei verdammt überraschungsarm und gleitet mehr dahin, als mit Hyperspeed durch das All zu fetzen. Das passiert zwar, so wortwörtlich, aber es kommt langsamer vor. So sind die 136 Minuten Laufzeit zu lang, und fühlen sich gar noch länger an. Wer Hoffnungen hatte, Guardians of the Galaxy Vol. 2 könnte das Marvel-Äquivalent zu Das Imperium schlägt zurück werden, dürfte enttäuscht werden. Eben ein besserer Nachfolger eines bereits verdammt starken Vorgängers, mit verbesserten Effekten, mehr Spannung, besserer Figurenzeichnung und stärkerem Verbund der Hauptfiguren. Der Mittelteil und zugleich stärkste Film einer (geplanten) Trilogie eben. Nein, das ist Vol. 2 leider nicht geworden. Aber eben auch kein schlechter Film. Denn auch wenn die Figuren hier ähnlich wie im zweiten Krieg der Sterne auseinander gerissen werden, profitiert der Film nicht davon und macht auch nichts aus der veränderten Dynamit zwischen den nun versplitteten Teilen des Teams. Hier zeigt sich, dass die bunt zusammengewürfelte Truppe immer dann am besten ist, wenn sie es ist, eine Truppe eben. Leider teilt sich der Weg des Teams erwähntermaßen allzu schnell und mit der Aufteilung gehen auch Spannung, Drive und Schwung getrennte Wege. Was bleibt sind Spaß und Action, welche sich nach dem Verlust einiger Reibungspunkte und Teilen der Gruppendynamik, mehrheitlich in Einzelszenen der jeweils aktiven Mitglieder abspielen.

So bekommt jeder der Guardians seine Momente. Die unterhalten, treffen oft und sind gut. Erstaunlicherweise verbleibt hier aber ausgerechnet Chris Pratt als Star Lord - trotz persönlicher Verbindung zu Bösewicht Ego - erstaunlich blass und vermag es abseits einiger gelungener Einzelmomente auch kaum zu glänzen oder gar zu strahlen. Auch er erlangt erst im Finale seine frühere Leuchtkraft zurück und wirkt im Mittelteil wie, ja, herunter gedimmt. Eben ganz wie nahezu der gesamte Film, der trotz herrlicher und knallig bunter Optik, kreativer Ideen und noch so viel mehr, nicht wie unter voller Luminanz wirkt. Als am hervorstechendsten und im Gedächtnis haften verbleibend dürfte sich Baumwesen Groot herausstellen, welcher in seiner Baby-Form so manche Szene an sich reißt. Kindchenschema extrem, aber wirkungsvoll. Zumindest für einige Zeit. Denn auch wenn Baby Groot hier die Show mit seiner Kulleraugen-Optik und Begriffsstutzigkeit stiehlt, nutzt sich dieser Gag auch irgendwann ab, und Groot liefert abseits davon eigentlich gar nichts. Kein epischer, selbstaufopfernder Gänsehaut-Moment wie im Finale des Erstlings und auch kein adäquater Ersatz hierfür. Egal von welcher Figur oder in welcher Szene des Filmes. Schlimmer noch, könnte das Ende von Guardians of the Galaxy Vol. 2 nicht offensichtlicher angerast kommen. So büßt dieses ein gutes Stück bis alles an potenzieller Kraft ein und verpufft. Schade. Auch schade, haben die Effekte ab und an einen Aussetzer, wirken dann minimal unfertig sind aber zumeist überaus gelungen. Ebenso das 3D, welches funktioniert, aber letztendlich auch kaum Mehrwert liefert. Daneben und erwähnenswert gibt es noch Sylvester Stallone in einer zukünftig offensichtlich noch deutlich wichtiger und größer werdenden Rolle zu sehen - zu dem sich im Abspann dann noch weitere durchaus bekannte Recken gesellen. Apropos Abspann, denn in Guardians Vol. 2 heißt es einmal mehr sitzen bleiben, und zwar bis zum bitteren Ende. Denn hier erwartet Fans von Szenen vor, während und nach dem Abspann ein wahres Fest, mit mehr Material (ganze fünf Szenen) als jemals zuvor bei Marvel, die teilweise durchaus große Veränderungen und Gegner für die Zukunft andeuten.

Fazit:

Guardians of the Galaxy Vol. 2 ist weiter spaßige Unterhaltung im Space, hat aber deutliche dramaturgische Schwächen und so einige Längen im Mittelteil, die ihn merklich ausbremsen. Im Gesamtpaket ein Stück unter dem ersten Film, aber immer noch gut, ziemlich schräg, unverschämt, frech, und verdammt launig und unterhaltsam.

7 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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