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Kritik:
Hangover


von Christian Mester

The Hangover
(2009)
Regie: Peter Segal
Darsteller: Ed Helms, Bradley Cooper, Mike Tyson

Story:
Alan, Stu und Phil wachen eines Morgens mit einem Höllenkater in Vegas auf und haben nicht den blassesten Schimmer, was an dem Abend zuvor passiert ist. Sie wissen nur noch, dass sie in der Stadt den Junggesellenabschied ihres besten Freundes Doug feiern wollten – doch Doug, der eigentlich bis zum Nachmittag auf seiner eigenen Hochzeit erscheinen sollte, ist spurlos verschwunden. Dafür haben sie auf einmal ein Baby und einen Tiger.

Kritik:
Dass Hangover der Überraschungshit des US-Sommers werden würde, damit hatte sicherlich niemand gerechnet. Kein bekanntes Gesicht unter den Hauptrollen, Regie vom Macher von Der Date-Profi und ein Drehbuch vom Schreiber von Der Womanizer sprachen eigentlich grundlegend gegen einen echten Homerun, doch irgendwie konnte das abgedrehte Vegas-Abenteuer aller Skepsis trotzen und schon Tausende begeistern. Zu Recht?

Was den Machern absolut gelungen ist, sind die vier Freunde und ihre Chemie miteinander. Im Großen und Ganzen bedienen die drei Hauptfiguren zwar wieder die typischen Komödienklischees (einen Vernünftigen, einen Schönling, einen Freak), doch im Vergleich zu anderen Buddy-Konstellationen wirken sie alle glaubhaft, ja fast real. Man kauft ihnen ab, dass diese so unterschiedlichen Figuren wirklich Freunde sein könnten. Auch, dass sie sich schon ewig kennen, was ihre Freundschaft ungemein angenehmer und entspannter macht. Es wirkt endlich mal nicht aufgesetzt und es tut gut zu sehen, dass der Vernünftige mal nicht direkt der ängstliche, sozialschwache und cartoonhafte Vollnerd ist, der Freak kein einsilbiger Chaostyp, der Beau kein übertriebener Frauenmagnet. Sie wirken wie... Menschen, mit Vergangenheiten, Sorgen und Eigenarten.

Das gleiche findet sich auch in den Späßen wieder, die fast hauptsächlich aus irrer Situationskomik und verrückten Zufällen bestehen. Ein tanzender Mike Tyson? Ein Tiger im Polizeiwagen? Angriff eines nackten Asiaten? Alles mit dabei, doch wie auch die Figuren bleiben die Geschehnisse immer halbwegs glaubwürdig und wirken nie zu abgedreht. Vor allem in der ersten Hälfte des Films sind unheimlich viele Gags gelungen, was hauptsächlich an den drei charismatischen Freunden liegt, die auch allein schon Spaß machen (und ruhig wiederkommen können). Überhaupt - wer selbst gern verrückte Partyabende mag, für einen Vegas-Trip mit ungeahnten Folgen offen wäre und gegebenenfalls auch schon mal rekonstruieren durfte, was am Vorabend so alles geschah, wird ohne Ende zu Lachen haben, denn das Szenario ist einfach hervorragend eingefangen und wird herrlich auf die Spitze getrieben.

Zach Galifianakis, der den Verrückten der Truppe spielt, bekommt dabei mit seiner unberechenbaren Art mit Abstand die besten Szenen; der Mann könnte glatt einer der nächsten namhaften Comedy-Stars werden. Justin Bartha (der Bräutigam) und Ed Helms (der Vernünftige) kriegen allerdings eher weniger zu tun, sind aber durchweg solide und fungieren hauptsächlich als Gegenpunkt, und Bradley Cooper? Also wenn es einen gibt, der im kommenden A-Team Kinofilm den spitzbübischen Glatteischarmeur Faceman spielen muss, dann er.

Wie die meisten Kater hat dieser leider aber auch seine Unannehmlichkeiten, die das Erlebte etwas trüben. So flacht das Tempo ab der Hälfte plötzlich ganz schön ab, und je mehr Teile vom großen Gesamtpuzzle zusammenkommen, desto mehr nimmt auch der Spaß ab. Vor allem das Ende mit dem letztendlichen Fund des Bräutigams will überhaupt nicht zum langen Vorlauf passen und bleibt weit hinter dem gelungenen Hinweg zurück. So gut die drei Freunde an sich auch sein mögen, so schlecht sind leider alle Nebenrollen, die fast allesamt nervig und überzogen ausfallen.

Ken Jeong als Bösewicht ist schrill und unerträglich, die hübsche Heather Graham als verliebte Strippermama fast schon ein laufender Meta-Joke, der nur noch schlimmer wird, als man tatsächlich versucht, ihr eine authentische Love-Story mit einer der Figuren zu vermitteln. Man wartet eigentlich nur darauf, dass der Regisseur ins Bild kommt und bestätigt, dass sich die Prostituierte aus From Hell und Pornodarstellerin aus Boogie Nights und Sexagentin aus Austin Powers II hier gerade in Hangover-Stu verknallt hat. Aber das ist ja Vegas, der Mythenplatz verrückter Zufälle. Darüber hinaus fällt vor allem eine Szene sehr schlecht auf, in der die Jungs mal eben im Handumdrehen beim Kartenspielen gewinnen, als wäre es das einfachste auf der Welt. Das und so andere Kleinigkeiten wollen nicht so wirklich zum relativ ehrlichen Anfang passen.

Fazit:
Hangover ist unter dem Strich eine gute Komödie und sicher auch – wie es überall berichtet wird – eine der besten des Jahres. Das mag aber eher daran liegen, dass Konkurrenz wie Bride Wars, Kaufhaus Cop, Pink Panther 2, Das Hundehotel, Miss March, Dance Flick und Nachts im Museum 2 die Latte dieses Jahr allgemein sehr niedrig halten.

6 / 10 
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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