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Kritik:
Headhunters


von Christian Mester

HODEJEGERNE
Regie: Morten Tyldum
Cast: Aksel Hennie, Nikolaj Coster-Waldau

Story:
Roger (Aksel Hennie) ist ein renommierter Headhunter; ein Personaler, der Unternehmen beste Fach- und Führungskräfte findet. Ausschweifenden Luxus liebend, nutzt er den Job jedoch heimlich, um bei seinen umworbenen Heads einzubrechen und ihnen edle Kunstwerke zu stehlen, die dann in Übersee verhökert werden. Haarig wird es, als der ansonsten unerschrocken dreiste Dieb ins Haus des ehemaligen Soldaten Greve (Nikolaj Coster-Waldau) einbricht. Was als Routine-Coup beginnt, wird auf einmal zum tödlichen Spiel, bei dem Roger lange nicht sicher sein kann, ob man ihm auf die Schliche gekommen oder er in etwas völlig anderes geraten ist...

Kritik:
"Der neue Verblendung"? Als solches wird Headhunters beworben, doch auch wenn man in Schweden nach dem gleichen europäischen Erfolg wie bei der großen, auch schon US-neuaufgelegten Salander-Reihe lechzen mag, es beides Bestsellerverfilmungen und beides sogar Filme vom gleichen Studio sind, haben sie letztlich doch nur wenig gemeinsam.

War "Verblendung" ein Krimi auf Blomkvists, und ein hartes Charakterdrama auf Salanders Seite, so ist "Headhunters" ein Thriller. Ein sehr geradliniger, der sich auf eine Person konzentriert und diese den gesamten Film über eng begleitet. Dass das durchaus ansehnlich ist, darf gleich drei Parteien verdankt sein. Zum einen wäre da Autor Jo Nesbo, der eine zwar nicht originelle, aber bravourös gestaffelte, spannende kleine Thrillervorlage im Milieu der gelangweilten Reichen erzählt. Abwechslungsreiche Schauplätze, gute Überleitungen und undurchsichtige Charaktere lassen zum einen gebannt bleiben, was aus dem Helden (ist er denn einer?) wird und wer denn eigentlich sein wahrer Gegenspieler ist, der ihn da unablässig jagt. Auch wenn die Anzahl der Verdächtigen klein ist, ist Rogers Jagd nach, und gleichzeitige Flucht vor der Wahrheit ein gelungenes Thrillerexponat mit einigen solide gesetzten Wendungen und einer Entfaltung, die nicht für jeden absehbar und somit effektiv sein dürfte. Höhepunkt des Geschehens ist eine längere Verfolgungsjagd gegen Filmmitte, die ohne wirkliche Actionszenen auskommt, dafür aber immer wieder fesselt.

Das größte Lob sei Darsteller Aksel Hennie (Max Manus) ausgesprochen, der die Figur des Roger Braun facettenreich entwickelt. Roger ist bereits auf den ersten Blick eine interessante Rolle: ein self-made man, ein gelackter Erfolgsmensch, der seine Business-Boxhandschuhe wie Balboa beherrscht und trotz 1,68m Größe größer als jeder Kollege auftritt. Der dazu noch die Gelassenheit besitzt, nebenbei zum Hobby Thomas Crown zu sein. Ein eitler Gordon Gekko als Dieb, der plötzlich in die Enge getrieben wird, wäre so schon unterhaltsam genug, doch Hennie macht mehr draus. So verbirgt sich hinter seinem kaltschnäuzigen Player ein doch weicher, gutherziger Kern, der seine eigenen Beweggründe hat und ungeahnte Erklärungen liefert. Beides ist unterhaltsam mitanzusehen - wie Roger langsam sympathisch wird, seine Menschlichkeit offenbart, aber auch, wie der sorglos lebende Edelkriminelle auch mal unfreiwillig und ungewohnt selbst zum Opfer wird. Hennie spielt es hervorragend und macht Roger trotz vieler schlechter Züge zu einer sehenswerten Figur, der man mit Neugier folgt.

Gut, aber nicht ganz so bemerkenswert ist die Regie von Morten Tyldum. Als typisch nordisch ist Headhunters eine unterkühlt wirkende Geschichte, hauptsächlich desaturiert in vielen Blau-Tönen gehalten. Wie die Verblendung-Trilogie ist sie stilvoll und sehr angenehm gefilmt eingefangen, wobei man es sich auch hier zu Nutze macht, dass die schwedische Umgebung an sich äußerst kameratauglich ist. Ein stimmiger Score unterstreicht das Geschehen, dem Tyldum dann jedoch leider selbst entgegen arbeitet, wodurch der Film wiederum an Zug, an Spannungsmoment verliert: hin und wieder eingestreut ins Szenario sind absurde, schräg-witzige Momente. Das funktioniert beispielsweise leicht tarantino-esk, in Momenten, die auch an den exzellenten Brügge sehen und sterben erinnern. Oftmals tritt Tyldum aber zu weit; etwa, als eine mit Exkrementen eingeschleimte Figur in Schrittgeschwindigkeit mit einem Trecker zu fliehen versucht, auf dem wiederum jemand aufgespießt ist. Oder wenn Roger von zwei dicken Zwillingen ala Tweedle-dee und Tweedle-dum einkassiert und dann auch noch von einem ernsten Kollegen begleitet wird, der optisch aus einem Teil der New Kids Filme stammen könnte.

Damit verbaut sich der Film gerade im letzten Drittel Atmosphäre, die man bis zur Höchstspannung hätte treiben können. Das Endresultat ist dementsprechend ein guter, aber gehemmter, geschwächter Thriller, der feige vor Intensität und damit größerer Denkwürdigkeit zurückschreckt.

Fazit:
Sehenswerte Hauptfigur und generell souverän umgesetzte Thriller-Unterhaltung, die sich jedoch für mehr selbst im Wege steht. Bedenkenlos wählbare Kost für alle Genrefans, kein Topfilm.

7 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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