BG Kritik:

The Hateful Eight


Seit 6 Jahren bei BG. Er hat Geschichte, Soziologie und Anthropologie studiert und ist ebenfalls als Autor tätig.

The Hateful Eight (USA 2015)
Regisseur: Quentin Tarantino
Cast: Samuel L. Jackson, Kurt Russell, Jennifer Jason Leigh

Story:
Inmitten des Wilden Westens suchen acht Fremde Schutz vor einem herannahenden Blizzard in einer Hütte im Nirgendwo. Darunter ein Kopfgeldjäger und seine Gefangene.

Tarantino hat sich fest vorgenommen, nur zehn Filme zu drehen. „The Hateful Eight“ ist der achte Streich des legendären Regisseurs - da ist die Nummer im Titel sicherlich kein Zufall.

Tarantino will nach diesem nur noch zwei weitere Filme drehen...


Quentin Tarantinos Filme sind für sich grundverschieden und trotzdem irgendwie gleich. Sie unterscheiden sich immer im Szenario, ähneln sich aber immer im Stil. Fantastische Dialoge, exzessive Gewalt und gut ausgearbeitete Charaktere sind seine Markenzeichen. Visuell nicht immer herausragend, aber erzählerisch fantastisch, erfreut, schockiert und vor allem fesselt er immer. Seine Filme sind zeitlos, da sie immer Geschichten erzählen, mit denen man sich zu jeder Zeit auseinandersetzen kann. Tarantino bedient sich dabei den grundlegendsten Eigenschaften des Menschen und präsentiert sie überspitzt durch Anti-Helden oder komplett Wahnsinnige. Wenn schon nicht alle seine Filme, so hat die Person Tarantino bereits zu Lebzeiten Kultstatus erreicht und das zurecht.

Ob „The Hateful Eight“ auch irgendwann einmal Kult werden wird, ist schwer zu sagen. Tatsache ist, er wäre beinahe nicht entstanden. Im Mai 2014 wurde das Drehbuch im Internet unerlaubt veröffentlicht und Tarantino drohte bereits damit, die Produktion des Films einzustellen. Gedreht wurde der Film dann aber trotzdem, und es entstand ein Kammerspiel, welches sich stark wie ein Theaterstück anfühlt und weniger wie ein Kinofilm. Das ist zwar eine erfrischende Seltenheit im Kino, aber leider auch die größte Schwäche der hasserfüllten Acht.

„The Hateful Eight“ ist ein Kammerspiel. Es spielt die meiste Zeit über in einem Raum und alle Akteure sind zu jeder Zeit zugegen. Diese Nähe zwischen den Figuren ermöglicht spannende und intensive Gespräche und eine schnelle Charakterentwicklung. Wie geschaffen für Tarantino, wenn doch fast jede Szene in seinen Filmen aus Dialogen bestehen, welche auf einen Höhepunkt hinauslaufen. Aber hier liegt auch eines der Probleme der Acht. Nicht jeder Dialog führt zu einem Höhepunkt, nicht jeder Charakteraufbau ist schlussendlich relevant und so manche Entwicklung wirkt trotz langer Einführung recht plötzlich.

... da er fürchtet, im Alter an Qualität zu verlieren


Leider hat der Film so einige Längen, welche sich eindeutig dadurch erklären lassen, dass „The Hateful Eight“ das falsche Medium für seinen Film nutzt. Theaterübliche Stilmittel werden genutzt, um Szenen zwischen Akteuren zu beenden und sich anderen zuzuwenden. Die kaputte Tür der Hütte, die man jedes Mal erneut aufbrechen und zunageln muss, sorgt für einen fortlaufenden Witz, der sich fast durch den ganzen Film zieht. Leider erschöpft sich das Potential dieses Witzes bereits nach dem zweiten Mal. Die begrenzten Möglichkeiten auf der Bühne erzwingen dabei eine gewisse Wiederholung, aber der Film hat eine andere Möglichkeit. Auch gab es so manch andere Szenen, welche man in einem Theaterstück nur beschrieben und nicht gezeigt hätte, welche aber Tarantino in voller Länge darstellt, ob es einem gefällt oder nicht. Durch die Summe solcher Szenen wird der erste Teil der Acht zu lange, wobei der zweite Teil aber zu kurz scheint und durch die plötzliche Entwicklung der Geschehnisse, fast wie ein anderer Film wirkt. Glücklicherweise wird der Hass durch die Figuren getragen, dabei stellen vier der acht die Highlights dar.

Kurt Russell als furchtloser aber naiver Kopfgeldjäger, Jennifer Jason Leigh als seine freche Gefangene, Samuel L. Jackson als ehemaliger Sklave und Unionssoldat und Walter Goggins als Sheriff und ehemaliger Konföderiertensoldat, spielen alle anderen an die Wand und machen von Anfang bis Ende Spaß. Hier gibt es absolut nichts zu bemängeln. Insgesamt fehlt „The Hateful Eight“ aber die erzählerische Harmonie der vorangegangen Filme.

Fazit:

Quentin Tarantinos Mischung aus „Der Gott des Gemetzels“ und „Django Unchained“ ist eine Nummer für sich. Nicht gerade sein stärkster Film, aber ein gewohnt guter Tarantino.

7,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

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