hauptseite  |  kritiken |  news |  trailer showroom |  jetzt im kino  |  community  |  impressum



 

 

Kritik:
Hänsel & Gretel:
Hexenjäger


von Christian Mester

HANSEL AND GRETEL: WITCH HUNTERS
(2013)
Regisseur: Tommy Wirkola
Cast: Jeremy Renner, Gemma Arterton, Famke Janssen

Story:
Jeder kennt das Kindermärchen über Hänsel und Gretel, die ein Knusperhaus im Walde fanden und darin nur knapp einer hungrigen Hexe entgingen, indem sie diese einfach mal 30 Minuten wie Pizza auf Ober/Unterhitze buken. Was jedoch keiner weiß: es lag den beiden anscheinend so gut, dass sie es zu ihrer Lebensaufgabe machten. 20 Jahre später sind sie (Gemma Arterton, Jeremy Renner) dann legendäre Hexenjäger, die eines Tages auf die Überhexe (Famke Janssen) stoßen...

Kritik:
Ein Hänsel & Gretel Actionfilm? Zugegeben, einen Märchenstoff in einen dramatischen Film zu verpacken hat schon Snow White and the Huntsman vor kurzem finanziell erfolgreich vollbracht, aber die Vorstellung "Kindermärchen wird Erwachsenenaction" fällt doch noch immer schwer - zumal es wenn, eher als Horrorstoff verfilmt werden müsste, gleißen gerade Grimms Märchen mit überaus düsteren Geschichten. Die Idee eines Hauses aus Süßigkeiten mag noch in den absurden Comic-Kosmos eines Alice im Wunderland gehören, aber junge Kinder, die von einem Kannibalen gefangen genommen werden und nur knapp entkommen können indem sie einen schlimmen Mord begehen (= die Story), ist Trauma-Material. Und hier im Intro des Films sogar dementsprechend treffend umgesetzt, gruseln sich zwei Kinder gegen eine finstere Hexe an.

Danach ändert sich das Feeling jedoch schlagartig, tauchen die nun herangereiften Ex-Kids in schwarzer Montur (weil schwarz = cool) und mit Gadgets wie automatischen Armbrüsten, Spezialgewehren und Miniguns (weil = cool) auf, um "cool" Hexen zu erledigen. Aus dem schaurigen Intro wird also ein Actionfilm mit zwei ermittelnden Jägern, die sich vereint gegen das Böse verschworen haben. Wem das bekannt vorkommt, erinnert sich bestimmt trübe an The Brothers Grimm aus dem Jahr 2005, in dem Matt Damon und Heath Ledger als die Hänsel & Gretel Autoren ähnliches bewerkstelligten... in dem die sonst immer gern gesehenen Matt Damon und Heath Ledger leider ziemlich mau wegkamen, ging das Konzept doch so gar nicht auf, was uninteressanten Figuren und lahmer Action zu verdanken war. 

Trotz 3 Dimensionen bleibt aber auch dieser neue Ansatz, was das betrifft, knusperlose Bude, da diese hippen, älteren Hänsel & Gretel bedeutungslos belanglose Figuren sind. Sie nehmen alles mit steinerner Miene, lassen sich von nichts abschrecken oder berühren und räumen so routiniert gelangweilt auf, als wären sie Müllmänner, die zum 1208sten Mal ihre Tour fahren. Dass es im Laufe der Geschichte mal persönlich wird oder eines der Leben ärger auf dem Spiel steht, lässt sie gähnen, und was vermutlich abgebrühte Coolness ala Clint Eastwood in zig Filmen sein soll, wirkt bei Arterton und Renner keineswegs; für beide sind es undankbare, identitätslose Rollen, in denen sie nicht glänzen können. Völlig verschlafen ist Famke Janssen als Oberhexe, die sich unmotiviert durch bedeutungslose Dialoge droht, hinter CGI-Make-Up verschwindet und in etwa so eindrucksvoll ausfällt wie die Bösewichte in den Ghost Rider Filmen.

Besser ist die Regie von Tommy Wirkola, der sich eindeutig von Sam Raimis Tanz der Teufel Filmen hat inspirieren lassen. Da reicht sie nicht heran, aber die Art, wie er badewannenweise Blut, schwarzen Humor, Trolle und fauchende, an Deadites erinnernde Hexen einsetzt, hat was. H&GHJ bleibt trotz lahmer Figuren flott und kurzweilig, und egal ob es unterhaltsam unterschiedliche Hexen sind, mehrere Besenflugverfolgungsszenen ala der Speederjagd in Rückkehr der Jedi-Ritter oder vereinzelt gelungene, richtig stumpfe Dialogszenen, immer wieder zaubert er Unterhaltung dazu, wo eigentlich keine sein dürfte, und überspielt die absurd dämliche Grundidee, das ansonsten abgedroschene Script das nicht vorhersehbarer ausfallen könnte - besonders dann, offenbart Famke Geheimnisse aus der Vergangenheit und spricht von einer Prophezeiung, sowie die nichtssagenden Baumwipfeln von Akteuren, die sich in jeder Szene sichtlich woanders hinwünschen. Durchladen kann man das, wenn sonst nichts ansteht, aber nachladen wohl nicht.

Fazit:
Um die Welt vor weiteren Märchen-Actionfilmen zu wahren, müsste man H&GHJ eigentlich mit Ignoranz und Missmut strafen, aber trotz Trashnote schlägt sich die Nichte von Matt Damons Brothers Grimm und Hugh Jackmans Van Helsing
besser als gedacht auf dem Besen: sofern man das Hirn außen vorlässt und mit moderatem Spaß auskommt, ein kurzweiliger solcher.

6 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

> Deine Meinung zum Film?

 

Copyright © 2004-2050 bereitsgesehen.de, alle Rechte vorbehalten
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websites verantwortlich