BG Kritik:

Green Room


Manuel Föhl ist seit 2004 aktives Mitglied bei Bereitsgesehen. Als Redakteur war er u.a. für 35 Millimeter - Das Retro Filmmagazin tätig.

Green Room (USA 2016)
Regisseur: Jeremy Saulnier
Cast: Patrick Stewart, Anton Yelchin, Imogen Poots, Alia Shawkat

Story: Die Punk-Rock-Band The Ain't Rights muss gerade jeden Gig annehmen um ihre nächste Tankfüllung bezahlen zu können und sie mal nicht klauen zu müssen. So sagen sie auch zu, in einem Wald in Oregon in einem Club zu spielen, der hauptsächlich von Neo-Nazis besucht wird. Doch als die vier Mitglieder ungewollt Zeugen eines Mordes werden, stecken sie im „Green Room“ des Clubs fest.

Alles grün hier? Nicht wirklich, aber erstmal in Ruhe hinsetzen und die Kritik lesen, bevor alles eskaliert.

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Jeremy Saulnier hatte nicht den einfachsten Weg zum Film. Trotz erfolgreichem Studium und Auszeichnungen musste er sich erstmal als Kameramann in kleineren Independent-Produktionen durchschlagen, bis er schließlich mit BLUE RUIN (USA 2013) seinen Durchbruch als Filmemacher schaffte. Geburtstag. Die Selbstjustizstory um einen Obdachlosen, der seinen Eltern einst durch einen Mord verloren hat und deren Mörder nun freigelassen werden soll, wurde seinerzeit in Cannes mit dem Director's Fortnight Prize (FIPRESCI) ausgezeichnet und heimste auch sonst größtenteils positive Kritiken ein. GREEN ROOM baut auch auf eine Art Rachemotiv, wobei die Selbstjustiz hier eher aus der Not mangels Alternativen geboren wird.

Die Prämisse in einem engen begrenzten Raum eingekesselt zu sein hat man mittlerweile schon öfters im Kino gesehen. Viele ziehen vor allem den Vergleich mit John Carpenters ASSAULT ON PRECINCT 13 (Assault – Anschlag bei Nacht, USA 1976), welches schon 2005 sein Remake bekam. In diesem Fall kann man es aber eher weniger als Belagerung eines Ortes sehen da sich relativ schnell die Grenzen immer wieder verschieben. Auch der Einbezug des Horror-Genres funktioniert am ehesten noch über die Komponente des Splatters. Aber selbst dieser Sachverhalt erklärt sich mehr oder minder mit der rohen und direkten Inszenierung von Jeremy Saulnier, die die Gewalt im Film auf eine gewisse Art auch rechtfertigt. Natürlich kann man hinterfragen, ob es nötig ist sie dann auch so explizit zu zeigen, der Verleih hat damit eine Freigabe ab 18 Jahren riskiert und erhalten, aber auf der anderen Seite sind die Gewaltspitzen nicht wirklich der Großteil des gesamten Films.

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Die Inszenierung des Films wirkt dabei besonders im ersten Drittel noch sehr unentschieden. In den ersten Minuten des Films versucht Saulnier, unterstützt durch den Score von Brooke und Will Blair, eine Art Melancholie um die Bandmitglieder zu schaffen. Bis zum Ende bleibt eigentlich unklar, was damit bezweckt werden sollte, da die Band und ihre Mitglieder für den Zuschauer größtenteils anonym bleiben, ohne Anknüpfungsmöglichkeiten für Empathiemomente. So ist dann auch die Eskalation der Handlung im ersten Drittel des Films weniger ein Schock für die Zuschauer als für die Figuren. Es scheint fast so, als versuche Saulnier durch die Gewalt den Einbezug des Publikums zu verstärken. Die Entscheidungen, die die Figuren dann im Laufe der Handlung treffen sind glücklicherweise oft nicht fern jeglicher Logik, doch gleichzeitig fällt das Mitfiebern grundsätzlich schwer, da eine Beziehung zu den Figuren schlichtweg nicht aufgebaut wird. Dafür hätte Saulnier zu Beginn mehr und sinnhaftiger mit den bereits erwähnten kurzen, schnipselartigen Momenten der Melancholie umgehen müssen.

Die bekannten Gesichter im Cast sind auch in puncto Spannung eine Art Achillesferse des Films. Zumindest, wenn man daran geht, zu überlegen, wer die besten Überlebenschancen hat. Vielerorts las man schon, dass der Film aufgrund seiner Unberechenbarkeit bei der Ausschaltung seiner Figuren überzeugt, doch gerade darin scheint der Film bekannten Figurentypen zu folgen und wartet eher weniger mit Überraschungen oder Innovationen auf. Dabei können aber auch die beiden bekanntesten Gesichter unter den Jungschauspielern, Imogen Poots und Anton Yelchin, keine wirklich bleibenden Eindrücke hinterlassen. Yelchins Figur wird ab einem gewissen Punkt eher forciert in den Vordergrund gerückt, während Imogen Poots Amber eigentlich den ganzen Film über ein Mysterium bleibt. Selbst Patrick Sterwarts Figur des bösen Nazi Darcy Banker ist auf der einen Seite dankbar für einen Mimen von sonst sympathischen Charakteren, doch wirkt auch er eher begrenzt in seinen Möglichkeiten. Da gibt das Drehbuch leider seinen Schauspielern teilweise zu wenig her.

Fazit:

Was will uns der Dichter damit eigentlich sagen? Jeremy Saulniers GREEN ROOM mag in seiner Gewaltausübung und –darstellung sehr explizit sein, aber aufgrund seines Versuchs, das Geschehen realistisch und nüchtern einzufangen, kann man dies nachvollziehen. Anders verhält es sich mit den Figuren. Saulnier versucht es erst gar nicht, Empathie mit den Bandmitgliedern aufzubauen. Einerseits konsequent, aber andererseits verlässt er sich auf bekannte Heldenmuster, wenn es um die nach und nach grafische Ausschaltung einzelner Figuren geht. Die angesprochenen wenigen Momenten in denen Saulnier versucht, eine Art stille Atmosphäre um die Band-Mitglieder aufzubauen wirken schlussendlich mehr wie Fremdkörper, da sie im Gesamtkontext jeglicher Sinnhaftigkeit entbehren.

5 / 10

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