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KRITIK:
Harpoon:
Reykjavik Whale Watching Massacre
von
Christian Mester
REYKJAVIK WHALE WATCHING MASSACRE (2010)
Regie: Julius Kemp
Cast: Gunnar Hansen
Story:
Als der Skipper eines Walbeobachtungsschiffes bei
einem Unfall verletzt wird, lassen sich die
verzweifelten Landratten von einem alten
Walfangschiff kielholen. Den
neuen Matrosen ist der Smutje ausgegangen, weswegen sie
fortan beabsichtigen, ihren frisch gefangenen
Frischfang zu Fudder zu verarbeiten.
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Da kommen Erinnerungen an
DIRTY HARRY V auf |
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Kritik:
Als der kuriose Titel
des Films vor einigen Monaten bekannt gegeben wurde,
schlug er unter Genrefans echte Wellen. Wellen des
Schmunzelns, denn der Titel klang und klingt so
dermaßen schräge, dass man ihn auf Anhieb einfach
nur mögen konnte. Irgendwann vergingen die Lacher
dann jedoch, denn zum einen erwartete man sich – wie
so oft – doch nur viel Lärm um Nichts, zum anderen
tauchten plötzlich auch noch ernste Stimmen auf, die
meinten, der Film sei ein echter Geheimtipp. Er sei
ein durch und durch spannender, gut gemachter
Slasher mit schwarzem Humor, hieß es. Aus
Skandinavien kamen mittlerweile ja schon
„Verblendung“, „So finster die Nacht“ und „Cold
Prey“, durfte man also eine weiteren Geheimtipp
erwarten?
Der erste Eindruck überrascht. Das muss man ihm
lassen - für einen eigentlich banalen Film über
mordlüsterne Fischermänner, die ihre Passagiere
filetieren, räuchern und verputzen wollen, sieht „Harpoon“
fraglos gut aus. Die gesamte Handlung spielt zwar
nur auf zwei Booten, ist auf diesen aber ordentlich
in Szene gesetzt. Regisseur Julius Kemp beweist ein
Händchen für guten Look und charakterisiert beide
Kähne, die die Hauptlocation des Films bilden,
gelungen als unheilvolle Orte. Sie wirken so, wie
sie in Filmen dieser Art sein müssen: groß,
verwinkelt, kalt und stinkend. Da werden warme
Erinnerungen an „Virus“, „The Fog“ und „Freitag der
13. Teil VIII – Todesfalle Manhattan“ wach.
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Das Sequel:
ANKER INSANITY, Anchor Bay |
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Solly
Wer sich anhand des Titels nun völligen Trash ala „Tokyo
Gore Police“ erwartet, liegt falsch. Keine
Blutgeysire, kein Amokkebab, kein Massaker. Es geht
zwar zur Sache, das allerdings immer gedämpft und
niemals wirklich ausfallend werdend. Viele der
Mordszenen haben zudem etwas entschärfend
Schwarzhumoriges an sich – etwa, wenn ein Schwimmer
mit einer riesigen Walfangharpune harpuniert wird
(dass das Opfer in diesem Fall sogar japanisch ist,
lässt bei der traurigen Walfang-Tristesse beinahe
bittere Satire hinein interpretieren. Aber auch nur fast,
da es letzten Endes doch nur ein flacher Slasher
ist).
Als echte Comedy sieht er sich nun aber auch nicht,
weswegen "HRWWM" zwischen zwei Stühlen sitzt. Dazu
kommen inhaltliche Gräten in die Geräte, die das
Geschehen trüben. Sind die Bösen in Form
kannibalischer Matrosen zumindest für
Genrekonvention absolut tauglich, gehen ihre Opfer
qualitativ allesamt über die Planke. Kemp verpasst
es leidlich, eine echte Hauptfigur zu finden und
sammelt gesichtlose Nobodies. Die Handlung springt
wirr von einem zum anderen, und das Problem hierbei
ist, dass sie alle Figuren unsympathisch oder
fürchterlich dusselig, teilweise sogar beides sind,
teilweise sogar schlechten Klischees entsprechen. So
ist einer der Asiaten beispielsweise ein grinsender
Mann mit Fotoapparat Marke „solly“. Dass diese dann
nach und nach zu Fischfrikadellen verarbeitet
werden, ist dann weder spannend, aufgrund des
Verzichts auf deutlichen Humor auch nicht allzu
amüsant.
Dass der Film unter dem
Strich aber kein völliges Disaster ist, darf Kemp
dem Gesamtpaket zuschreiben. Ein großer
Mainstream-Start würde sicherlich auf Grund
auflaufen, doch Genrefans bietet er mehr als genug,
Spaß damit zu haben. Hier haben sie auch mal wieder
Gelegenheit, Gunnar Hansen vor der Kamera zu sehen,
der vor 36 Jahren mal den dicken Leatherface im
original „Texas Chainsaw Massacre“ gab. Trotz
Villain-Ikonenstatus und kannibalischen
Hintergründen dieser ist er hier jedoch weder
Bösewicht, noch lange dabei. Er tanzt auch mit
keiner Harpune, falls das irgendwer erwartet. Lustig
wäre es sicherlich gewesen.
Fazit:
Weil er an einer recht ungewöhnlichen Location
spielt und darüber hinaus auch noch grundsolide
inszeniert ist, kommen Horrorfans um „Harpoon:
Reyjavik Whale Watching Massacre“ nicht herum. Wer
sich im Genre hingegen nicht auskennt, muss trotz
des Titels keinen hanebüchenen Trash befürchten. Der
Film hat seine Gräten und enttäuscht vor allem durch
dämliche und dämlich agierende Figuren, ist unter
den zweitklassigen Streifen aber fraglos einer der
sehenswerteren.
Dass der skandinavische Film zurzeit mit
international auffälligen Titeln wie „So finster die
Nacht“, „Verblendung“, „Cold Prey“ und diesem
aufblüht, ist vorbildlich. Da kamen bislang zwar
nicht ausschließlich Volltreffer bei herum, doch
hierzulande sollte man sich von dem Mut zum
Genrestoff endlich mal eine Scheibe abschneiden.
„Angel: Norderney Kabaljau Massaker“ wäre vielleicht
ebenso vergurkt wie dieser, vielleicht aber auch
ebenso charmant, denn das ist er trotz der Makel.
Der Filmtitel allein lässt doch schon schmunzeln.
4 / 10
10 -
Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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