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Kritik:
Green Lantern


von Christian Mester

GREEN LANTERN (2011)
Regie: Martin Campbell
Cast: Ryan Reynolds, Blake Lively, Peter Sarsgaard, Mark Strong

Story:
Im All bestreitet der außerirdische Weltraum-Polizist Abin Sur (Temuera Morrison) ein Duell gegen Parallax, einem bösartigen Wesen, das im Alleingang ganze Planeten auslöscht. Im Kampf tödlich verletzt, wird Sur gezwungen, einen Nachfolger zu finden und reist dafür flugs zum nächstbesten bewohnten Planeten. Auf der nahen Erde angekommen, überlässt er es sodann seinem Ring der Macht, einen geeigneten Rekruten zu finden. 

Der Ring wählt Hal Jordan (Ryan Reynolds), einen jungen Kampfpiloten mit draufgängerischer Attitüde. Als Hal durch eine kosmische Laternen Surs zum Heimatplaneten des sogenannten Green Lantern Corps gebracht wird, bildet man den Auserwählten zu einem der ihren aus. Doch Hal hat keine Lust auf interplanetarischen Beamtendienst und setzt sich früh ab, will die große Verantwortung nicht auf sich nehmen. Es bleibt ihm jedoch nichts anderes übrig, da das Ungetüm Parallax hungrig Kurs auf die Erde nimmt und niemand sonst helfen will.

Kritik:
Während die Helden aus dem Konkurrenzkader Marvels derzeit florieren - erst vor kurzem liefen X-Men: Erste Entscheidung und Thor, in Kürze Captain America, dann Avengers - Die Rächer, The Amazing Spider-Man, Wolverine 2, Ghost Rider 2, Iron Man 3, Thor 2 und X-Men: Zweite Entscheidung - tut sich die Konkurrenz des ewigen Konkurrenten DC aktuell eher schwer. 2012 mag zwar DCs sehnlich erwarteter The Dark Knight Rises kommen, der dritte und finale Batman der Bale/Nolan-Reihe, doch darüber hinaus hat man es unlängst verpasst, vergleichbare Dauererfolge zu feiern. Einen neuen Superman hat man in petto, doch Probleme am Script und Angst vor dem kommenden Hobbit, ließen dessen Rückkehr feige auf 2013 verschieben. Der neue Versuch, Wonder Woman als starke Live-Action- Fernsehserie zu etablieren, wird aktuell gar totgeschwiegen. Der Pilotfilm mit Adrienne Palicki als Heldin wurde so schlecht, dass man die Blamage gar nicht erst ausstrahlte. 

Große Erwartungen hatte man demnach an Green Lantern, der mit einem gewaltigem Budget von 200 Millionen Dollar realisiert wurde und damit das unangefochtene 3D-Action-Highlight des Jahres werden will, oder zumindest, genau so lukrativ wie Thor laufen sollte. Leider weit gefehlt, denn nach bereits viel zu niedrigem Startwochenende schwand das Interesse an der Action-Fassung von Jim Carreys Die Maske schnell wieder. Auch Fans und Kritiker waren eher enttäuscht, waren sich jedoch einig, dass der Film zumindest mittelmäßig ist. Aus der Traum vom neuen Großerfolg, weswegen ein zunächst freudig angekündigter Green Lantern 2 vorsichtig wieder dementiert wurde. Neugierig darf man sich nun fragen, wieso ausgerechnet diese Comic-Verfilmung nicht mit den anderen gleichauf liegen soll – zumal es eine der teuersten ist. 

Als im Juli 2010 ein kleiner Junge zur wichtigen Comic- und Filmmesse Comic Con nach San Diego kam und dort den Green-Lantern-Hauptdarsteller Ryan Reynolds vor versammelter Fanhalle bat, das berühmte Kredo der grünen Laterne zu sprechen, rührte es hunderte Zuschauer zu Tränen. Ein unvergessliches Erlebnis für das Kind und ein stolzer, erfüllender Moment für Reynolds. Ein Jahr später ist es nun schade, dass im fertigen Film nichts Vergleichbares zu empfinden ist - leider unter anderem auch wegen Reynolds selbst. Der sympathische Schauspieler, der bereits in Blade: Trinity und X-Men Origins: Wolverine als Comic-Held aufgetreten war, gibt als Space Cop eine nur mäßige Performance ab. Sein Hal Jordan ist ein halbgarer Verschnitt von Tom Cruises Maverick aus Top Gun, ohne je die Power, den Esprit und den Biss eines tollkühnen Kampfpiloten zu haben. Er ist ein Troublemaker, aber kein mitreißender Schelm, der Spaß macht. Als eindimensionaler Milchbubi überzeugt er nicht, der optimale Auserwählte zu sein. Er geht auch keinerlei Entwicklung durch und versagt an emotionalen Momenten, was es letzten Endes schwierig macht, mit ihm mit zu fiebern oder ihn anschließend gar wiedersehen zu wollen.

Umkreist wird Reynolds von einer Schar ähnlich leerer Figuren, die schwach gespielt und belanglos inszeniert sind. Als prädestinierte Deko stellt man Reynolds TV-Star Blake Lively zum Anbandeln zur Seite, die attraktiv ist, jedoch ebenso schrecklich hölzern agiert wie Lynn Collins in X-Men Origins: Wolverine. Es wird von langjähriger Vertrautheit und Liebe gefaselt, doch nichts dergleichen wirkt authentisch; mit kleinsten Änderungen könnte man glauben, sie seien Bruder und Schwester. Nichts knistert. In weiteren Nebenrollen finden sich Tim Robbins als Senator, Angela Bassett als Wissenschaftlerin und Mark Strong als Laternen-Ausbilder, die alle auftauchen und ihre Texte aufsagen, in ihren Rollen aber keine Relevanz erlangen. Vertan ist die Chance, die skurrilen Gestalten des Corps in den Vordergrund zu rücken, sie als eingeschworenes Team oder faszinierende Gemeinschaft zu zeigen. Überhaupt fehlen Wow-Momente zu den neuen Welten und Wesen, wie man sie noch in Avatar fühlte. Was zu einem Kaufrausch auf interessante Spielzeuge oder Inspirationen für zukünftige Cosplayer hätte werden können, verkommt zu grüner Hintergrunddeko. 

Eine positive Überraschung stellt hingegen Peter Sarsgaard dar, der langsam zu etwas mutiert, das an eine Monsterfassung des Sängers Jonathan Davis von KoRn erinnert. Der entstellte Wasserkopf mag nicht unbedingt gelungenes Motiv für populäre Actionfiguren abgeben, überrascht aber mit einer angenehm enthusiastischen Verrückter-Wissenschaftler-Rolle, wie man sie aus den alten Universal Klassikern kennt. Theatralisch, laut und herrlich überdreht kaspert Sarsgaard herum und scheint als einziger verstanden zu haben, dass sie in einem Film agieren, in dem ein Mann in grüner Zorro-Maske Leute mit Lichtfäusten verprügelt. Parallax ist ein Comic-Mega-Bösewicht, wie man ihn leider nur selten sieht: groß, Welten bedrohend und nur mit gewaltigen Methodiken zu bezwingen. Beide sind gelungen, doch leider schafften es die Drehbuchautoren nicht, sie interessant miteinander, oder mit den übrigen Figuren zu verknüpfen. 

Auf starke Darsteller kann man mitunter verzichten, gelingt restlicher Popcorn-Spaß, doch auch diesbezüglich ist Green Lantern ein nur mittelmäßiges Unterfangen. Der Lantern-Planet Oa, der astrale Showdown und sämtliche anderen im All spielenden Szenen sehen tricktechnisch hervorragend aus – leider gibt es davon viel zu wenig zu sehen. Der Großteil der Szenen spielt auf der Erde, wo man zumeist in kleinen Wohnungen oder auf billig aussehenden Sets bleibt, die im Kontrast zum imposanten Rest stehen. Da sich Hal alles Erdenkliche mit seinem Ring manifestieren kann, sollte man sich ausgefallene Ideen erwarten dürfen, doch abgesehen von einer schrägen Rettung mit Spielzeug-Inspiration bleibt es bei der Erstellung gewöhnlicher Waffen und Fäuste. Bis auf das unweigerliche Duell mit Parallax gibt es zudem keine wirklich nennenswerte Actionszene im Film; eine frühe Jet-Sequenz sieht schlechter aus als die aus dem sechs Jahre alte Stealth: Unter dem Radar, andere Auseinandersetzungen bleiben klein und wenig aufregend.

Auffällig ist, dass der Film viele arrogante Züge trägt und dies herunterspielt. Bei einem Testflug gefährdet Hal unnötig das Leben seiner Freundin, lässt millionenteures Equipment schulterzuckend zu Bruch gehen und spielt gleichgültig mit zahlreichen Arbeitsstellen; als wegen ihm dutzende Leute gefeuert werden und sich beschweren, verprügelt er sie. Diese Mir-doch-egal Attitüde mag an Iron Man erinnern sollen, wirkt aber nicht so verschmitzt. Sein fragwürdiges Tun passt jedoch zu dem seiner späteren Arbeitskollegen. Als Parallax die Erde erreicht und Hal den Weisenrat der Lanterns, ein Gremium blauer Knirpse, um Hilfe anfleht, lehnen diese trotz geschworener Ehre, sich für alle Welten aufopfernd einzusetzen, arrogant ab. Umso hämischer ist es dann, dass ein paar Laternen zum großen Endkampf erscheinen, aber bloß um unbeteiligt zuzuschauen, wie Green Lantern um seine sechs Milliarden Artgenossen kämpft. 

Für Produzenten darf Green Lantern als Horrorfilm gelten, denn selten gab es eine derart ineffiziente und widersprüchliche Budgetverfeuerung. So hat man sich unter anderem dazu entschieden, Hals Uniform komplett am PC zu generieren obwohl es letzten Endes nur wie ein hautenger Neoprenanzug mit Dioden aussieht. Gar grausig ist die Idee, ihm eine computergenerierte Maske zu verpassen und seine Pupillen aufzuhellen. Ein Konzept, das dem Comic entnommen sein mag, in der Umsetzung aber irritierend wirkt, zumal die einzigen Personen die ihn von Nahen sehen, ohnehin sofort erkennen, wer er ist. Ebenfalls sehr misslungen ist eine Actionszene mit einem abstürzenden Hubschrauber, die auf dem Niveau einer Sci-Fi-Fernsehserie umgesetzt ist. Als Parallax schließlich zur Erde kommt, bleibt das Getöse des Behemoths auch enttäuschend klein; Destruktion vom Formate Roland Emmerichs gibt es nicht, obwohl es sich anbieten würde und das Riesenbudget zumindest kleine Riesenspektakel ermöglichen sollte. 

Für Regisseur Martin Campbell (Casino Royale) ist Green Lantern am Ende keine Blamage, aber ein Fehltritt. Nachdem schon seit letzter Film, der Thriller Auftrag Rache mit Mel Gibson überflüssig war, ist sein Superheldenfilm besser, aber ein gänzlich generischer, nur teilweise interessant umgesetzter Werksjob nach bekanntem Schema. Ein durchaus ansehnlicher, aber deutlich schwächerer Film als die anderen diesjährigen Comic-Verfilmungen, der selbst leider kaum nennenswerte Eigenheiten oder Highlights auffährt. Zumindest in einer Hinsicht kann Green Lantern mit Thor und Captain America mithalten: der eingesetzte, bloß nachkonvertierte 3D-Effekt ist ebenso wirkungsarm wie bei den Kollegen.

Fazit:
Aufgrund der Fülle an gut gemachten Comic-Verfilmungen in den letzten Jahren bleibt es nicht aus, Green Lantern als nur mittelmäßigen Beitrag zu sehen. Zu uninteressant bleibt die Hauptfigur, zu gering das Spektakel, zu generisch sein Heldenwerdegang. Stutzt man Erwartungen im Vorfeld, kann er als durchaus solider Science-Fiction-Actiontitel durchgehen - auch wenn man dann im Nachhinein seufzen wird, dass es auch wesentlich besser ginge.

4 / 10

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