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Kritik:
Heartless


von Christian Mester, basierend auf Import-DVD

HEARTLESS (2010)
Regie: Philip Ridley
Cast: Jim Sturgess, Clemence Poesy

Story:
London, East End. Nacht. Der schüchterne Jamie (Jim Sturgess) schlendert durch die leeren Gassen seines Bezirks, seinen Hoodie tief ins Gesicht gezogen. Argwöhnisch beobachtet er die Straßengewalt niederträchtiger Gangs, bis auch er eines Tages von den Gesetzlosen in die Mangel genommen wird. Doch was ist das, wieso hat einer von ihnen ein scheinbar… echsenähnliches Gesicht?

Kritik:
Als Jim Sturgess (bitte nicht mit dem ähnlich aussehenden Wes Bentley aus „American Beauty“, „P2“ und „Ghost Rider“ verwechseln) mit seinem Pokerfilm „21“ 2008 als sympathischer Neuling empfangen wurde, gab es schnell Interesse an seinem nächsten Film. Über „Heartless“ blieb man als Filmfan jedoch erstmal lange im Dunkeln, da er fast zwei Jahre lang unbeobachtet auf Eis lag, bis man dann irgendwann erfuhr, dass er komme, irgendwie mit dem Straßenmilieu Londons und Dämonen zu tun haben und leichten Comic-Film Touch haben sollte. „Constantine“ trifft „Trainspotting“? Hielt man etwa einen tatsächlich guten Filmen zurück, unfähig, ihn richtig zu vermarkten? Wir erinnern uns: der großartige "Donnie Darko" lief fälschlicherweise auch nur im kleinen Kreise an.

Eine solche Mischung wäre fraglos interessant gewesen („Constantine 2: Hellblazer“ darf übrigens gerne endlich kommen, „Trainspotting 2: Porno“ besser nicht), aber „Heartless“ ist keins von beidem und erst recht keine Mischung aus beiden. Es ist ein zwar atmosphärisches und gar nicht mal so schlechtes, aber relativ handlungsarmes, action- und gruselloses Charakterdrama, das ein wenig herumdonniedarkot, aber unter dem Strich in keinerlei Richtung so wirklich intensiv wird und definitiv keine der möglichen Vorerwartungen trifft; sei es, so zu sein wie einer von beiden genannten Titeln oder aber, so gut zu sein wie die beiden. Uff.

Als Charakterdrama funktioniert Philip Ridleys Film sogar noch recht ordentlich. Sturgess ist gut als introvertierter Trautsichnix, der ein unnötig isoliertes, trauriges Leben lebt und durch all seine dämonischen Bekanntschaften langsam aber sicher gefordert und auch belohnt wird, aufblüht. Ridley setzt es recht schön um, wie Umgebung und Begleitpersonen zu Jamies Wandel visuell korellieren.

Dieser Part ist gelungen, allerdings ist der verbleibende Rest Kraut und Rüben. Da wäre der Spannungsverlauf, der leider blasser als Jamies farbenfroher partieller Gesichtsteint bleibt. Jamie erlebt zwar einiges und gibt eine fleißige Spürnase ab, aber seine andauernde Schnitzeljagd hinter den „V“-ähnlichen Fratzen her wird nie fesselnd, egal was für Twists, Verfolgungsjagden oder Überraschungsmomente einem der Film auch entgegen wirft. Dafür ist die eingesetzte Optik und die Charaktere, die manches Mal an den ebenfalls schwer zugänglichen russischen Fantasy-Action-Horror-Titel „Wächter der Nacht“ erinnern, einfach zu seltsam und zu knorrig inszeniert.

In Nebenrollen gibt’s mit Clemence Poesy Ansehnliches, mit Timothy Spall und Eddie Marsan gewohnt gute britische Szenenaufwertung, aber insgesamt bleibt „Heartless“ in seiner Besetzung und seiner Handlung dann doch insgesamt zu verschlossen, zu langweilig. Was eindrucksvoll wirken will, bleibt klein, was aufregend wirken will, fad. Was kunstvoll sperrig wirken will, „Pi“ und „Mulholland Drive“ lassen grüßen, kleinkariert. Bis auf die gelungene Tristesse Jamies zu Anfang ist „Heartless“ sogar eher misslungen, böse Zungen könnten sogar behaupten, es fehle ihm zu sehr an Herz. Besonders schwach ist am Ende das Ende selbst, das offenbar als großes Emotionssilikon die letzte offene Kante abdichten will, aber einfach nicht die große Wende und Erklärung ist, die es sicherlich sein wollte.

Fazit:
„Heartless“ nicht weltweit in die Kino zu bringen, war eine gute Wahl, da das komische Tristessenkino mit seinen lahmen Twists und der öden Story gnadenlos ungesehen geblieben wäre… aber schlecht ist er dennoch nicht. Erwartet man ein farbarmes, solide gespieltes Charakterdrama mit gewagtem Mystery-Drumherum, weiß „Heartless“ doch noch zu gefallen.

p.s.: Die bereits gefällte FSK 18 Freigabe ist übrigens ein Witz, nichts im Film rechtfertigt eine solch hohe Freigabe.

4 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

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