home  |  vorschau  |  kritiken  |  gewinnspiele  |  drehbücher  |  impressum  |  links  |  chat  |  forum


 

KRITIK:

Harry Brown


von Christian Mester

HARRY BROWN (2010)
Regie: Daniel Barber
Cast: Michael Caine, andere, die nicht Michael Caine sind

Story:
Als Harry Browns (Michael Caine) Freund durch aufmüpfige Jugendgangs getötet wird, macht sich der ehemalige Royale Marine daran, das Problem in seine 77jährigen Hände zu nehmen...

Caine spielt auch im
dritten Batman Alfred

Kritik:
"96 Hours mit Michael Caine"... so nannte man "Harry Brown" im Vorfeld, der zu allem Irrsinn schon fast als Actionfilm beworben wurde. Wie man es sich anhand der Besetzung natürlich schon denken kann, ist "Harry Brown" kein "Death Wish 4: Das Weiße im Auge", sondern ein Drama mit kleineren Thriller-Anleihen.

Die ausgehende Bedrohung hinterlässt direkt zu Anfang bitteren Nachgeschmack und zeichnet, dass manche Jugendgruppen in englischen Bezirken aufgrund von Frust und Perspektivlosigkeit (ein tatsächliches Problem in England) langsam davon abkommen, menschliche Werte wie Würde und simples Gut & Falsch auseinander halten zu können. Gesetzlosigkeit beginnt und damit auch das letzte Aufbäumen eines alten Kämpfers mit Werten wie Moral und Anstand, der schon seit 20 Jahren "zu alt für den Scheiß ist". Da aber niemand sonst helfen kann, nimmt er sich die Sache als Ein-Mann-Bürgerwehr an.

Seinen Oscar konnte er nicht persönlich entgegen nehmen,
da er zu der Zeit DER WEISSE HAI 4 drehte

Nennenswerte Action-Einlagen gibt es wie gesagt trotz gezückter Pistolen nicht, das hält Brown doch keineswegs davon ab, dennoch seinen Mann zu stehen. Der vermeintliche Nachteil seines Alters wird geschickt zum Spannungsaggregrat gemacht, hinzu kommt, dass Brown eine aufopferische Alles-Egal-Einstellung an den Tag legt, die sein Überleben nie sicher macht.

Der großartige Michael Caine, der das britische Thriller-Drama zwischen seinen Butler-Auftritten in "The Dark Knight" und "The Dark Knight Rises" gemacht hat, zeigt, aus welchem Holz er geschnitzt ist und rührt als geschwächter, verzweifelter Pensionär, der Frau und Freunde an Ungerechtigkeiten verloren hat; zudem erkennt man den ehemaligen Elitesoldaten in seinen Augen, der auf lange Erfolge zurückblickt und frustriert erlebt, dass das Schlechte nie ein Ende findet. Seine Darbietung ist ergreifend, seine dynamischeren Szenen nie unglaubwürdig. In einer Nebenrolle agiert die immer gute Emily Mortimer.

Vergleicht man Browns Vigilanten-Auftritt mit Clint Eastwoods im Meisterwerk "Gran Torino" - zwei unweigerlich heran ziehbare Stoffe - finden sich viele Ähnlichkeiten, die an einem Scheideweg schließlich auseinander gehen. Während Clints Kriegsschreckenbewältigung mit zynischem Humor daher kommt, ist Caines Fassung weit düsterer und trauriger. Barber deklariert die Jugend-Unterwelt Englands zum grau-trüben gefährlichen Kriegs- und Drogenschauplatz, die ein effektvolles Übel darstellen, selbst aber zu knapp klassifiziert werden. Die letztendliche Message des Films ist wie so oft bei Filmen wie diesen ein wenig fragwürdig, wird aber zumindest nicht so plakativ und gewaltumjubelnd eingesetzt wie sonst. Hinzu kommt, dass ein später Twist zu filmisch wirkt und das Ende unnötig überdramatisiert ist, doch der augenscheinlichste Malus ist das gewählte Schema des gesichtslosen Gegners "die kriminellen Jugendlichen". Ein vernünftiger Repräsentant dieser Einstufung wäre von Vorteil gewesen, der gewählte Heimliche ist eine schwache Wahl, das Zwischenmenschliche bleibt außen vor.

Fazit:
Caines eleganter Kampf gegen kritische Britkonflikte ist ein neuer Schaukasten des alten Recken, der sich stilvoll und gekonnt alternd gegen das Böse einsetzt.

6,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

> Deine Meinung zum Film?


Das Copyright der genannten Markennamen und genutzten Promotionsmaterialien
liegt bei den entsprechenden Besitzern. Texte und nicht-promotionalen Bilder
Copyright bereitsgesehen.de
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websiten verantwortlich.